Abstieg 2018: Nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für das Social-Media-Team eine Herausforderung (c) 1. FC Köln
Abstieg 2018: Nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für das Social-Media-Team eine Herausforderung (c) 1. FC Köln
Dpok – von den Besten lernen

Wie ein Bundesliga-Abstieg zum Erfolg wurde

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation wurden herausragende Projekte und Kampagnen ausgezeichnet. In dieser Serie stellen Preisträger verschiedener Kategorien ihre Konzepte vor. Der 1. FC Köln verlor den Abstiegskampf, gewann dafür mit seinem Social-Media-Auftritt.
Aus der Redaktion

Der 1. FC Köln hat mit seiner Social-Media-Kommunikation den Deutschen Preis für Onlinekommunikation 2018 gewonnen. Dabei lief die Bundesligasaison 2017/18 für den damaligen Erstligisten denkbar schlecht: Auf die anfängliche Zuversicht folgte die bittere Einsicht, den Abstieg in die zweite Liga nicht mehr verhindern zu können.

Eine Herausforderung nicht nur für die Spieler und den Verein, sondern auch für das Social-Media-Team. Mit Humor und Mut begleitete es das sportliche und emotionale Auf und Ab im Netz. Im Fragebogen erklärt Tobias Kaufmann, Medienleiter des Fußballvereins, was genau sein Team geleistet hat.

Können Sie kurz Ihr Projekt oder Ihre Kampagne beschreiben?

In unserem Fall ging es nicht um ein einzelnes Projekt oder eine einzelne Kampagne, sondern um eine Gesamtstrategie. Ausgehend von dem Ziel, den 1. FC Köln über Social Media in der ersten Europacup-Saison seit 25 Jahren auch für neue Zielgruppen interessant zu machen, hat sich im Laufe der Saison – leider – ein völlig anderes Ziel entwickelt. Es ging darum, über unsere Kanäle erst den Abstiegskampf und schließlich den unabwendbaren Abstieg so zu begleiten, dass ein würdevoller Gang in die zweite Liga möglich ist – ohne den Imageverlust und den Dauershitstorm, der mit sportlichem Misserfolg bei einem Bundesligisten einhergeht. Dies haben wir über alle Kanäle unter Berücksichtigung der jeweiligen Zielgruppen und Eigenheiten in die Tat umgesetzt und dabei unter anderem die Kampagnen #ReturnoftheGOAT (als es noch gut lief) und #durchetfüer (als es schrecklich lief) entwickelt.

Was hat Sie auf die Idee dafür gebracht?

Die Tabelle ... nein, im Ernst: Der 1. FC Köln hat eine besondere Tonalität, besondere Fans und einen besonderen Stolz. Dass wir beispielsweise in der Rückrunde die bittere sportliche Situation mit der Kampagne #durchetfüer begleitet haben, hat sich wie selbstverständlich aus der Vereinshymne ergeben. Zudem haben wir die Emotionen der Fans sprechen lassen, die auch unsere Emotionen sind – schließlich ist der FC für die Mitarbeiter am Geißbockheim mehr als nur irgendein Job.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere daran?

Das Besondere ist, dass wir entgegen der Logik der Fußballbranche nicht nur die positiven Emotionen im Europapokal genutzt, sondern auch aus einer sportlich katastrophalen Situation in der Kommunikation das Beste gemacht haben. Insofern bin ich sehr stolz auf mein Team, das in dem Bereich, in dem wir etwas zum Erfolg des Clubs beitragen können, gerade in einer für den ganzen Club bitteren Zeit erstklassige Arbeit abgeliefert hat. 

Was hat Ihr Projekt oder Ihre Kampagne bisher bewirken können?

Im Bereich Online hat der 1. FC Köln nach allen Kennzahlen die erfolgreichste Saison seiner Vereinsgeschichte hinter sich. Und noch wichtiger: Der FC ist mit hohen Sympathiewerten und einer kämpferisch-positiven Grundstimmung abgestiegen und hat sich seine Selbstironie und kölsche Authentizität bewahrt. Damit ist, was den Kommunikationsbereich betrifft, schon der Grundstein für die aktuelle Saison gelegt worden.

