Der neue Bambusbesen ist nicht jedem Redakteur eine Schlagzeile wert. (c) Thinkstock/Indysystem
Der neue Bambusbesen ist nicht jedem Redakteur eine Schlagzeile wert. (c) Thinkstock/Indysystem
Schlechte Pressearbeit

Fix, supereasy – und völlig überflüssig

In dieser Kolumne berichten Medienmacher hautnah von ihren Erfahrungen mit Kommunikatoren. Sie loben und lästern. Diesmal schreibt ein verwunderter Bild-Reporter über Bambusbesen in der Nachrichtenredaktion.
Kai Feldhaus

Neulich, neun Uhr früh in der Redaktion. 42 neue Nachrichten im Posteingang, den ich abends um zehn noch geleert hatte. Erste Mail, Auszüge: „Liebe Redaktion! Ob Mama, Tante oder beste Freundin, über das (Name der Redaktion bekannt)-Geschenk-Set freut sich jeder Matchaholic und -beginner. Mit dem (Name der Redaktion bekannt)- Bambusbesen ist der neue (Name der Redaktion bekannt)- Supermodel’s Secret Matcha fix und supereasy aufgeschlagen und lädt zum gemütlichen Beisammensein ein.“

Wäre die E-Mail in Hebräisch verfasst, hätte ich ähnlich viel verstanden, wäre aber interessierter gewesen. Meinen die wirklich mich? Ich bin Nachrichten-Redakteur, kein Matchaholic. Zumindest glaube ich das. Spürt man das, wenn man Matchaholic ist?

Im Tagesgeschäft befasse ich mich mit Erdbeben, Unfällen und mit Hunden, die mit der Zunge an vereisten Gullydeckeln festfrieren. Mit allem Möglichen also, außer Bambusbesen. Warum also bekomme genau ich diese Mail? Irgendwie scheine ich in einen PR-Verteiler geraten zu sein, der sich an Menschen richtet, die „Supermodel’s Secret Matcha fix und supereasy“ aufschlagen. Verstehe ich nicht. Klingt aber beneidenswert. Fix und supereasy, wären wir das nicht alle gern? Rechte Maustaste, löschen.

Weitere Mails laden mich zum Gruppenmeditieren mit Swami Jyothirmayah ein, wollen über die Zukunft des Luxusuhrenhandels informieren („Luxus ist politisch!“) und – mein Tagessieger, schon morgens um 9.08 Uhr – freuen sich mit kindlicher Euphorie darüber, dass „Heiner Lauterbach’s (sic!) Beauty Geheimnis überragender Testsieger bei RTL geworden ist“: „Das ‚Bio-Botulinumtoxin‘ Gel Biotulin begeistert Hautärztin im TV Magazin Punkt 12!“

Wäre das also auch geklärt. Um 9.11 Uhr steht fest, dass mich von den 42 Mails exakt zwei tatsächlich interessieren: Unser Korrespondent in New York hat eine tolle Geschichte an der Angel, und meine Frau erinnert an den Augenarzttermin unserer Tochter. Die restlichen Mails wandern in die Tonne.

Ich frage mich: Wäre es für die PR-Agenturen, die sie morgens versenden, nicht effektiver, man würde die Mails ausdrucken und aus dem Fenster werfen? Vielleicht findet sich ja jemand, der sie aufsammelt und denkt: Wow, wenn das Bio-Botulinumtoxin-Gel Biotulin sogar die Hautärztin bei RTL begeistert, dann probiere ich das auch mal.

Ich für meinen Teil werde auch weiterhin alle PR-E-Mails ignorieren, die sich nicht einmal die Mühe machen, mich persönlich anzusprechen. Wenn Sie mit mir über ein Thema sprechen möchten, greifen Sie zum Telefon. Rufen Sie mich an! Vielleicht können Sie mir ja erklären, was genau ein Matchaholic ist.

 

 
 

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