Bei der Bildauswahl spielt die Rechteklärung eine entscheidende Rolle (c) Thinkstock/Nastco
Bei der Bildauswahl spielt die Rechteklärung eine entscheidende Rolle (c) Thinkstock/Nastco
Ein Überblick

Die wichtigsten Lizenzmodelle zur Bildnutzung

Was ist bei der Bildauswahl zu beachten und für welche Zwecke dürfen Motive verwendet werden? Im zweiten Teil unserer Bildbeschaffer-Serie stellen Alexander Karst und Michaela Koch die wichtigsten Lizenzmodelle zum Thema Bildnutzung vor.
Alexander Karst
Michaela Koch

Ein Bild ist nicht gleich ein Bild – und wenn es für PR- oder Marketingzwecke genutzt werden soll, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Neben der Auswahl der passenden Motive spielt die Rechteklärung eine entscheidende Rolle. Um Motive für einen bestimmten Zweck nutzen zu können, ist eine Vereinbarung mit dem Inhaber der Rechte erforderlich – oder mit seinem Vertreter, also zum Beispiel einer Fotoagentur. Diese Vereinbarung erfolgt in Form von Lizenzen. Damit räumt der Rechteinhaber die Erlaubnis zur Nutzung eines Bildes ein. Dabei wird grundsätzlich in zwei Kategorien unterschieden: Lizenzpflichtig und lizenzfrei – wobei lizenzfrei in diesem Fall nicht bedeutet, dass keine Lizenz erforderlich ist. Im Zuge der gewachsenen Bedeutung des Internets haben sich außerdem zwei weitere Modelle etabliert: Die Microstocks und das Prinzip Creative Commons.

Die wichtigsten Lizenzmodelle zur Bildnutzung in der Übersicht:

1. Lizenzpflichtige Bilder (Rights Managed):

Die Nutzung von lizenzpflichtigen Bildern ist streng geregelt. Dafür gibt es qualitativ hochwertige und bei Bedarf exklusive Bilder. Um die Höhe der Lizenz zu errechnen, werden verschiedene Parameter zugrunde gelegt, so zum Beispiel die Art der Nutzung und das Medium, sprich die Frage, ob es sich um ein schlichtes PDF für einen Newsletter oder ein Werbeplakat im U-Bahnhof handeln soll. Aber auch Umfang, Auflage, Abbildungsgröße, die Dauer des Einsatzes und die Einsatzregion werden vorher festgelegt. Das Thema Exklusivität ist in zweierlei Hinsicht zu klären: Soll das Bild zur alleinigen Nutzung bereitgestellt werden, sichert der Lizengeber das im Vorfeld zu. Dafür muss aber auf der anderen Seite sichergestellt sein, dass es keine weiteren Lizenzgeber, also beispielsweise weitere Bildagenturen gibt, die zur Lizenzvergabe berechtigt sind.
Auswahl (lizenzpflichtige Agenturen):
  • LAIF (Dokumentation, Personen, Prominente, Reise,)
  • Trunk Archive (Design, Lifestyle, Mode, Prominente, Reise)
  • Agentur Focus (Corporate, Editorial, Portrait)

Vorteil: Lizenzpflichtige Bilder eignen sich für große Kampagnen und Unternehmensdarstellungen, in denen Qualität und Einzigartigkeit wichtiger sind als der Preis.

2. Lizenzfreie Bilder (Royalty Free):

Hier wird einmalig eine Lizenz erhoben, die es dem Unternehmen erlaubt, das Bild nahezu unbegrenzt zu verwenden. Nur die Weitergabe des Bildes an sich ist untersagt. Auch regeln einige Standardklauseln, dass ein Bild zum Beispiel nicht für diffamierende, politische oder anderweitige, von der Norm abweichende Nutzungen verwendet werden darf. Der Preis für ein Motiv richtet sich nach der Dateigröße und der Anzahl der berechtigten Nutzer. Die Nachteile liegen auf der Hand: Qualität, Kreativität und Einzigartigkeit der Motive sind nicht so ausgeprägt wie bei lizenzpflichtigen Bildern. Bei kleineren, unerfahrenen Anbietern ist nicht immer gewährleistet, dass alle bildrechtlichen Aspekte auch berücksichtigt wurden, also ob zum Beispiel wirklich geklärt ist, dass eine abgebildete Person oder ein Kunstwerk gezeigt werden (Model Release/Property Release).
Auswahl (lizenzfreie und lizenzpflichtige Agenturen):

Vorteil: Lizenzfreie Bilder machen Sinn, wenn die Motive nur eine begleitende Funktion haben, zum Beispiel für einen Newsletter, einen aktionsbezogenen Flyer oder für den Newsbereich einer Webseite – oder auch, wenn aus einzelnen Elementen eine Collage entstehen soll.

