Deutsche Bahn wehrt Vorwürfe eines Provinzbürgermeisters (2.v. links, Abbildung ähnlich) zurück / (c) Getty Images / soulrebel83
Deutsche Bahn wehrt Vorwürfe eines Provinzbürgermeisters (2.v. links, Abbildung ähnlich) zurück / (c) Getty Images / soulrebel83
Wegen Bildauswahl

„Face-Palmer“: Weißer Ritter attackiert die Bahn

Boris Palmer nimmt für "alte weiße Männer" den Kampf gegen Website-Bilder der Deutschen Bahn auf.
Aus der Redaktion

 „Herr Palmer hat offenbar Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft. Solch eine Haltung lehnen wir ab.“

Mit diesen deutlichen Worten hat die Deutsche Bahn auf einen höchst fragwürdigen Angriff des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer (Grüne) reagiert. Dieser legt unbeirrt nach.
 

 

Palmer stellt sich tapfer dem geplanten Shitstorm

Der bundesweit bekannte Kommunalpolitiker aus Baden-Württemberg hatte am Dienstag via Facebook-Beitrag die Bildauswahl auf der Bahn-Webseite attackiert. Der darauffolgende „shitstorm“ war von Palmer offensichtlich einkalkuliert oder sogar gezielt erzeugt.

Zwar vermied Palmer es zunächst, den Auslöser seiner Empörung konkret zu benennen – allerdings bezog sich sein Angriff klar ersichtlich auf die Hautfarbe der auf der Bahn-Webseite abgebildeten Menschen.

 

Boris Palmer erregt die Bildauswahl der Deutschen Bahn. (c) Deutsche Bahn

 

Palmer lässt sich auch von Prominenten nicht beeindrucken

Für eine Bildmontage verwendet die Bahn derzeit neben dem ehemaligen Formel 1-Weltmeister Nico Rosberg zwei weitere prominente Testimonials – den Fernsehkoch Nelson Müller und die TV-Moderatorin Nazan Eckes. Der deutsche Staatsbürger Müller stammt aus Ghana und ist schwarz, Eckes ist Deutsche türkischer Abstammung.

Außerdem enthält die Montage zwei Stock-Bilder, von denen eines einen älteren Mann mit anscheinend dunklerem Teint zeigt, das andere eine schwarze Mutter mit ihrem Kleinkind.

Palmer stellt investigative Fragen

In seinem Facebook-Beitrag nahm der OB der mittelgroßen Stadt (87.000 Einwohner) Anstoß an den abgebildeten Personen. Er fände es „nicht nachvollziehbar“, nach welchen Kriterien die Bildauswahl der Bahn erfolgt sei. „Welche Gesellschaft soll das abbilden?“, fragte Palmer rhetorisch.

Wenig später lieferte er mit einer Überarbeitung des Beitrags seine eigene Interpretation nach: Offensichtlich betreibe die Deutsche Bahn hier „Identitätspolitik“ mit einer Bildauswahl, die „alte weiße Männer“ bekämpfe.

 

Palmers Statement bei Facebook

 

Diese Lesart bekräftigte Palmer einige Stunden später nochmals mit einem neuen, längeren Facebook-Beitrag. Besonders trieb den Politiker um, dass nur eine der fünf abgebildeten Personen keinen Migrationshintergrund zu haben schien.

Auf welche Person er sich dabei bezog, blieb dabei jedoch unklar: Der ehemalige Formel 1-Weltmeister Nico Rosberg hat einen finnischen Vater, außerdem werden tatsächlich sechs Personen abgebildet.

Palmer aber natürlich für bunte, offene Gesellschaft

Es sei – so Palmer – offenbar Ziel der Bildauswahl, bestimmten Gruppen „eine eigene Diskriminierungserfahrung zuteil werden zu lassen […] wenn alte weiße Männer in der Bildauswahl der Deutschen Bahn nicht mehr vorkommen.“ Dies sei eine neue Form der Spaltung der Gesellschaft.

Selbstverständlich habe er jedoch „kein Problem mit einer offenen und bunten Gesellschaft“.

