Facebook soll Problemen bei der Reichweite gewusst, jedoch nichts unternommen haben. / Statistik: (c) Getty Images/champc
Facebook soll Problemen bei der Reichweite gewusst, jedoch nichts unternommen haben. / Statistik: (c) Getty Images/champc
Laut Sammelklage

Facebook fakte seit Jahren bewusst die Reichweite

Neue Gerichtsdokumente belasten Facebook schwer. Der Konzern soll „seit Jahren“ davon gewusst haben, dass die Reichweitenzahlen übertrieben waren.
Aus der Redaktion

Facebook sieht sich mit schweren Vorwürfen aus einer Sammelklage konfrontiert, wie die Financial Times berichtet. „Seit Jahren“ sollen Führungskräfte des Konzerns davon gewusst haben, dass die wesentlichen Werbekennzahlen übertrieben waren. Mit diesen erfahren Werbetreibende, wie viele Nutzer:innen ihre Anzeige auf der Plattform potenziell sehen können. Laut neuer Gerichtsdokumente der 2018 in Nord-Kalifornien von einem Kleinunternehmer eingereichten Klage habe Facebook davon gewusst, dass die Reichweitenkennzahlen „aufgebläht und irreführend“ waren.

Dem Konzern wird vorgeworfen, die Reichweitenkennzahlen als eine Maßnahme darzustellen, mit der Werbetreibende erfahren, wie viele Menschen sie mit ihrer Anzeige erreichen könnten. Tatsächlich handele es sich jedoch um die Gesamtzahl der Accounts, unter denen sich, so die Vorwürfe, auch Fake-Konten und Duplikate befänden. In einigen Fällen habe die potenzielle Reichweite sogar über der vom Zensus ermittelten Bevölkerungszahl in bestimmten US-Staaten gelegen. 

Facebook ignorierte Sorgen der Mitarbeiter:innen

Bisher habe Facebook Duplikate und Fake-Konten noch immer nicht aus der potenziellen Reichweite herausgerechnet. Aus den Gerichtsdokumenten geht hervor, dass einige Angestellte ihre Sorgen über die aufgeblähten Zahlen zum Ausdruck gebracht hätten, allerdings nichts unternommen worden sei. Laut eigenen Schätzungen des Konzerns seien elf Prozent der 2,5 Millionen monatlich aktiven Nutzer:innen im vierten Quartal 2019 Duplikat-Accounts. Fake-Konten machten fünf Prozent aus. Dabei habe Facebook allein in den ersten drei Quartalen vergangen Jahres 5,4 Millionen Fake-Accounts entfernt. 

Führungskräfte des Konzerns sollen von dem Problem gewusst, es jedoch weder bekanntgegeben noch gelöst haben. In den Dokumenten tauchen die Namen von Facebooks COO Sheryl Sandberg und Facebooks Finanzchef David Wehner im Kontext interner Gespräche, an denen sie 2017 beteiligt waren, auf. Demnach habe Sandberg „wesentliche Anmerkungen“ in einem Meeting im Oktober 2017, in dem die potenzielle Reichweite diskutiert wurde, gemacht. Wehner habe im selben Monat ebenfalls in einem Meeting über Duplikate und Face-Accounts gesprochen. Allerdings habe er deren direkte Auswirkungen auf die potenzielle Reichweite in einer späteren Telefonkonferenz zu den Finanzergebnissen Facebooks nicht offengelegt. 

Facebook selbst weist sämtliche Vorwürfe zurück. Diese seien „ohne Wert“ und man werde sich „energisch verteidigen“.

 

 
 


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