Auf Einladung des pressesprecher diskutierten am Rande der BdP-Sommerakademie in Mainz Anfang Juni Maren Letterhaus, Ulrich Kirsch, Elisa Stöhr und Gabriele Kaminski. (v.l.n.r.) (c) Ralf Werner
Auf Einladung des pressesprecher diskutierten am Rande der BdP-Sommerakademie in Mainz Anfang Juni Maren Letterhaus, Ulrich Kirsch, Elisa Stöhr und Gabriele Kaminski. (v.l.n.r.) (c) Ralf Werner
Experten im Gespräch

Was PR-Einsteiger wissen sollten

Die Profession Kommunikation ist vielfältig und sie differenziert sich immer noch weiter aus. Wie stehen die Chancen für Berufsanfänger? Welche Fehler gilt es zu vermeiden? Darüber diskutierten am Round Table eine Studentin, eine junge Sprecherin, eine Headhunterin und ein Kommunikator mit mehr als 30 Jahren Erfahrung.
Aus der Redaktion

Welche Fähigkeiten muss ein junger Kommunikator heute mitbringen? Nach welchen Typen fahnden Sie als Headhunterin, Frau Kaminski?

Gabriele Kaminski: Das Berufsbild hat sich enorm gewandelt. Als ich als Headhunterin begann, kamen die meisten Berufseinsteiger aus dem Journalismus. Professionelle Strukturen der Weiterbildung wie ein PR-Volontariat gab es noch nicht. Heute bringen die jungen Kolleginnen und Kollegen teils ein Fachstudium mit, dazu viel praktische Erfahrung. Viele arbeiten als Werkstudenten, was ich persönlich auch empfehle. Digitalaffinität, strategische Kompetenz und Social-Media-Erfahrungen sind heute fast selbstverständlich. An einer Fähigkeit, die ich ganz wichtig finde, hat sich seit jeher nichts geändert: Berufsanfänger in der PR benötigen Textkompetenz. Jeder meiner Klienten fordert das ein.

„Im Studium lernt man nicht, mit der
Unberechenbarkeit des Berufsalltags umzugehen.“

(Maren Letterhaus, Pressesprecherin)

 

Ist also ein Pressesprecher heute im besten Falle sozusagen eine digitalaffine eierlegende Wollmilchsau?

Ulrich Kirsch: Im Kompetenzprofil unseres Berufsstands unterscheiden wir drei Dimensionen. Erstens: Die „Gewerke“ Texten, Pressearbeit, Social Media, Online und Eventorganisation muss man einfach draufhaben. Sie sind das eigentliche Handwerk. Zweitens: Stakeholder-Management, denn unterschiedliche Zielgruppen muss man spezifisch ansprechen. Immer wichtiger wird drittens, als eine Art Berater oder Coach nicht nur für den CEO zu agieren, sondern für die vielen Stimmen, die heute für eine Organisation sprechen dürfen. Wenn wir tatsächlich strategische Kommunikatoren sein wollen, dann sollten wir uns darauf ausrichten, wie wir dem eigenen Unternehmen helfen, in der digitalen Transformation fit zu werden.

Machen Ihnen als Noch-Studentin diese Dimensionen eher Angst, Frau Stöhr, oder Lust auf den Job?

Elisa Stöhr: Ganz und gar keine Angst! Es macht den Beruf doch reizvoll, wenn Vielseitigkeit und Flexibilität gefragt ist. Dadurch wird das Feld sehr abwechslungsreich und spannend. Man hat als Anfänger die Möglichkeit, sich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren. Es wird mir sicher nie langweilig werden, wenn ich in verschiedene Rollen schlüpfen muss – sowohl in der internen als auch externen Kommunikation.

Loyalität gehört zum Sprecher-Beruf dazu. Wenn der Chef geht, muss deshalb oft auch der Pressesprecher seinen Hut nehmen. „Zum Job gehört also eine gewisse Bereitschaft, unter Umständen neu aufzubrechen“, erklärt Ulrich Kirsch. (c) Ralf Werner

Frau Letterhaus, wie viel von dem, was Sie an der Uni gelernt haben, können Sie in Ihrem Job als Pressesprecherin eigentlich anwenden?

Maren Letterhaus: Glücklicherweise so einiges, da mein Studium sehr praxisorientiert war. Was man dort hingegen nicht lernt, ist, mit der Unberechenbarkeit des Berufsalltags umzugehen. Wenn ich beispielsweise an einem Tag eigentlich ein Interview führen und die Aufnahme abtippen möchte, aber ein Journalist ruft an und ich muss sofort Antworten liefern, kann ich meinen Tagesplan vergessen. (lacht) Andererseits macht die Unberechenbarkeit auch den Reiz des Berufs aus.