3. Microstocks:

Kleines Geld für kleine Nutzung, das könnte der Leitsatz sein für Bilder aus Microstock-Agenturen. Dahinter stehen häufig Hobbyfotografen oder B-Portfolios von echten Profis, die auf den Absatz von Masse zielen. Die "kleine Nutzung" wird je nach Anbieter eingeschränkt. Das heißt: Die Auflagenhöhen sind unterschiedlich hoch begrenzt, es dürfen keine Produkte (Poster) aus den Bildern gemacht werden und die meisten Lizenzen gelten nur für eine Person. Wer mehr braucht, kann Zusatzlizenzen erwerben.
Auswahl (Microstock-Agenturen):

Der Haken: Die Qualität und Kreativität ist vergleichsweise niedrig ausgeprägt. Außerdem sichern Microstocks keine Exklusivität zu und einzelne Motive werden oft mehr als 10.000 mal verkauft – es kann also sein, dass der Mitbewerber rein zufällig dasselbe Motiv auch für seine Kampagne benutzt. (vgl. dazu auch „Vorsicht, Verwechslungsgefahr“).

Vorteil: Microstock-Motive sind ideal für kleine Unternehmen und Einzelkämpfer, die entweder kein Geld für hochwertiges Bildmaterial ausgeben wollen oder für die es keine Rolle spielt, wie austauschbar ein Motiv ist.

4. Creative Commons:

Diese Lizenzform ist eine ganz besondere, die im Zuge der Entwicklung von gemeinschaftlich genutzten Portalen wie Wikipedia an Bedeutung gewonnen hat. Mit Creative Commons (CC) werden der Öffentlichkeit quasi bestimmte Nutzungsrechte an einem im Netz veröffentlichten Bild zugesprochen - unter Bedingungen, versteht sich, dafür aber kostenfrei. Was bei Creative-Commons-Bildern immer gilt, ist die verpflichtende Angabe des Urhebers. Dieser gibt zudem vor, dass immer sein Name genannt wird (by) und ob das Bild für kommerzielle Zwecke genutzt werden darf oder nicht (nc = non commercial). Auch kann er verfügen, dass das Bild nicht bearbeitet werden darf (nd = no derivatives) und ob das neue Werk nur unter denselben Bedingungen weitergegeben werden darf (sa = share alike). Aus diesen vier Parametern ergibt sich dann die Kennzeichnung eines Bildes, wenn es zum Einsatz kommt, also zum Beispiel "Vorname Nachname des Künstlers, CC-by-nd-sa).

Vorteil: Creative Commons-Motive sind gut geeignet, um Sachverhalte zu veranschaulichen, also zum Beispiel für Lehrmaterialien oder in Fachartikeln. Sie sind zwar selten wirklich kreativ, dafür aber kostenfrei.

Ein wichtiger Nachsatz für alle Bilder: Im Urheberrecht ist festgelegt, dass Kunstwerke 70 Jahre nach Tod ihres Urhebers "gemeinfrei" ("public domain") sind. Im Netz gibt es zahlreiche Bilder, die mit diesem Kriterium gekennzeichnet sind. Jeder Nutzer eines solchen Bildes sollte sich rückversichern, dass diese Angabe auch stimmt und keine weiteren Rechte am Bild vorliegen.

 
 

Kommentare

Guten Tag, wenn ich als nicht-professioneller Fotograf ein (meiner Meinung nach) sehr gelungenes Foto an einen (österreichischen) Tourismus-Verband verkaufen will- was muss ich beachten, wenn ich die Rechte an dem Bild behalten möchte? Und wie könnte ich einen Preis festlegen? Das JPEG-Bild hat 6,4 MB. Ich bin ein "unbeleckter" Laie. Danke und freundliche Grüße Dietrich Leutelt


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Mehr als eine Milliarde Stunden Bewegtbild konsumiert die Menschheit täglich allein über Youtube. Doch es gilt einige Regeln zu beachten. (c) TCmake_photo
Foto: TCmake_photo
Lesezeit 2 Min.
Gastbeitrag

Gifs und Videos im Rechte-Check

Am Bahnsteig und am Flughafen, beim Elektronikfachhändler des Vertrauens, auf gängigen Nachrichtenportalen und auf Social-Media-Plattformen – das Bewegtbild ist nicht mehr wegzudenken aus unserer Wahrnehmung. Welche Grundregeln es bei der Veröffentlichung von Animationen, Gifs oder Videoclips zu beachten gibt, erklären Alexander Karst und Michaela Koch von den Bildbeschaffern. »weiterlesen
 
Welche Schutzrechte gilt es zu beachten, wenn Personen oder Marken fotografiert wurden? (c) Thinkstock/MikeLaptev
Welche Schutzrechte gilt es zu beachten, wenn Personen oder Marken fotografiert wurden? (c) Thinkstock/MikeLaptev
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Wann Sie Fotos von Personen nutzen dürfen

