Bühne auf für fesselnde Redner (c) Digital Vision.
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Zuhörzwang erzeugen

Fesselnde Vorträge halten – so geht´s

Witz, Einleitung, These, Herleitung, Fazit, Applaus. Liest sich einfach, ist es aber nicht. Zwei Praxistipps für gute Vorträge
Matthias Pöhm

Keine Memo, kein Intranet, keine Plakataktion wird im Zweifel so viel Umsetzung erreichen wie ein echter Mensch, der vor der versammelten Belegschaft mit einer unter die Haut gehenden Rede einen Richtungswechsel auslöst. Frei zu reden ist aber noch kein Garant dafür, dass beim Publikum ein Handlungsschub ausgelöst wird. Denn zu oft hat jeder von uns schon langweilige Reden ertragen müssen. Spannung und Interesse auszulösen, beherrschen nur sehr wenige. Lassen Sie mich Ihnen zwei Elemente der Highlight-Rhetorik zeigen, mit denen Sie wirklich anders als alle anderen reden können.

Anonymes Reden

Das „anonyme Reden“ ist eine Technik, mit der Sie jedes Thema mit knisternder Spannung rüberbringen können. Der Trick besteht darin, dass Sie dabei ein Element innerhalb der Rede anonym halten, aber Sie erzählen trotzdem von „diesem Element“ – und keiner weiß, um was es sich tatsächlich handelt.

Nehmen wir an, ihr Auftrag ist es, die Sportart Golf einem Publikum schmackhaft zu machen. In diesem Vortrag planen Sie die Geschichte zu erzählen, wie ein Freund von Ihnen zum Golfspielen gekommen ist. In der klassischen Rhetorik wird die Sache so angegangen, dass man als erstes das Thema Golf erwähnt. „Anonymes Reden“ macht es anders. Hier der Beginn der Rede:

Ich hatte einen Freund, der saß eines Tages mit seinem Kollegen in der Kantine und dann erwähnte er mit Begeisterung ihm gegenüber eine Sportart. Es sagte ihm: „Seitdem ich diese Sportart mache, fühle ich mich immer ausgeglichen und seither, ich glaub es kaum, habe ich sogar weniger Konflikte zu Hause – versuch es doch auch mal!“

Mein Freund hörte andächtig zu, aber es löste keine Handlungsmotivation bei ihm aus. Drei Tage später öffnete er ein Magazin, und darin sah er einen vierseitigen Bericht, ebenfalls über diese Sportart. Er las ihn bis zur letzten Zeile und dachte sich: „Na ja, wenn ich mal viel Freizeit habe...“. Eine Woche später schaltet er den Fernseher an, und wie der Zufall so will, wurde dort ein Wettbewerb übertragen, mit genau dieser Sportart. Jetzt dachte er sich: „So viele Zufälle kann es nicht geben.“

Am nächsten Montag ging er in die Stadt und kaufte sich eine komplette Ausrüstung dieser Sportart. Er meldet sich bei einem Verein an und begann dort zu trainieren. Bereits nach drei Wochen nahm er an einem Anfängerwettbewerb teil, bei dem er völlig überraschend den ersten Platz belegte. Seither ist der von dieser Sportart nicht mehr wegzubekommen. Mein Freund spielt seit einem Jahr leidenschaftlich... Golf!

Das anonyme Element in der Geschichte war „diese Sportart“. Es wurde eine Geschichte dazu erzählt, ohne zu verraten welche Sportart das war. So erzeugen Sie eine dichte Spannung und eine drastisch erhöhte Aufmerksamkeitsenergie für Ihr Anliegen.

Die Demonstration

Eine Demonstration ist die Deutlichmachung einer Botschaft mit echten Objekten. Dazu nehmen Sie einen Gegenstand mit auf die Bühne, um ihrem Publikum eine Botschaft deutlich zu machen. Das ist das höchste Maß an Eindringlichkeit, das Sie bei einer Präsentation erreichen können. Diese Vorgehensweise ist besonders dann geeignet, wenn Sie die Hauptbotschaft so verankern wollen, dass Sie von den Zuhörern selbst noch nach Jahren erinnert wird. Ich habe eine solche Demonstration in die Rede eines meiner Kunden bei einer Pressekonferenz eingebaut.

Es war eine österreichische Hagelversicherung, die eine Werbekampagne lancierte, um die Österreicher dazu zu bringen, mehr heimisches Obst zu kaufen. Eins der Argumente war, dass der Transport von ausländischem Obst durch die Abgase die Umwelt zu sehr belastete. Für die Pressekonferenz nahm der Firmenchef zwei Äpfel mit. Er hielt den einen Apfel hoch und sagte: „Das ist ein Apfel aus Oberösterreich. Um den hierher nach Wien zu transportieren, hat ein Lkw 130 km zurückgelegt. Der Schadstoffausstoß, den dieser Apfel verursacht hat, liegt bei circa 0,03 g CO2.“

Dann nahm er den anderen Apfel und hielt auch den nach oben: „Das hier ist ein Apfel, der in Chile geerntet wurde. Diesen Apfel können Sie in jedem österreichischen Supermarkt finden." Jetzt nahm er einen kleinen Stoffstreifen in die Hand, der 40 cm lang war. Er sagte: „Der steht für den Schadstoff, mit dem unser heimischer Apfel aus Tirol die Umwelt belastet hat. Dann will ich ihnen mal zeigen, welchen Schadstoff im Vergleich dazu der Apfel aus Chile verursacht hat." Jetzt holte er seinen Assistenten und lief mit ihm zusammen zur linken Wand des Presseraums. In der rechten Hand hatte er eine Rolle. Der Assistent blieb an der Wand stehen und hielt die Rolle. Der Firmenchef nahm das eine Ende der Rolle, ebenfalls ein Stoffstreifen, und wanderte damit seelenruhig bis zum anderen Ende der gegenüberliegenden Wand, fünfeinhalb Meter weit. Als er dort mit dem quer durch den Raum ausgerollten Stoffstreifen angekommen war, verkündete er: „Dieser Apfel verursacht 125mal mehr Schadstoffausstoß als der Apfel aus Oberösterreich!"

Als er diese Demonstration machte, waren alle Fotoapparate der anwesenden Journalisten in Aktion. So eine Demonstration erzeugt nicht nur eine große Aufmerksamkeit in den Medien, sondern sie bleibt auch lange in der Erinnerung haften.

 

 
 

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