„Zum Job gehört eine gewisse Bereitschaft,
unter Umständen neu aufzubrechen.“

(Ulrich Kirsch, Pressesprecher)

 

Welche Realitäten im Beruf des Kommunikators darf man einem Anfänger nicht verschweigen, wenn man es ehrlich meint?

Kirsch: Als Pressesprecher müssen wir Entscheider und Chefs auf Augenhöhe coachen. Wir müssen so denken, reden, beraten, als wären wir die Chefin oder der Chef. Anschließend müssen wir rechtzeitig die Kurve kriegen, hinter ihr oder ihm unsichtbar zu werden. Das ist nicht immer einfach. Wenn man aber keinen Mut zur Augenhöhe hat, ist man unter Umständen sehr bald nur noch der Mitarbeiter, dem aufgetragen wird: „Liefere mir mal eine Tüte Text! Mach schnell ein Bild von mir!“ (schmunzelt)

Letterhaus: Manchmal muss man sehr spontan Verantwortung übernehmen. Denn sich jedes Mal bis ins Detail abzusichern, ist aus meiner Erfahrung gar nicht möglich. Das ist oft ein Spagat.

(c) Ralf Werner

Der Berufsalltag sei unberechenbar, findet Maren Letterhaus: „Wenn ich an einem Tag eigentlich ein Interview führen und die Aufnahme abtippen möchte, aber ein Journalist ruft an und ich muss sofort Antworten liefern, kann ich meinen Tagesplan vergessen.“ (c) Ralf Werner

Kaminski: Mut und Rückgrat sind eine ganz wesentliche Kategorie. Und spätestens wenn man eine gewisse Position und Hierarchieebene erreicht hat, benötigt man ein hohes Maß an Belastbarkeit. Ich denke vor allem an Krisensituationen. Zu den negativen Aspekten des Berufs kann – gerade in Agenturen – eine hohe zeitliche Belastung gehören. Darüber muss man sich im Klaren sein.

Kirsch: … genau wie über notwendig werdende Wechsel des Arbeitgebers. Denn wenn ein CEO wechselt oder gehen muss, ist sein Sprecher oftmals ebenso betroffen. Zum Job gehört also eine gewisse Bereitschaft, unter Umständen neu aufzubrechen. Gefährlich werden kann der Beruf auch dann, wenn man – wie in vielen Verbänden beispielsweise – zwei Chefs hat: einen hauptamtlichen und einen ehrenamtlichen. Harmoniert dieses Gespann nicht, ist man als Sprecher schnell zwischen Baum und Borke. Dann gilt es, seine Loyalitäten auszusteuern.

 

Seite 2: „Am Ende haben auch die ganz oben einmal klein angefangen.“

 
Gabriele Kaminski (c) Ralf Werner
Gabriele Kaminski
GK Unternehmens- und Personalberatung
Gründerin und Managing Partner

Gabriele Kaminski ist Gründerin und Managing Partner der GK Unternehmens- und Personalberatung in Frankfurt am Main. Als Headhunterin ist sie Expertin im Berufsfeld Kommunikation.

Ulrich Kirsch (c) Ralf Werner
Ulrich Kirsch
Arbeitgeberverband Hessenmetall
Geschäftsführer Kommunikation und Presse

Ulrich Kirsch (60) ist Geschäftsführer beim Arbeitgeberverband Hessenmetall sowie seit 2011 Bildungsbeauftragter im BdP. In die PR ging er vor 32 Jahren als Quereinsteiger. Er arbeitete seitdem unter anderem für TÜV Süd und Tetra Pak.

 

Maren Letterhaus (c) Ralf Werner
Maren Letterhaus
Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen
stellvertretende Pressesprecherin

Maren Letterhaus (30) ist stellvertretende Pressesprecherin beim Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen. Sie studierte Medienmanagement, absolvierte anschließend ein Volontariat beim IGZ und machte schließlich berufsbegleitend einen Masterabschluss an der FOM Münster.

 

Elisa Stöhr (c) Ralf Werner
Elisa Stöhr
Universität Mainz
Master-Studentin im Fach Unternehmenskommunikation/PR

Elisa Stöhr (25) ist Master-Studentin im Fach Unternehmenskommunikation/PR an der Universität Mainz. Nach ihrem Bachelor in Erfurt hat sie zunächst ein einjähriges Traineeship in der Agentur Fleishman-Hillard absolviert.

 

 


randbemerkung

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