Es ist das Wesen eines PR-Events, dass es von sich reden machen möchte. Wer der offiziellen Einladung zu so einer Veranstaltung folgt und sich im Rahmen dessen von einem Fotografen ablichten lässt, muss damit rechnen, dass dieses Foto verwendet wird. So das allgemeine Verständnis – zumindest auf Seiten der Veranstalter. Doch nicht selten sieht die Realität anders aus. Die Grenzen zwischen erlaubter und nicht erlaubter Veröffentlichung von Personen und Marken sind schwammig. Aber mit etwas Bedacht im Umgang mit Bildern lässt sich Ärger vermeiden. »weiterlesen
 
Die Zeichenfolge der Buchstaben ist urheberrechtlich nicht schützenswert, aber das von einem Grafiker gestaltete Icon auf Ihrem Smartphone. (c) Blend Images/ John Lee
Die Zeichenfolge der Buchstaben ist urheberrechtlich nicht schützenswert, aber das von einem Grafiker gestaltete Icon auf Ihrem Smartphone. (c) Blend Images/ John Lee
Lesezeit 2 Min.
Gastbeitrag

Was es beim Einsatz von Emoticons in der PR-Arbeit zu beachten gilt

Emoticons sind aus der heutigen Kommunikation kaum noch wegzudenken, doch in der PR-Arbeit sollten sie nicht bedenkenlos verwendet werden. Michaela Koch und Alexander Karst von den Bildbeschaffern mit einem Beitrag über die rechtlichen Stolperfallen bei der Verwendung von Emoticons als PR- und Marketing-Instrument. »weiterlesen
 
Die Unternehmenskommunikation von morgen nutzt Bewegtbild (c) Thinkstock/tang90246
Foto: Thinkstock/tang90246
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Bewegtbild in der Unternehmenskommunikation

Firmen stellen sich bei Youtube vor und sogar der Zeichentrick kehrt in Form animierter Gifs zurück: Die moderne Bildsprache hat in die Unternehmenskommunikation Einzug gehalten. Im fünften Teil unserer Bildbeschaffer-Serie erklären Alexander Karst und Michaela Koch die Vorteile von Gif-Formaten. »weiterlesen
 
Die unerlaubte Nutzung von Bildern kann zu rechtlichen Konsequenzen führen (c) Thinkstock/Thyrsus
Foto: Thinkstock/Thyrsus
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Wenn der Abmahnanwalt schreibt

Unerlaubte Nutzung von Bildern wird streng geahndet – und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Dennoch sind viele Abmahnungen auch überzogen und sollten inhaltlich geprüft werden, erklären Alexander Karst und Michaela Koch im vierten Teil unserer Bildbeschaffer-Serie. »weiterlesen
 
Nicht jedes Bild darf man teilen oder sharen. Die Bildbeschaffer verraten, wie man sich vor Lizenzfallen schützen kann (c) Thinkstock/boygovideo
Foto: Thinkstock/boygovideo
Lesezeit 2 Min.
Gastbeitrag

Wenn Teilen und Liken nicht gestattet sind

Die Like- oder Share-Buttons zum Teilen von Inhalten auf Facebook sind Fluch und Segen zugleich. Die Bildbeschaffer Michaela Koch und Alexander Karst verraten, wie sich die unerlaubte Nutzung von Bildern durch willkürliches Teilen und Liken vermeiden lässt und Unternehmen sich unnötige Lizenzstrafen ersparen können. »weiterlesen
 
Dieses Gesicht ist bekannt, lässt sich aber keiner Marke eindeutig zuordnen(c) PeopleImages.com/Fotolia.com, Montage: Julia Nimke
Fotos: PeopleImages.com/Fotolia.com, Montage: Julia Nimke
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Vorsicht, Verwechslungsgefahr!

Mitten im Bundestagswahlkampf 2013 wollten die FDP und die NPD mit dem gleichen "Familienbild" für ihre Politik werben. Seitdem ist deutlich geworden, wie wichtig das Thema Bildauswahl ist. Denn gerade für die Vermarktung von eigenen, unverwechselbaren Botschaften sollte nicht willkürlich auf frei zugängliches Stockmaterial zugegriffen werden. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

Oft quellen Zitate vor maßlosen Übertreibungen oder ausgeprägten Selbstdarstellungen der Zitatgeber über. (c) Getty Images / Martin Barraud
Foto: Getty Images / Martin Barraud
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Wann Zitate einer Pressemitteilung schaden

Zitate, sogenannte O-Töne, sollen Pressemitteilungen die nötige Würze verleihen. Doch in der Realität sieht das oft anders aus, wie Kolumnist Claudius Kroker feststellt. »weiterlesen
 
In Zeiten der digitalen Transformation erscheinen Pressemitteilungen wie ein tröstlicher Anker. (c) Getty Images/Grandfailure
Bild: Getty Images/Grandfailure
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Presse-Infos? