In der Influencer-Szene dreht sich alles um Selbst- und Produktpräsentationen(c) Thinkstock/Topp_Yimgrimm
In der Influencer-Szene dreht sich alles um Selbst- und Produktpräsentationen(c) Thinkstock/Topp_Yimgrimm
Influencer Relations

Es geht um die Glaubwürdigkeit

Solange Unternehmen auf Influencer-Profile als bloße Werbekanäle setzen, wird eine Szene gefüttert, in der sich alles um Selbst- und Produktpräsentationen dreht. Der beste Weg ist ein anderer, meint unser Gastkommentator.
Klaus Eck

Ein Influencer, der mit seinen Themen hohe Followerzahlen erreicht, wird in der Öffentlichkeit schnell zum Popstar hochgejazzt. Gelegentlich kann dieser Umstand zu einer eigenwilligen Wahrnehmung der Realität führen. So wurde der Fall der britischen Bloggerin Elle Darby Anfang des Jahres öffentlich verhandelt.

Die 22-Jährige hatte mit ihrem Freund in einem Dubliner Hotel gratis nächtigen wollen. Als Bezahlung bot sie an, auf ihrem Youtube- und Instagram-Kanälen über das Hotel zu berichten. Eigentlich ein üblicher Pitch einer Reise-Influencerin, der kein Aufreger sein müsste. Doch der angefragte Hotelier ging mit dem #Bloggergate an die Öffentlichkeit und entfachte eine emotionsbeladene Debatte darüber, ob ein Influencer so etwas überhaupt tun dürfe.

Fakt ist: Solange Unternehmen auf Influencer-Profile als bloße Werbekanäle setzen, wird eine Szene gefüttert, in der sich alles um Selbst- und Produktpräsentationen dreht. Online-Kampagnen wie jene von Coral und Milka illustrieren, wie schräg es ist, wenn Influencer im Selfie-Style Schokolade und Waschmittel in die Kamera halten.

Mit derartig plumpen Platzierungen tun sich die Stars der digitalen Seifenoper ebenso wenig einen Gefallen wie Marken. Wollen Letztere von Influencern profitieren, setzen sie auf langfristige Kooperationen, auf Co-Kreation und eine kreative Einbindung in die Kommunikation. Es geht dabei um Influencer Relations. Alles andere zerstört die Glaubwürdigkeit − und damit mittelfristig auch das Geschäftsmodell eines jeden Influencers.

Zu diesem Ergebnis kommen viele dieser Meinungsmacher selbst. Sie verstehen sich als eigenständige Marken- und Kreationsmedien und wollen mit ihrer Community kommunizieren. Dabei geht es ihnen weniger um Geld als um langfristige, authentische Beziehungen mit Marken.

Meine Prognose: Die Profis unter den Influencern werden uns erhalten bleiben, weil sie ihren Wert nachweisen. Sternchen werden das Spiel ergänzen und ihre sprichwörtlichen 15 Minuten Ruhm bekommen. Kleine Empörungsstürme ergänzen das Spiel um die Influencer. Influencer Relations als solches werden dadurch nicht gefährdet. Denn Menschen werden weiterhin Menschen mögen, die ihnen nahe sind und deren Profile ihnen nicht als reiner Werbekanal auffallen.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Bundesweit informieren Feuerwehren unter #112live heute über ihre Arbeit. / Symbolbild Feuerwehr: (c) Getty Images/industryview
Foto: Getty Images/industryview
Meldung

Twittergewitter #112live – Feuerwehren informieren

Wie sieht die Arbeit der Feuerwehr aus? Und wozu braucht es den Notruf 112? Darüber informiert ein bundesweites Twittergewitter. »weiterlesen
 
Das gilt es für Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit Influencern zu beachten. (c) Getty Images / chatsimo
Foto: Getty Images / chatsimo
Gastbeitrag

Influencer Marketing – darauf müssen Firmen achten

Influencer-Marketing ist bei Unternehmen als Kommunikationsmittel längst etabliert. Dabei sollten sie sich rechtlich absichern. Warum es sich lohnt, dass Unternehmen und Influencer einen Vertrag abschließen, und was da alles reingehört. »weiterlesen
 
Wie sollen Kommunikatoren mit Investigativjournalisten umgehen? (c) Getty Images / golubovy
Foto: Getty Images / golubovy
Gastbeitrag

11 Tipps für den Umgang mit Investigativjournalisten

Berichten Medien kritisch über Unternehmen, gibt es oft Konflikte. Gerichtliche Auseinandersetzungen sowie ein negatives Image des Unternehmens können die Folge sein. Das muss nicht sein. Über den Umgang mit investigativen Reportern und Boulevardjournalisten. »weiterlesen
 
Für öffentliche Einrichtungen und Behörden sind Krisensimulationen unerlässlich. (c) Getty Images / Caiaimage/Sam Edwards
Foto: Getty Images / Caiaimage/Sam Edwards
Gastbeitrag

Was bringen Krisensimulationen?

Unternehmen und Behörden simulieren regelmäßig mögliche Krisenszenarien. Glaubwürdigkeit gegenüber der Öffentlichkeit sollten sie allerdings bereits im Tagesgeschäft aufbauen. »weiterlesen
 
Zwar wächst das Vertrauen der Deutschen in Institutionen leicht, sie schauen aber dennoch eher pessimistisch in die Zukunft. (c) Getty Images / AndreyPopov
Foto: Getty Images / AndreyPopov
Studie

Trust-Barometer: Vertrauen in Medien steigt leicht

Zwar ist das Vertrauen der Deutschen in Institutionen leicht gestiegen. Dennoch blicken die Deutschen eher pessimistisch in die Zukunft. »weiterlesen
 
Statt als Gestalter werden Kommunikatoren in vielen Unternehmen nur als Ausputzer tätig. (c) Getty Images / SIphotography
Foto: Getty Images / SIphotography
Essay

Wie Kommunikatoren Krisen vorbeugen können

Krisen sind Sternstunden für Kommunikationsabteilungen: Sie können zeigen, was sie draufhaben. Manche Krise ließe sich allerdings vermeiden, wenn Kommunikatoren mehr Einfluss auf die Unternehmensstrategie hätten. »weiterlesen