Geschäftsmann im Dschungel (c) Thinkstock/Comstock
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Ratgeber

Dschungelprüfung Kriseninterview - ein Survival Guide

Wenn man im dichten Interview-Dschungel gefährlicher Schlingfragen, wilder Anschuldigungen und giftiger Interviewpartner überleben will, braucht es starke Nerven, Übung und die richtige Strategie für Krisen-Interviews. Ein Survival Guide von Christian Scherg
Christian Scherg

Krise. Sie haben als Entscheider oder Kommunikationsverantwortlicher gerade ohnehin alle Hände voll zu tun, um der Situation Herr zu werden und dann ist es da – unangemeldet: Das Kamerateam eines großen Fernsehsenders und will ein Interview mit Ihnen. Panik. Für Ihren ersten Impuls – Flucht über die Feuerleiter oder der Assistentin ein „Ich bin nicht da!“ zuzurufen – haben Sie keine Zeit mehr; das mediale Überfallkommando marschiert bereits ein. Der rote Punkt an der Kamera ist an.

Die Aufnahme läuft. Welcome to the Jungle...

Jetzt heißt es, tief durchatmen, den Puls herunterbringen, lächeln und noch schnell die schweißnassen Hände an der Anzughose abstreifen. Achten Sie auf Ihr Umfeld und vor allem auf den Hintergrund: Keine Aktenberge, Kartons, hektische Mitarbeiter hinter Glaswänden – strahlen Sie Ruhe und Souveränität aus und scannen Sie als erstes den Reportertypus. Resoluter oder schlurfender Gang, ernster Gesichtsausdruck oder freundliches, joviales Lächeln?

Es gibt drei Arten von gefährlichen Interviewpartnern: Den Kumpeltyp, der auf den ersten Blick so harmlos daherkommt, wie der brasilianische Pfeilgiftfrosch. Fallen Sie nicht darauf herein! Auch wenn Sie das Gefühl haben, er wäre auf Ihrer Seite, wird er doch genau die Passagen aus dem Interview nehmen, die Sie ihm „im Vertrauen“ erzählt haben. Das ist jedoch nicht bösartig, sondern nur professionell: Er war und ist nämlich niemals Ihnen, sondern immer seinem Beitrag verpflichtet.

Dann gibt es noch den „Schweiger“. Er lässt ewig lange Pausen am Ende Ihrer Ausführungen. So lange, bis Sie sich genötigt fühlen, weiterzusprechen, um die unangenehme Stille zu füllen. Tun Sie es nicht! Das Schweigen soll Sie nur dazu bringen, etwas zu sagen, was Sie eigentlich gar nicht wollen.

Dann gibt es noch den dritten Typus, der Sie direkt mit harten und aggressiven Anschuldigungen versucht, aus der Reserve zu locken. Lassen Sie sich niemals provozieren – formulieren Sie das Gehörte einfach in ihrem Kopf zu inhaltlich passenden aber weniger aggressiven Fragen um. Ein wenig Realitätsverlust können Sie sich leisten – Verlust der Contenance nicht.

Es geht nicht nur um Aussagen, sondern um Bilder

Zurück zum Interview: Suchen Sie sich einen festen Stand, richten Sie Ihren Blick gerade auf Ihren Interviewpartner und seien Sie sich immer bewusst, dass es bei einem „Überfall-Interview“ nicht nur um den Inhalt Ihrer Aussagen geht, sondern vor allem darum, ein Bild zu bekommen, das Sie schuldig oder zumindest stark verunsichert zeigt.

Bevor es losgeht, stecken Sie die Zeit für das Interview ab: Sie haben exakt zehn Minuten, bevor Sie in das nächste Meeting müssen. Aber diese zehn Minuten nehmen Sie sich natürlich gerne, um die Fragen des Journalisten zu beantworten.

Dann geht es los: Den Interviewer ausreden zu lassen, ist gerade in einem Live-Interview nicht nur eine Frage der Höflichkeit, sondern gibt ihnen wertvolle Sekunden, um zu überlegen. Unterdrücken Sie deshalb den Impuls, möglichst schnell mit Ihrer Antwort in die Frage hineinzugrätschen und nehmen Sie damit Geschwindigkeit, Hektik und auch Aggressivität aus dem Interview.

Transformieren Sie Ihre Antwort

Dann beantworten Sie alle – wirklich alle – Fragen Ihres Interviewpartners. Doch halten Sie gerade bei kritischen, aggressiven und unangenehmen Fragen die Antworten kurz. Sehr kurz. Antworten Sie am besten mit „Ja“, „Nein“, „Es mag auf den ersten Blick so aussehen“, dann kommt der Kniff: Transformieren Sie im nächsten Teil Ihre Antwort und schaffen Sie mit Einleitungen wie: „...aber der wichtige Punkt ist doch...“ oder „...entscheidend ist doch, dass...“ eine Rampe für die Botschaft, die SIE eigentlich transportieren wollen. Hiermit können Sie auch Ihre Angst oder aktuelle „Leere“ im Kopf überspielen, weil Sie sich immer auf ein Terrain zurückziehen können, auf dem Sie sich sicher fühlen.

Bei kritischen Fragen, zu deren Beantwortung Sie keine umfassenden Informationen haben, können Sie natürlich sagen, dass Sie zu diesem Zeitpunkt nichts Genaues wissen – deutlich galanter ist es jedoch, wenn Sie sagen, WAS Sie zu diesem Zeitpunkt wissen. Spekulieren Sie nicht, seien Sie klar und antworten Sie überlegt, aber nicht zögerlich.

Machen Sie schließlich die Zuschauer zu Ihren Verbündeten und richten Sie Ihre Worte explizit an Ihr unsichtbares Auditorium. Denn am Ende sind sie es, die entscheiden, ob sie auch zukünftig Ihnen, Ihrem Unternehmen und Ihren Produkten vertrauen und darüber abstimmen, ob Sie die „Dschungelprüfung“ Krisen-Interview erfolgreich gemeistert haben oder eben nicht...

Wollen Sie noch mehr Tipps von Christian Scherg für Interviews in Krisensituationen? Dann besuchen Sie am 23. Februar seinen Workshop während der 11. Tagung Krisenkommunikation in Berlin. Für mehr Informationen hier klicken.

 

 
 

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