Frauen in der PR-Branche sind in den Führungsetagen immer noch unterrepräsentiert. (c) Getty Images / Valeriy_G
Frauen in der PR-Branche sind in den Führungsetagen immer noch unterrepräsentiert. (c) Getty Images / Valeriy_G
GWPR Annual Index

Frauen in der PR-Branche benachteiligt

Eine aktuelle Studie deckt eine erhebliche Ungleichbehandlung der Geschlechter am Arbeitsplatz auf. Die Macher fordern mehr Maßnahmen zur Gleichstellung.
Aus der Redaktion

In der PR-Branche sind Frauen in den Führungsetagen immer noch unterrepräsentiert. Das ist das Ergebnis des aktuellen GWPR Annual Index, einer Untersuchung der Initiative Global Women in PR, die sich für die Förderung von Frauen in der Kommunikationsbranche einsetzt.

Zwar ist die PR-Branche zu zwei Dritteln weiblich besetzt – in den Führungsetagen spiegelt sich diese Verteilung jedoch nicht wider. Diese werden weitgehend immer noch von Männern dominiert. Um diesem Ungleichgewicht auf den Grund zu gehen, befasste sich die Studie sowohl mit dem allgemeinen Arbeitsumfeld in der PR als auch mit speziellen Hindernissen, denen sich viele Frauen auf ihrem Weg in die Chefetagen gegenübersehen.

Führungsetagen mehrheitlich männlich

PR-Chefetagen sind heute immer noch Männerdomäne: Bei drei von fünf Befragten (61 Prozent) sind diese mehrheitlich männlich besetzt. 16 Prozent gaben sogar an, ihr Führungsteam bestehe komplett aus Männern. Da überrascht es kaum, dass ein großer Teil der Befragten (46 Prozent) die Geschlechterverteilung in der Führung als unfair empfinden.

Gründe für eine gerechtere Verteilung der Führungsposten gibt es indes genug: Fast drei Viertel (72 Prozent) der Teilnehmer glauben, dass Frauen in der Führungsetage die Produktivität eines Unternehmens erhöhen; 70 Prozent sind der Meinung, sie erhöhen die Kreativität. Fast zwei Drittel (64 Prozent) glauben sogar, Frauen in der Führung würden die sich positiv auf die Profitabilität einer Firma auswirken. Die Mehrheit der Befragten meint jedenfalls, die Branche habe in dieser Beziehung noch viel Arbeit vor sich: Ganze 81 Prozent geben an, dass mehr getan werden muss, um Frauen bei ihrem Weg in die Führungsetagen zu unterstützen.

Betreuungsverpflichtungen hindern Frauen am Aufstieg

Die Studie untersuchte weiterhin, welche Faktoren Frauen bei ihrem Aufstieg besonders behindern. 80 Prozent der Befragten gaben an, dass Kinderbetreuung und andere Betreuungsaufgaben die größten Hürden für Frauen seien. 35 Prozent berichten, dass Betreuungsaufgaben ihre eigene Karriere beeinträchtigt hätten.

(c) Quadriga Media Berlin

Dass Frauen mit Kindern zudem langsamer gefördert werden, glauben 39 Prozent der Befragten. Nur zwei Prozent glauben, dass dies bei Männern ebenfalls zutrifft. Ganze 24 Prozent geben an, dass ihr Unternehmen keine bezahlte Elternzeit anbietet.

Was also kann in dieser Beziehung unternommen werden, um Frauen den Weg in die Führungsetagen zu erleichtern? 70 Prozent verlangen flexiblere Arbeitsbedingungen; jedoch beklagen immerhin 20 Prozent der befragten Frauen, dass ihre Arbeitgeber solchen Arbeitsmodellen negativ gegenüberstehen.

Frauen erhalten weniger Unterstützung

Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es auch bei der Frage, welche unterstützenden Leistungen Mitarbeitern in ihren Unternehmen geboten werden. Das Ergebnis: Männer erhalten häufiger Zugriff auf Förderung in Form von Leistungsboni, Schulungen, Mentoring-Programmen oder Networking-Gelegenheiten.

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Wenige Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung

Untersucht wurde zudem, wie in der PR-Branche mit sexueller Belästigung umgegangen wird. Weltweit gab ein Drittel (33 Prozent) der befragten Frauen an, Opfer von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz geworden zu sein. Dabei werden solche Vorfälle von den Betroffenen oft nicht angesprochen: 60 Prozent geben an, ihre Erlebnisse dem Arbeitgeber nicht gemeldet zu haben.

Grund dafür könnten fehlende Vorgaben zum Umgang mit sexueller Belästigung sein. Über ein Drittel (35 Prozent) der Befragten geben an, dass es in ihrem Unternehmen keine Richtlinien oder Schulungen dazu gebe. Trotz der Fortschritte, die seit „Me Too“ dabei gemacht wurden, Konversationen über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz anzutreiben, habe die Branche in dieser Beziehung also noch viel Arbeit vor sich.

Über die Studie

Der GWPR Annual Index wurde von der Initiative Global Women in PR, einer Mitgliedsorganisation für Frauen in leitenden PR-Positionen in Kooperation mit dem Meinungsforscher Opinium durchgeführt und erschien 2019 zum ersten Mal. Im Rahmen der Studie wurden 678 PR-Professionals aus 37 verschiedenen Ländern befragt; davon waren 90 Prozent Frauen und 10 Prozent Männer. Die Studie ist Teil eines Fünfjahresplans, in dessen Rahmen weltweit der Fortschritt bei der Gleichberechtigung der Geschlechter verfolgt werden soll. Die gesamte Studie gibt es hier.

 

 

 

 

 
 


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