Ralf Höcker beim "1. Kongress der Freien Medien" 2019 in Berlin. / Ralf Höcker: (c) Jan Böhmermann/Twitter
Ralf Höcker beim "1. Kongress der Freien Medien" 2019 in Berlin. / Ralf Höcker: (c) Jan Böhmermann/Twitter
Verband in der Kritik

DPRG bot umstrittenem Anwalt Höcker ein Podium

Die DPRG-Landesgruppe Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland lud Ralf Höcker zum Neujahrsempfang ein. Dafür steht der Verband in der Kritik.
Toni Spangenberg

Die DPRG (Deutsche Public Relations Gesellschaft) sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, dem umstrittenen Medienanwalt und CDU-Mitglied Ralf Höcker eine Bühne zu geben. Die Landesgruppe Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland lud ihn als Redner zu ihrem Neujahrsempfang am 4. Februar in Frankfurt (Main) ein und löste damit Empörung aus. Höcker ist ehrenamtlicher Sprecher der Werteunion. Mehrere führende CDU-Politiker kritisieren die Werteunion, insbesondere im Kontext der Thüringenwahl, scharf.

Angefacht wurde die Diskussion um Höcker durch einen Tweet von TV-Moderator Jan Böhmermann. Auf einem Foto ist Höcker zusammen mit Roman M. von der Identitären Bewegung Österreich, dem rechtsextremen Blogger David B. und Ex-Breitbart Autor Milo Yiannopoulos zu sehen. Es entstand beim von der AfD-Fraktion initiierten „1. Kongress der Freien Medien“ in Berlin im vergangenen Mai. Höcker trat dort als Redner auf, und steht dafür in der Kritik.

Sein Vortrag habe sich mit den Themen Presserecht, Fake News und schlechter Recherche beschäftigt, verdeutlicht er. Diesen habe er nicht nur beim „Kongress der freien Medien“ gehalten, sondern auch bereits mehrfach bei der DPRG, vor Banken und Versicherungen sowie bei der Republica, vor Salafisten und christlichen Fundamentalisten. "Ich bin keine PR-Agentur. Ich bin Anwalt, vertrete jeden und spreche mit jedem", sagt er im Telefonat mit pressesprecher. Er sei damals von der AfD-Fraktion als Gegenredner zu Breitbart-Chef Steve Bannon eingeladen worden und habe die Zuhörer:innen scharf kritisiert. Während seines Vortrags habe Höcker eine Reihe von Beispielen rechter Fake News genannt, um auf das Problem der Falschberichterstattung aufmerksam zu machen. „Seien Sie Gutmenschen, journalistische Gutmenschen“, appellierte er am Ende an diese.

Mitglieder kritisieren Höcker-Einladung

Sascha Stoltenow, Mitglied der DPRG und Kommunikationsberater, kritisierte bereits zuvor auf Twitter, dass sich der Verband nicht ausreichend mit den „kommunikativen Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft“ auseinandersetzt. „In diesem Kontext nehme ich Ralf Höcker als einen Akteur wahr, der die Polarisierung der Gesellschaft weiter vorantreibt“, so Stoltenow. Das widerspreche den Werten der DPRG.

Er habe von seinen Verband erwartet, „mit ihm und anderen genau darüber kritisch zu diskutieren.“ Stattdessen habe sich der DPRG dazu entschlossen, Höcker „ein Thema anzutragen“, welches ihn im Vorhinein gegen Kritik immunisierte. Höcker redete beim Neujahrsempfang der Landesgruppe über die Frage: „Wann brauchen Kommunikator:innen einen Medienanwalt?“

DPRG grenzt sich von Werteunion ab

Auf Nachfrage von pressesprecher betonte der DPRG zunächst in einem ersten Statement, „sich eindeutig gegen jede Form von Extremismus“ zu wenden. Das gehöre zu den Grundwerten des Verbands. „Werteunion und die Werte der DPRG passen daher nicht zusammen.“ Der Verband könne die „kontroverse Diskussion“ um Höcker nachvollziehen.

