Autodoc wollte 34.000 Warnwesten an Erstklässler verteilen./ Autodoc: (c) AUTODOC GmbH/Dirk Dehmel
Autodoc wollte 34.000 Warnwesten an Erstklässler verteilen./ Autodoc: (c) AUTODOC GmbH/Dirk Dehmel
Ist Autodoc rechtsextrem?

Firma darf keine Warnwesten an Schüler verteilen

Die Firma Autodoc wollte Warnwesten an Berliner Schüler verteilen. Die Ausgabe wurde wegen Rechtsextremismusvorwürfen in der New York Times gestoppt.
Toni Spangenberg

Was als PR-Sponsoring-Aktion geplant war, entwickelte sich in kürzester Zeit zum Disaster: Ein Berliner Unternehmen wollte 34.000 Warnwesten an Erstklässler verteilen. Die Berliner Bildungsverwaltung hat die Ausgabe nun gestoppt. Der Grund: Laut einem Bericht der New York Times solle die Firma Autodoc Teil einer größeren Kampagne zur Desinformation in Schweden sein, mit der Stimmung gegen Ausländer gemacht werde. So stärke die aus Russland gesteuerte Aktion rechte Bewegungen.

Der Online-Händler für Autoersatzteile schaltete Werbung auf sechs rechtsextremen Webseiten in Schweden, berichtet die New York Times. Neu ist das nicht. Schwedischen Journalisten ist das bereits 2017 aufgefallen. Nach dem Hinweis sei die Werbung sofort gestoppt wurden, so Autodoc-Sprecher Thomas Casper. Dem Tagesspiegel sagt er: „Wir sind vehement gegen Rassismus und Rechtsextremismus und distanzieren uns davon.“ Die Mitarbeiter der Firma hätten mehrheitlich einen Migrationshintergrund und sprächen über 30 Sprachen. Damals habe die Firma auf 400 schwedischen Webseiten geworben, sechs davon seien rechtsextrem gewesen.

Schuld daran sei eine Firma, die von Autodoc damit beauftragt wurde, Anzeigen auf reichweitenstarken Portalen zu schalten. Der Online-Händler habe in der Konsequenz Kontrollen eingerichtet.

Beiträge über Islamhetze

Weitere Hinweise der New York Times führten dazu, dass verschiedene Internetseiten des Unternehmens durchsucht worden. Das Ergebnis der Suchaktion förderte nicht einfach abrufbare Unterseiten zu Tage, mit deren Hilfe höhere Treffer auf Google und anderen Suchmaschinen erzielte werden können. Das ist gängige Praxis. Der Inhalt einiger Autodoc-Beiträge ist allerdings pikant. So geht es unter anderem um Genitalverstümmelung in islamischen Ländern und eine christlich-fundamentale Internetseite, die den Islam als "ein Gift im Blut der Menschheit" bezeichnet. Wegen dieser Fälle habe die Firma sämtliche Unterseiten gelöscht, erklärt Autodoc-Sprecher Casper.

Derzeit prüfen die Berliner Innenverwaltung und der Verfassungsschutz laut Tagesspiegel die Vorwürfe gegen Autodoc. In einer ersten Prüfung vor der Vergabe des Warnwesten-Auftrags habe die Verwaltung keine Hinweise auf eine Nähe zu Rechtsextremisten feststellen können.

Bisher wurden die Westen mit dem Autodoc-Logo auf dem Rücken nur an der Lichtenberger Grundschule im Gutspark verteilt.

 

 
 


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