Würden Sie alles noch einmal genauso machen?

Vieles, aber bestimmt nicht alles. In einer Bundesliga-Saison mit Dauerkrise und Abstieg macht man auch in der Kommunikation Fehler. Wichtig ist, dass wir schnell daraus gelernt und uns angepasst haben, beispielsweise im Umgang mit Fan-Kritik. Und so sehr wir uns über den Preis für unsere Onlinekommunikation gefreut haben, ist auch klar: Wir hätten ihn sofort gegen den Klassenerhalt eingetauscht. Wichtig war und ist „aufm Platz“.

 

 

 
Tobias Kaufmann (c) Thomas Faehnrich
Tobias Kaufmann
1. FC Köln
Leiter der Medienabteilung

Tobias Kaufmann leitet die Medienabteilung des 1. FC Köln. Er ist gelernter Journalist und arbeitete unter anderem als TV-Reporter sowie von 2006 bis 2013 beim Kölner Stadt-Anzeiger, zuletzt als Chef vom Dienst.

 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Foto: Quadriga Media
Foto: Quadriga Media
Lesezeit 4 Min.
Interview

„Die Menschen brauchen einfach den Vergleich"

Bald ist es wieder so weit: Der Dpok rückt immer näher. Anna Augsburger aus dem Quadriga-Awardsteam erzählte uns, was für sie das Spannendste am Dpok ist, welche Highlights ihr aus den letzten Jahren in Erinnerung geblieben sind und welche Neuerungen uns dieses Jahr erwarten. »weiterlesen
 
Screenshot: Quadriga Media Berlin
Screenshot: Quadriga Media Berlin
Lesezeit 1 Min.
Video

„Die gleichen Themen wie vor zehn Jahren“

Vivian Pein vom Berufsverband für Community- und Social-Media-Manager sprach mit uns über Herausforderungen und Trends in der Kommunikation.  Außerdem hatte sie einige Tipps für PR-Einsteiger parat. »weiterlesen
 
Gerald Dino Wolff (Bild l.) arbeitet als geschäftsführender Gesellschafter und Partner bei der Münchner PR-Agentur Harvard Engage Communications. (c) Axel Rubbel, Jo Röttgers Graffiti / Collage: Quadriga Media Berlin
Foto: Axel Rubbel, Jo Röttgers Graffiti / Collage: Quadriga Media Berlin
Lesezeit 2 Min.
Interview

„Ich will es mir noch einmal selbst beweisen“

Nicht jeder, der das Rentenalter erreicht hat, möchte aufhören zu arbeiten. Im zweiten Teil erzählt Gerald Dino Wolf, warum er immer noch Spaß an der Arbeit hat.  »weiterlesen
 
Diese Medien gewannen einen „EWA Award“ 2018. (c) IIK/Kämpfer
Foto: IIK/Kämper.
Lesezeit 1 Min.
Meldung

EWA Award 2018: Mitarbeitermagazine ausgezeichnet

In Hamburg sind die besten internen Medien gekürt worden. »weiterlesen
 
Zeitmangel ist die größte Hürde auf dem Weg zum datengetriebenen Unternehmen. (c) Getty Images / tampatra
Foto: Getty Images / tampatra
Lesezeit 1 Min.
Studie

Big Data: Zeitmangel ist die größte Hürde

Nur eines von fünf Unternehmen verfolgt bei der Nutzung von Big Data einen strategischen Ansatz, wie eine aktuelle Studie zeigt. Ein Grund dafür: der Zeitaufwand. »weiterlesen
 
Andere zum Lachen zu bringen, kann harte Arbeit sein. (c) Getty Images/LagunaticPhoto
Foto: Getty Images/LagunaticPhoto
Lesezeit 5 Min.
Gastbeitrag

Wie Humor als Handwerk funktioniert

Was haben Harald Schmidt und die „Sesamstraße“, „Sexy Sport Clips“ und die Bundeswehr gemeinsam? Sie alle kauften Humor ein. Einblicke eines Insiders. »weiterlesen