In normalen Zeiten selten ein Medienthema: Beatmungsgeräte und ihre Produktion. (c) Drägerwerk AG & Co. KGaA
In normalen Zeiten selten ein Medienthema: Beatmungsgeräte und ihre Produktion. (c) Drägerwerk AG & Co. KGaA
Dräger im Fokus der Medien

Konjunktur statt Kurzarbeit

Dräger stellt Beatmungsgeräte und Schutzmasken her. Das Unternehmen hat in den vergangenen Wochen enorme Aufmerksamkeit in deutschen und internationalen Leitmedien erhalten.
Volker Thoms

Beatmungsgeräte, Lungenmonitoring, FFP1-, FFP2- und FFP3-Schutzmasken – die Welt hat in den Monaten der Coronakrise einiges gelernt über Medizintechnik für Patienten mit Lungenerkrankungen und Schutzausrüstung. Genauso allerdings über die Mängel des Gesundheitssystems und darüber, wie Staaten versuchen, sich auf dem internationalen Markt große Mengen zum Beispiel von Masken zu sichern. Entsprechend groß ist das mediale Interesse an denjenigen deutschen Unternehmen, die sich auf die Produktion von Geräten für die Versorgung von Covid-19-Patienten spezialisiert haben.

In den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist vor allem Dräger. Das 1889 in Lübeck gegründete Familienunternehmen beschäftigt weltweit mehr als 14.500 Mitarbeiter. Rund 5.000 davon arbeiten in Lübeck. „Der Spiegel“, „Financial Times“, „El Pais“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ – zahlreiche Leitmedien haben über Dräger berichtet. Die Bundesregierung hat dem Unternehmen einen Auftrag über 10.000 Beatmungsgeräte erteilt. Ende März gewann das Unternehmen einen FFP-Maskenauftrag der US-Regierung. Quartalsergebnisse, Auftragseingang und Ausblick fallen entsprechend positiv aus.

Drägers Erfolg hängt wie der aller Unternehmen vom weltweiten Verlauf der Pandemie ab. Entscheidend sei vor allem die Stabilität der Lieferketten, sagt Chief Communications Officer Melanie Kamann. Während rund zehn Millionen Menschen in Deutschland in Kurzarbeit gingen und die Produktion in vielen Unternehmen stillstand, „haben wir so viel gearbeitet wie noch nie“, sagt sie. Dräger ist in dieser Krise offiziell systemrelevant. Die meisten behördlichen Vorgaben wirken sich natürlich trotzdem auf den Betrieb aus. Es gilt, die Mitarbeiter vor Infektionen zu schützen, was die Lübecker unter anderem dadurch erreichten, dass sich Mitarbeiter der verschiedenen Schichten nicht mehr begegneten. Was passiert mit den Kindern, wenn Schulen und Kitas weitgehend geschlossen sind? Wie lassen sich Lieferketten aufrechterhalten? Dazu die omnipräsente Angst, sich irgendwo anzustecken.

Sinn der Arbeit wird deutlich

„Jeder Mitarbeiter hat von der Bundesregierung eine Unabkömmlichkeitsbescheinigung erhalten“, erklärt Kamann. Heißt: Selbst im Falle einer totalen Ausgangssperre hätten die Mitarbeiter zur Arbeit gehen können. Kita-Notbetreuung ist gewährleistet. „Natürlich macht das etwas mit einem als Mitarbeiter. Der Sinn unserer Arbeit wird deutlich. Es erfüllt die Beschäftigten mit Stolz“, so Kamann. Wer mit Dräger-Arbeitskleidung beim Bäcker wartete, sei schon mal vorgelassen worden. „Jeder in Lübeck weiß: Die müssen gleich wieder Beatmungsgeräte und Schutzmasken produzieren.“ Der ultimative Purpose: ein persönlicher Beitrag, Leben zu retten.

Die Anzahl der Medienanfragen explodierte. „Wir beschäftigen uns seit Beginn der Krise fast ausschließlich mit dem Thema“, sagt Kamann. Zu ihrem Team gehören etwa 80 Personen, wenn man Marketing und Kommunikation zusammenzählt. Zehn Personen kümmern sich um Pressearbeit. Rund um die Uhr erreichen das Unternehmen Anfragen aus aller Welt. Ziel der Kommunikationsabteilung sei es, jedem Journalisten eine Antwort zukommen zu lassen.

CEO Stefan Dräger hat seit März deutschen und internationalen Leitmedien eine Reihe von Wortlautinterviews gegeben. Dazu auch den regional wichtigen Medien wie den „Lübecker Nachrichten“. Inflationär einsetzen möchte Dräger das Format Interview nicht. „Unser CEO Stefan Dräger ist niemand, der in die Öffentlichkeit drängt. Er sieht aber auch, dass es ein Informationsbedürfnis gibt und dass wir als Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung haben“, meint Kamann. Die Strategie ist, Wortlautinterviews dann zu geben, wenn es einen neuen Erkenntnisstand gibt.

Dem Unternehmen ist es gelungen, sich in dieser Krise als der Experte für Beatmungsgeräte und Schutzausrüstung zu positionieren – ähnlich wie nach dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima 2011, als es um den Schutz vor radioaktiver Strahlung ging. Kamann nimmt die Rolle von Journalisten in dieser Ausnahmesituation anders als im regulären Alltag wahr, wenn es darum geht, ein Statement, Zitat oder ein Interview zu bekommen. „Journalisten haben häufig nach dem letzten Strohhalm gegriffen. Sie haben sich bei uns gemeldet und sich einfach mal erklären lassen, wie ein Beatmungsgerät funktioniert. Der Wunsch nach Erkenntnisgewinn ist groß.“

Dräger ist überwiegend ein B2B-Unternehmen. Auf der Webseite finden sich FAQs für verschiedene Zielgruppen wie Gesundheitsversorger oder all diejenigen, die sich über persönliche Schutzmöglichkeiten informieren wollen. „Ist es möglich, (Einweg-)FFP-Schutzmasken wiederaufzubereiten?“ lautet eine Frage. „Bietet eine chirurgische Gesichtsmaske / Mund-Nase-Schutz (MNS) den gleichen Schutz wie eine Atemmaske?“ eine andere. Die Coronakrise ist für Unternehmen mit Spezialwissen in medizinischen Bereichen auch eine Chance, sich als Absender von Informationen zu präsentieren, die im Journalismus zu kurz kommen.

 

 
 


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