Die Stadt Erfurt leistete sich einen Aprilscherz zum Thema Corona. (c) Getty Images / RossHelen
Die Stadt Erfurt leistete sich einen Aprilscherz zum Thema Corona. (c) Getty Images / RossHelen
Trotz Aufruf des Bundegesundheitsministeriums

Erfurt leistet sich Corona-Aprilscherz

Erfundene Geschichten zum Thema Corona finden in diesen Tagen sicher nur wenige lustig. Trotzdem hat sich unter anderem die Stadt Erfurt einen Aprilscherz zum Virus erlaubt.
Aus der Redaktion

Jahr für Jahr wird in vielen europäischen Ländern und den USA der 1. April mit Scherzen, Streichen und erfundenen Geschichten begangen.  Auch zahlreiche Medien beteiligen sich Jahr für Jahr an der Tradition, ihre Leser, Hörer oder Zuschauer „in den April zu schicken“.

Aufhänger dafür sind oft aktuelle Ereignisse oder das Zeitgeschehen: Unvergessen ist beispielsweise der Aprilscherz eines amerikanischen Radiosenders aus dem Jahr 1992, als dieser verkündete, der in Ungnade gefallene Ex-Präsident Richard Nixon wolle wieder zur Wahl antreten. Der Slogan: „Ich habe nichts falsch gemacht, und ich werde es nicht wieder tun.“

Dieses Jahr stehen die Dinge jedoch ein bisschen anders: Das Coronavirus beherrscht die Nachrichten; über kaum etwas anderes wird noch berichtet. Zwar ist gegen etwas Galgenhumor wenig einzuwenden; die allseits bekannten Klopapier-Hamsterkäufe laden geradezu dazu ein. Angesichts weltweit drastisch steigender Infizierten- und Totenzahlen eignet sich jedoch wohl kaum ein anderes Thema so wenig zur Verarbeitung in Scherz-Meldungen wie das Virus.

Um sicherzugehen, dass auch die letzten Unbelehrbaren von Aprilscherzen über das Coronavirus absehen, hat das Bundesgesundheitsministerium am gestrigen Dienstag sogar eigens dazu aufgerufen, auf erfundene Geschichten zum Virus zu verzichten. „Erfundene Geschichten und Aprilscherze können zur Verunsicherung beitragen und genutzt werden, um Falschmeldungen zu verbreiten“, heißt es in dem Aufruf, den das Ministerium mit „Corona ist kein Scherz“ betitelt hat.

Die Stadt Erfurt jedenfalls ließ sich von dieser Mahnung nicht stören. In einer Pressemitteilung kündigte die thüringische Landeshauptstadt an, die Vornamen „Carola“ und „Corina“ künftig zu verbieten – wegen der „lautmalerischen Nähe zum derzeit grassierenden Coronavirus“. Die Verwechslungsgefahr sei einfach zu groß. Mit dem tödlichen Virus in Verbindung gebracht zu werden – das sei für Kinder kein guter Start ins Leben.

Doch damit nicht genug: Die Stadtverwaltung habe lange überlegt, heißt es in der Mitteilung weiter, wie sie mit den bereits existierenden Carolas und Corinas umgehen sollte. Zirka 150 Frauen seien laut Erfurter Meldestelle betroffen. Die Lösung? Klar: „Alle Carolas und Corinas in diversen Schreibweisen müssen sich umbenennen“, so angeblich der Erfurter Oberbürgermeister.

Dazu habe man sogar bereits eine Liste mit Namensvorschlägen erstellt. Ganz oben dabei: Inge, Gudrun oder Else. Denn: „So hießen unseres Wissens nach in der Menschheitsgeschichte noch nie Viren“.

 

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

(c) Getty Images/PaulGrecaud
Foto: Getty Images/PaulGrecaud
Lesezeit 2 Min.
Meldung

BdKom-Forum zum Digital Services Act der EU

Die Europäische Kommission will mit neuen Regeln für soziale Medien und Online-Marktplätze die großen Internetplattformen wie Google, Amazon und Facebook zähmen. Eine Diskussionsrunde widmet sich der Frage, was der Digital Services Act ganz konkret für Kommunikationsprofis verändern wird. »weiterlesen
 
Balanceakt: Wie soll man in der Kommunikation mit der Wahrheit umgehen? (c) Getty Images/Mbolina
Foto: Getty Images/Mbolina
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Im Zweifelsfall „no comment“

Wie sollen Kommunikationsverantwortliche mit der Wahrheit umgehen? Ein Meinungsbeitrag von Andrea Rexer, Kommunikationschefin der HypoVereinsbank. »weiterlesen
 
#LetMeBeSafe statt #StaySafe: Der Hamburger Verein Straßenblues schafft durch medienwirksame Aktionen Öffentlichkeit für die Probleme obdachloser Menschen. (c) David Diwiak
Foto: David Diwiak
Lesezeit 5 Min.
Interview

„Menschen mögen Geschichten, die gut ausgehen“

Menschen, die auf der Straße leben, sind besonders von der Corona-Pandemie betroffen. Der Dokumentarfilmer Nikolas Migut setzt mit seinem Verein Straßenblues auf die Kraft von Bildern und Storytelling, um obdachlosen Menschen zu helfen. Ein Gespräch. »weiterlesen
 
Der Impfstoff von AstraZeneca kann in Deutschland weiter verimpft werden. (c) Picture Alliance/Associated Press/Alastair Grant
Foto: Picture Alliance/Associated Press/Alastair Grant
Lesezeit 4 Min.
Analyse

Vertrauensschaden ohne Konsequenzen

Der AstraZeneca-Impfstoff hat kein gutes Image. Falls die Bereitschaft abnimmt, sich damit impfen zu lassen, hätte die Bundesregierung Möglichkeiten gegenzusteuern: Sie könnte den Kreis der Empfänger erweitern. »weiterlesen
 
Will auf die schwierige Situation in der Pflege aufmerksam machen: Magdalena Rogl.(c) Thomas Dashuber
Foto: Thomas Dashuber
Interview

„Es tut mir gut, etwas Soziales zu tun“

Warum Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft Deutschland, ehrenamtlich in einem Pflegeheim arbeitet. »weiterlesen
 
(c) Getty Images/ SPmemory
Foto: Getty Images/ SPmemory
Lesezeit 4 Min.
Kommentar

Keine Märchen

Dürfen Kommunikationsverantwortliche lügen? Die Diskussion gibt es so lange, wie es PR gibt. Wenn Führungskräfte von ihrer Kommunikationsabteilung das öffentliche Verbreiten von Unwahrheiten erwarten, sollten Pressesprecherinnen und Pressesprecher über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken.  »weiterlesen