Die interne Kommunikation kann den Flurfunk nicht eliminieren, aber steuern. (c) Getty Images/Bablab
Die interne Kommunikation kann den Flurfunk nicht eliminieren, aber steuern. (c) Getty Images/Bablab
Interne Kommunikation

Frieden schließen mit dem Flurfunk

Der Flur ist einer der meist genutzten Kommunikationskanäle in jedem Unternehmen. Und er ist durchaus beliebt, der Flurfunk. Die interne Kommunikation kann ihn als Herausforderung annehmen.
Kerstin Feddersen

Der Flurfunk treibt in so manchem Unternehmen als natürlicher Feind der strukturierten internen Kommunikation sein Unwesen. Hoffen auch Sie darauf, ihm den Garaus zu machen oder gehört er schon dazu wie das Logo auf dem Firmendach? Uns graut vor ihm, weil er sich unserer Kontrolle entzieht, intransparent ist, Halb- und Unwahrheiten produziert und seine ganz eigene Dynamik hat, Stimmung für oder gegen Dinge macht und scheinbar stärker ist als wir.

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Wenn etwas so wenig kontrollierbar scheint, hilft – eine Strategie. Frei nach dem Motto: Umarme deine Feinde, dann sind sie bewegungslos. Denn tatsächlich ist es für die interne Kommunikation sinnvoll, mit dem Flurfunk Frieden zu schließen, sein kommunikatives Potenzial zu nutzen und ihn mit guten Geschichten aufzuladen.

Den Feind zum Freund machen

Der Flurfunk hat viele Gesichter: Da gibt es zum Beispiel den versierten Netzwerker, den alten Hasen oder den Insider. Der Netzwerker kennt alles und jeden, weiß entsprechend viel und das auch noch sehr früh. Offizielle interne Informationen sind für ihn „Schnee von gestern“. Sein Talent ist das Gespür, zu erkennen, was für wen von Interesse ist. Integration ist sein Geheimnis und damit lässt er manche Kommunikationsabteilung blass aussehen.

Oft erscheint der Netzwerker in Personalunion mit dem alten Hasen, dem so schnell keiner etwas vormacht. Schließlich hat er schon eine Reihe von Geschäftsführungen kommen und wieder gehen sehen. Er dechiffriert offizielle interne Informationen und streut sie breit. Selbstverständlich hat er auch einen exzellenten Draht zu internen Gremien, beispielsweise dem Betriebsrat.

Der Insider hat ebensolche Informationen, die von ganz innen oder von ganz oben zu kommen scheinen. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit brüstet er sich gern mit Wissen, das er eigentlich niemals verbreiten dürfte. Ich tratsche, also bin ich.

Egal welcher Typ den Flur regiert, sie alle sind auf irgendeine Art gut vernetzt und dabei breit aufgestellt. Wie ein Staubsauger ziehen sie die Nachrichten aus den Büros und pusten sie über die Lüftungskanäle in die Flurfunk-Atmosphäre.

Bestimmt haben Sie den einen oder anderen Vertreter auch in Ihren Reihen. Und auch wenn Sie sich intuitiv bereits abgrenzen: Diese Kollegen sind wichtig für die interne Kommunikation. Es hilft, sich mit ihnen zu vernetzen – halten Sie Ihr Ohr an den Tresen der meinungsbildenden Vertreter der Belegschaft. Sie werden schnell erfahren, worüber geredet wird, was die Leute interessiert, was die Ängste, wie die Stimmungen und wo die Unsicherheiten sind.

Wider besseren Wissens funkt es sich schwer

Sehen Sie es doch mal so: Ihr Flurfunk ist besonders ausgeprägt? Prima! Die Kollegen tauschen sich aus, sie sprechen miteinander? Das ist doch erstmal gut. Denn im Flurfunk manifestiert sich die Unternehmenskultur. Die interne Kommunikation kann ihn steuern, ihn auf eine solide Faktenbasis stellen. Dann wird weiterhin gefunkt, aber in ihrem Sinne und auf Wissen basierend, nicht auf Vermutungen.

Im Tagesgeschäft kann das so aussehen, dass Sie dem Flurfunk das richtige Zaumzeug anlegen:

  • Informieren Sie früh und über ein ausreichend attraktives Format. Diskutieren Sie im Team oder finden Sie in einer Blitzumfrage heraus, wie dieses Format aussehen könnte.
  • Wir alle lieben Geschichten – Storytelling funktioniert auch und gerade in der internen Kommunikation. Die Protagonisten sind Ihre Kollegen, der Alltag schreibt die besten Geschichten.
  • Stand-ups und/ oder Town Halls eignen sich perfekt, um Gerüchten die Stirn zu bieten. Hier kann man auch schön sehen, ob die üblichen Verdächtigen (siehe oben) den Mumm haben, der Führung offen Fragen zu stellen.
  • Schaffen Sie eine Plattform für spontane Kommunikation der Mitarbeiter, zum Beispiel über ein Social Intranet. Hier kann die Kommunikationsabteilung thematische Impulse setzen und auch auf direktem und unkompliziertem Wege Fakten platzieren.
  • Ermuntern Sie die Führungskräfte, sich „unter das Volk zu mischen“. Da hören sie viel und bieten ganz nebenbei, zum Beispiel in der Kantine, Raum für Fragen. So werden Spekulationen im Keim erstickt.
  • Nutzen Sie den Flurfunk als Seismograf. Sobald Sie Schwingungen in eine bestimmte Richtung empfangen, können Sie mit einer fundierten Aussage ein mögliches Beben abschwächen oder gar verhindern.

So kann es Ihnen gelingen, einen konstruktiven Flurfunk zu etablieren, der zu einer kommunikativen und offenen Unternehmenskultur beiträgt. Mit einem soliden Informationsfundament können Sie Dialoge sowohl initiieren als auch steuern. Reden hilft – immer. Und deshalb ist der Flurfunk auch nicht der Feind, sondern eher ein Kollege. Vielleicht einer der nervigen Sorte, aber auch die muss es geben. Und vielleicht können Sie ja sogar Freunde werden.

 

 
 


randbemerkung

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