„Sie hat uns gezeigt, dass wir uns – wie alle demokratischen Verbände und Organisationen – weit intensiver mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie wir – besonders nach den Ereignissen in Thüringen – mit dem zunehmenden Einfluss extremistischer Kräfte auf Politik und pluralistische Meinungsbildung umgehen sollen.“

„Ausgrenzung ist keine Lösung“

Gleichzeitig betonte der Verband, diese Auseinandersetzung durch Ausgrenzung allein nicht gewinnen zu können. Darüberhinaus habe die Landesgruppe Höcker nur aufgrund seiner „unbestrittenen Kompetenzen als Medienrechtsanwalt“ eingeladen. In seinem Vortrag habe er keine politischen Statements abgegeben und sich ausschließlich zu Fragen des Medienrechts geäußert. 

„Die Veranstalter haben einen Experten gesehen, viele Mitglieder und auch wir im Bundesvorstand dagegen auch die politische Dimension der Person Höcker, die durch ihre Tätigkeit für die Werteunion, die offen für eine Annäherung an die AfD eintritt, polarisiert.“

„Wir befinden uns in einem Lernprozess“

Der DPRG befinde sich in „einem Lernprozess“. Er „respektiert und verteidigt einerseits die grundgesetzlich verbriefte Rede- und Meinungsäußerungsfreiheit, die auch Herr Höcker für sich beanspruchen kann. Andererseits müssen wir uns gegen extremistische, Demokratie aushöhlende und geschichtsrevisionistische Denkmuster zur Wehr setzen.“ Die Einladung Höckers werde nicht der letzte Fall sein, „in dem sich Branchen- und Berufsverbände mit nationalistischen, populistischen und auch extremistischen Positionen ihrer Mitglieder und im verbandlichen Umfeld auseinandersetzen müssen.“ Man wolle das Thema im Vorstand und im Dialog mit den Ehrenamtlichen vertiefen. 

DPRG rudert zurück

Mittlerweile hat der Verband sein Statement korrigiert. Dabei habe es sich um eine "unabgestimmte Vorversion" gehandelt. "Fälschlicherweise haben wir den definierten Begriff "Extremismus" in Abgrenzung zu den Verbandswerten und der Werteunion verwendet. Dieser Satz und seine Aussage in der Vorversion ist falsch. Wir haben eine Stellungnahme der Werteunion vorliegen, die sich deutlich und klar gegen mögliche Kooperationen mit der AfD ausspricht." Darüber hinaus wäre eine Abgrenzung der DPRG als "unabhängiger und überparteilicher Verband von Kommunikatoren" von der Werteunion, einer Gruppierung innerhalb der CDU, falsch. Nun heißt es daher: "Wir haben im Bundesvorstand volles Verständnis für die kontroverse Diskussion. Sie hat uns gezeigt, dass wir uns – wie alle demokratischen Verbände und Organisationen – weit intensiver mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie wir mit pluralistischer Meinungsbildung umgehen sollen. Doch hat die wenig mit der Einladung an einen ausgewiesenen Medienrechtsexperten zu tun." Dies werde nicht "der letzte Fall sein, in dem sich Branchen- und Berufsverbände mit kontroversen Positionen ihrer Mitglieder und im verbandlichen Umfeld auseinandersetzen müssen.


 

Hinweis: Die Einordnung des Vortrags von Ralf Höcker beim „1. Kongress der Freien Medien“ in Berlin wurde nachträglich ergänzt. Daneben korrigierte die DPRG ihr Statement nachträglich, wie im letzten Absatz des Artikel erläutert.

 

 
 

Kommentare

Wenn solche inszenierten "Empörungen" auch auf der linken Seite stattfinden würden, hätte ich dafür totales Verständnis. Und wahrscheinlich nicht nur ich. Da dem Leser/der Leserin aber nur auf der rechten Seite des Demokratiespektrums solche vermeintlichen "Skandale" offeriert werden und eben nicht - gleichberechtigt - auch auf der linken Seite, eignet sich das Ganze wohlkaum für eine ernsthafte, wirkliche Empörung. Letztlich ist es dann so nur das Getöse des politischen Gegners, bei dem das Klappern - oh Wunder - zum Handwerk dazu gehört. All das ist PR.


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