Palmer wird missverstanden

Die Deutsche Bahn teilte mit, auch zukünftig mit Prominenten unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe zu werben: „Nico Rosberg, Nazan Eckes und Nelson Müller sind positive und repräsentative Identifikationsfiguren. Die DB freut sich, mit ihnen zusammenzuarbeiten.“

Mehrere Politiker der Grünen reagierten befremdet auf die Hautfarben-Attacke ihres Parteikollegen. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner lobte die Bahn-Kampagne ausdrücklich. Daniel Lede Abal, Landtagsabgeordneter aus Palmers Heimatstadt Tübingen nannte dessen Äußerungen „völlig daneben“.

Palmer mal wieder "trending"

Falls Palmers Attacke auf die Bahnbilder zum Ziel hatte, nach einigen Monaten vergleichsweiser Bedeutungslosigkeit erneut die volle Aufmerksamkeit in den sozialen Medien zu erlangen, so ist zumindest dieses Kalkül aufgegangen. Der Kampf des skandalsuchenden Kommunalpolitikers gegen die Bebilderung der Bahn-Webseite rief deutliche Reaktionen hervor:
 



 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Facebook-Beiträge der AfD erzielen deutlich mehr Reichweite als die anderer Parteien und von Medien. (c) Getty Images / HT-Pix
Im Europawahlkampf dominiert die AfD bei Facebook deutlich. Foto: Getty Images / HT-Pix
Meldung

AfD gewinnt Europawahl bei Facebook

Etablierte Parteien, aber auch Medien können mit der Facebook-Dominanz der rechtsorientierten Parteien AfD und FPÖ auch in Sachen Reichweite nicht mithalten. »weiterlesen
 
Bosch setzt auch in seiner Unternehmenskommunikation auf ein klares Klima-Ziel. (c) Getty Images / Daniel Kloe
Schon ab 2020 will Bosch klimaneutral sein. (c) Getty Images / Daniel Kloe
Meldung

Bosch sendet starkes Signal: ab 2020 klimaneutral

Als erster Industriekonzern der Welt will Bosch bereits ab 2020 klimaneutral wirtschaften. »weiterlesen
 
Der provokante Spot von Edeka zum Muttertag wird nahezu einhellig scharf verrissen. (c) Getty Images / Tero Vesalainen
Edekas Muttertags-Spot sei hämisch, uncharmant und väterfeindlich. Foto: Getty Images / Tero Vesalainen
Meldung

Muttertag: Scharfe Kritik prasselt auf Edeka ein

Hat Provokation einen Preis? Dieser Frage sieht sich Edeka angesichts seines umstrittenen Muttertags-Spots gegenüber. »weiterlesen
 
Audi, Studien, dpok-Nominierte, Andre Rieu und die Europawahlen hatten einen besonders guten PR-April. (c) Getty Images / RyanKing999
Zu den PR-Gewinnern des Monats April gehörten unter anderem Audi und Andre Rieu. (c) Getty Images / RyanKing999
Meldung

Die Gewinner des PR-April 2019

Besonders erfolgreich verlief der PR-April unter anderem für einen Autokonzern, Studien, viele Nominierte und manchmal übersehenen Musikstar, der auch im Internet unglaublich erfolgreich ist. »weiterlesen
 
Scharfe Kritik am Landwirtschaftsministerium und seiner Suche nach der "besten Tafel". (c) Getty Images / srdjanns74
Der Wettbewerb "beste Tafel Bayerns" steht unter der Schirmherrschaft von Landwirtschaftsministerin Kaniber. Foto: (c) Getty Images / srdjanns74
Meldung

Kreativ oder zynisch? Bayern sucht „beste Tafel“

Mit der Suche nach der „besten Tafel" will Bayerns Landwirtschaftsministerium gegen Lebensmittelverschwendung kämpfen. Die Kritik daran fällt scharf aus. »weiterlesen
 
Edeka hat mit seinem Muttertags-Spot gehörig danebengegriffen. (c) Getty Images/Eva-Foreman
Foto: Getty Images/Eva-Foreman
Lesezeit 1 Min.
Meldung

Edeka provoziert mit Muttertags-Spot

Edeka hat mit seinem Werbevideo zum Muttertag scheinbar nicht den richtigen Ton getroffen. Der Grund: Väter kommen dabei überhaupt nicht gut weg. »weiterlesen