Die Fax-Zeiten sind zum Glück passé. (c) Getty Images/gemenacom
Die Fax-Zeiten sind zum Glück passé. (c) Getty Images/gemenacom
Zuckerbrot und Peitsche

Faxe dicke

In dieser Kolumne berichten Medienmacher hautnah von ihren Erfahrungen mit Kommunikatoren. Sie loben und lästern. Dieses Mal: Tagesspiegel-Redakteur Friedhard Teuffel über die Freude am technologischen Fortschritt, den Ärger an Presseschweigern und was er von „der anderen Seite“ gerne einmal wissen würde.
Friedhard Teuffel

Es ist nicht so, dass die PR und ich nun allerbeste Freunde geworden sind, aber das schlimmste Ding steht nicht mehr zwischen uns. Es ist das Faxgerät. Bei meiner ersten Festanstellung im Berliner Büro der FAZ teilte sich das Sportressort ein Faxgerät mit Kollegen aus der Wirtschaft. Und wenn ich mal ein Telefonat für die Kollegen der Wirtschaft übernahm, konnte ich nach einer Weile den ersten Satz der anrufenden PR-Agentur mitsprechen: „Ich wollte mal nachfragen, ob unser Fax angekommen ist.“

Meistens kamen diese Anrufe, wenn alle meine Kollegen gerade zu Recherchen aufgebrochen waren. Ich wollte natürlich nicht unhöflich sein und die Antwort nicht schuldig bleiben. Nur stand das Fax zwei entfernte Ecken weiter, und ich weiß nicht, wie viele Zeilen ich nie geschrieben habe, weil ich gerade durch die Flure lief, um nach Faxen zu suchen.

Mit dem Ende der Faxe kann sich die Beziehung zwischen Journalisten und PR nun endlich aufs Wesentliche konzentrieren. Zum Beispiel auf die kurioseste Anfrage. Die bekam ich in meiner Zeit beim Tagesspiegel von einer international tätigen Agentur. Vor einer Fußball-WM machte die ein superexklusives Angebot, das wir auf keinen Fall ausschlagen könnten. Wir dürften das Logo der WM, das Maskottchen und den offiziellen Schriftzug verwenden. Und das für fast geschenkte 30.000 Dollar.

Ich muss mich noch entscheiden, was für mich das Kurioseste daran war. Die Summe? Oder die Chuzpe, mit der mir die Kollegin am Telefon diesen Schrott als Gold verkaufen wollte? Hat sie wirklich geglaubt, es würde eine Tageszeitung aufwerten, dass irgendein deformiertes Maskottchen durch die Seiten hüpft?

So. Erst mal genug aufgeregt. Und eigentlich wäre es interessant, auch mal von der anderen Seite eine Auswahl an Kuriositäten zu hören. Zum Beispiel: „Der größte Blödsinn, der aus unserer Pressemitteilung gemacht wurde ...“.*

Im Sport habe ich auf jeden Fall die ganze Qualitätsskala von unten bis oben kennen gelernt. Pressesprecher etwa, die eigentlich Presseschweiger waren. Fast nie zu erreichen, und wenn, dann mit einer Freundlichkeit, die umgekehrt proportional zum Umsatz ihres Arbeitgebers war. Das heißt: vor allem im Profifußball anzutreffen.

Am anderen Ende der Skala gibt es Pressesprecher, die mit Freude guten Journalismus möglich machen wollten. Da fällt mir Simone Hinz vom Deutschen Tischtennis-Bund ein, deren Pressemitteilungen so lesenswerte Geschichten waren, dass sie − pardon, liebe Kollegen − viele Zeitungsberichte übertrafen. Oder Pressesprecher, die den ganzen Sportbetrieb einfach mal richtig durchdacht haben, anzutreffen zum Beispiel im Deutschen Leichtathletik-Verband, bei der Deutschen Sporthilfe oder beim Deutschen Olympischen Sportbund.

Bei ihnen ist jedenfalls der vielleicht schönste sportliche Wert noch nicht ausgestorben: die Fairness.


* Haben Sie Beispiele aus Ihrem Alltag für solchen „Blödsinn“, liebe Leser? Dann senden Sie sie uns an info@pressesprecher.com!

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

(c) TeerawatWinyarat/Getty Images
Foto: TeerawatWinyarat/Getty Images
Lesezeit 1 Min.
Studie

Influencer-PR: „Wichtig ja, aber nicht bei uns“

Obwohl deutsche Pressesprecher Influencer-PR wichtig finden, spielt sie im Kommunikationsmix nur bei wenigen eine Rolle. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. »weiterlesen
 
Wenn Playmobil-Figuren in einen politischen Kontext gesetzt werden, wird Sprecher Björn Seeger besonders wachsam. (c) Geobra Brandstätter Stiftung
Foto: Geobra Brandstätter Stiftung
Lesezeit 3 Min.
Interview

„Playmobil ist nicht Spiegel der Gesellschaft“

Playmobil ist ein Stück deutscher Spielzeuggeschichte. Für die Unternehmenskommunikation ist das jedoch nicht immer ein Plus. Sprecher Björn Seeger erklärt, warum manchmal ein Spiel-Delfin reicht, um einen Shitstorm auszulösen. Und wie sich Playmobil auch im digitalen Zeitalter behauptet. »weiterlesen
 
Was bedeuten die neuen Datenschutzrichtlinien für die PR-Arbeit? (c) Getty Images/Stadtratte
Foto: Getty Images/Stadtratte
Lesezeit 5 Min.
Ratgeber

Fragen und Antworten: Die DSGVO im Praxis-Check

Die Datenschutz-Grundverordnung kommt. Sie wird auch professionellen Kommunikatoren den Alltag erschweren. Unser Q&A mit Rat von Experten. »weiterlesen
 
Werden Künstliche Intelligenzen irgendwann den Job von PR-Profis übernehmen? (c) Getty Images/PhonlamaiPhoto
Foto: Getty Images/PhonlamaiPhoto
Kolumne

Künstliche Intelligenz – der Tod von PR?

Intelligente Technologien halten Einzug in die verschiedensten Bereiche unseres Lebens und Arbeitens. Medienkolumnist Michael Schwertel fragt sich: Müssen PR-Profis um ihren Job bangen?  »weiterlesen
 
Sarah Huckabee Sanders ist Press Secretary im Weißen Haus. Als Trumps Sprecherin beschränkt sie sich darauf, die Stimme ihres Chefs zu sein. (c) Chris Kleponis/dpa
Foto: Chris Kleponis/dpa
Lesezeit 5 Min.
Lesestoff

Ladys first für Trump

Warum der Präsident der Vereinigten Staaten männlichen Sprechern nicht traut und wie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Weißen Haus funktioniert. »weiterlesen
 
Holger Lösch auf der Konferenz "CEO-Kommunikation" im Dezember 2017 in Berlin. (c) Jana Legler/Quadriga Media Berlin
Foto: Jana Legler/Quadriga Media Berlin
Lesezeit 3 Min.
Interview

„CEOs steuern? Eine Illusion!“

Auf der einen Seite wollen Wirtschaftslenker Unfehlbarkeit demonstrieren. Auf der anderen Seite sollen sie authentisch auftreten. Wie gehen Kommunikationschefs mit diesem Dilemma um, gerade wenn Stakeholder unterschiedliche Interessen einbringen? Holger Lösch, Kommunikationschef des Bundesverbands der Deutschen Industrie, hat ganz eigene Erfahrungen damit gemacht. »weiterlesen