Die Journalistin Kirstin Kahler räumt mit Medienmythen auf (c) Thinkstock/LueratSatichob
Die Journalistin Kirstin Kahler räumt mit Medienmythen auf (c) Thinkstock/LueratSatichob
Tipps für den Umgang mit Medien

Fünf Dinge, die Sie über Journalisten wissen sollten

Einfach mal nicht ans Telefon gehen, wenn die bösen Reporter anrufen? Keine gute Idee. Für ein erfolgreiches Miteinander mit Journalisten räumt unsere Gastautorin mit einigen Medienmythen auf.
Kirsten Kahler

„Oh Gott! Da ist schon wieder diese Journalistin am Telefon! Kann man die nicht abwimmeln?“ Nicht dass wir uns missverstehen: Journalisten sind dazu da, unsere Gesellschaft transparent zu halten. Wenn ein Unternehmen in die Krise gerät, kann dies von hohem öffentlichem Interesse sein. Dann wollen und müssen Medien darüber berichten. Aber sie sind auch Wirtschaftsunternehmen, die um Auflage und Quoten kämpfen. In ihnen arbeiten Menschen, die genau so anfällig für Missverständnisse und Spekulationen sind wie jeder andere auch. Wenn Ihr Unternehmen in die Krise gerät, werden Journalisten darüber berichten wollen. Und es liegt in Ihrer Hand, wieviel Wahrheit und Klarheit man darin finden wird. Deshalb finden Sie hier fünf Dinge, die Sie über Journalisten wissen sollten:

1. Man kann Journalisten nicht vom Berichten abhalten

Und sie lassen sich nichts diktieren. Aber je mehr Informationen Sie herausgeben, desto wahrer ist die Berichterstattung. Und desto eher werden Sie als „Thema“ für die Redakteure ausgereizt sein. Wenn Sie aber kommunikativ in Deckung gehen, verschärft dies das Misstrauen und schürt Spekulationen. Dann kommen die Reporter erst recht. Denn solange sich eine Krise entwickelt, schreiben die Redaktionen Fortsetzungsgeschichten – ob mit oder ohne Ihre Unterstützung. Da ist es doch besser, wenn sie auf Ihre Informationen und Ihr Hintergrundmaterial zurückgreifen können statt auf Mutmaßungen, oder? Sind Sie darauf vorbereitet?

2. Journalisten klopfen gern einfach einmal auf den Busch

...beziehungsweise schütteln den Baum. Mal sehen, ob etwas Verwertbares herunterfällt. Das tun sie im Dienste der Wahrheit und Klarheit, aber auch für Quote und Auflage. Sei es im Sommerloch oder im Konkurrenzdruck. Wenn Sie also genau über das Geschehen in Ihrem Unternehmen Bescheid wissen und Ihre Kernbotschaften formuliert haben, dann widerstehen Sie dem Baumschütteln leichter. Tatsächlich haben viele Unternehmen ihre Kernbotschaften noch gar nicht definiert. Kennen Sie Ihre? Und übrigens: Nicht jeder Journalist hat vorab gründlich recherchiert. Schnelligkeit geht vor. Es kann passieren, dass Sie in Ihrer Antwort die Unebenheiten der Frage erst noch glattziehen müssen.

3. Man kann mit Journalisten verhandeln

Wenn ein Magazin eine längere Story über Sie plant, und wenn Sie wissen, dass Sie demnächst etwas Wissenswertes zu bieten haben, dann ist die Redaktion vielleicht bereit, die Story zu verschieben. Wenn es aber um öffentlichkeitswirksame Negativ-Ereignisse geht, lassen sich Journalisten das Berichten nicht ausreden. So sarkastisch es klingt: helfen kann da nur noch das Unglück anderer. Denn jedes Medium hat für seine Berichterstattung nur begrenzten Platz zur Verfügung.

4. Freche Fragen gehören für Journalisten zum guten Ton

Das meinen sie gar nicht persönlich – meistens jedenfalls nicht. Es ist das Publikum, das sich Brot und Spiele wünscht. Aufstieg und Fall einer Person oder einer Firma – daraus strickt man die schönsten Geschichten! Zudem sehen sich viele Journalisten auf der Seite der Schwachen, der Kleinen, des Volkes und so weiter. Das ergibt sich schon aus der Rolle als Vierte Gewalt, die ihnen die Demokratie zuschreibt. Der Vergleich zu Robin Hood ist nicht fern. Wer sich als „Anwalt“ seines Publikums versteht, der sieht fast automatisch alles mit Skepsis, was groß, mächtig, reich oder staatlich ist. Da ist es zweitrangig, ob der Journalist für das Regionalblättchen arbeitet oder für das große Wirtschaftsmagazin.

5. Die Krise der Konkurrenz ist auch Ihre Krise

Mit Blick auf Hintergrundberichterstattung und Faktenfortschreibung weiten Redakteure die Thematik immer weiter aus. Nach den ersten Berichten folgt bald die „zweite Welle“. Da wird dann geschaut, wie eigentlich Konkurrenten, Branchen-Nachbarn und andere Stakeholder dastehen. Wenn Sie dann Ihre Kernbotschaften formuliert haben, genug „Pressefutter“ bereithalten und die Interviewsituation geprobt haben, wissen Sie auch auf freche Fragen eine besonnene Antwort.

 

 
 

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