Laut dem DJV Brandenburg sind deutsche Schulen "ideologisch verseucht". (c) Getty Images / Motortion
Laut dem DJV Brandenburg sind deutsche Schulen "ideologisch verseucht". (c) Getty Images / Motortion
Deutscher Journalisten-Verband

DJV BB kritisiert „ideologisch verseuchte“ Schulen

Seit dem Wochenende sorgen rechtspopulistische Tweets des DJV Brandenburg für Ärger. Der Bundesverband distanziert sich von dessen Äußerungen – nicht zum ersten Mal.
Aus der Redaktion

Mit rechtspopulistischen Thesen sorgt der DJV Brandenburg derzeit für Aufruhr. So seien deutsche Schulen angeblich „ideologisch verseucht“ – dort würden „linksgrüne Lehrer“ die Kinder „indoktrinieren“.

Einige Twitter-Nutzer vermuteten zunächst, der Account sei gehackt worden – womöglich von der AfD – doch die Äußerungen sind für den Landesverband nicht untypisch. Tatsächlich fällt der DJV Brandenburg seit Jahren immer wieder durch fragwürdige Positionen auf, vornehmlich aus den Bereichen Medienkritik und Politik.

So sprang man 2016 dem heutigen AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland bei, als dieser den Fußballer Jerome Boateng beleidigte. Dass ein Repräsentant des DJV Brandenburg sich öffentlich so äußere, als gehöre er zum AfD-Fanclub, zeuge von geringem journalistischen Sachverstand, kommentierte DJV-Bundessprecher Hendrik Zörner den Vorfall damals.

Bundesverband distanziert sich

Seit Jahren muss sich der DJV für die Provokationen des ungeliebten Landesverbandes rechtfertigen. Trotzdem wird man immer wieder mit dessen Positionen in Verbindung gebracht: „Ich glaube alle Menschen, die noch im DJV Mitglied sind, sollten da schleunigst austreten“, forderte ein verärgerter Twitter-Nutzer beispielsweise in Bezug auf den Tweet vom Sonntag.

Kaum ein Wunder, dass die Frustration beim Bundesverband groß ist. „Wir haben uns bereits unzählige Male vom „Landesverband“ Brandenburg distanziert und tun dies anlässlich der jüngsten Entgleisungen gern erneut“, stellte der DJV auch diesmal entnervt auf Twitter klar. Der DJV Brandenburg habe den Bundesverband dort sogar blockiert.

Trotz aller Meinungsverschiedenheiten ist der brandenburgische Verband jedoch immer noch Teil des DJV. Zwar heißt es seit Jahren in Verbandskreisen, dort hätten sich Leute eingeschlichen, deren journalistische Tätigkeit zweifelhaft sei. Außerdem gelangte der Landesverband vor einiger Zeit wegen der Stasi-Vergangenheit eines hochrangigen Mitglieds in die Kritik.

Auf seiner Webseite distanziert sich der DJV so weit wie möglich vom Brandenburger Landesverband: Dieser bestehe nur aus wenigen Mitgliedern und werde vom Vorsitzenden Klaus D. Minhardt gesteuert, der unter dem Logo des DJV seine Privatmeinung bekanntgebe. Minhardt habe seinen Wohnsitz außerdem im Ausland und nehme in der Regel nicht an den Gremiensitzungen des Bundesverbandes teil.

Mehrere rechte Plattformen und Social-Media-Profile hätten sich Äußerungen von Minhardt zu eigen gemacht, heißt es dort weiter. Dabei werde in vielen Fällen durch Auslassungen auf eine eindeutige Trennung zwischen Bundes- und Landesverband verzichtet. Der Eindruck, der Landesverband Brandenburg habe sich im Namen des gesamten DJV geäußert, sei aber falsch.

Ausschluss des Verbands misslang

Ein Vorstoß, den Landesverband aus dem DJV auszuschließen, scheiterte vor Gericht. Zu diesem Zweck war in Berlin und Brandenburg sogar ein neuer gemeinsamer Landesverband – der Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) gegründet worden. Heute existieren beide Verbände parallel, zudem gibt es noch den DJV Berlin.

Im Mai stimmten die Mitglieder des JVBB und des DJV Berlin für eine Fusion der beiden Verbände. Der „verhaltensauffällige“ DJV Berlin-Brandenburg, kommentierte der JVBB aus aktuellem Anlass auf Twitter, sei jedoch nicht Bestandteil des laufenden Fusionsverfahrens.

Der DJV Brandenburg gibt sich mittlerweile versöhnlich: „Wir haben übrigens nichts gegen linke oder grüne Lehrer“, postete er vor Kurzem auf Twitter. Sobald diese aber das Neutralitätsgebot verletzen und Einfluss auf die Schüler genommen werde, sei das ein Problem, das gelöst werden müsse. Für Journalisten, heißt es weiter, gelte das gleiche.

 

 

 
 


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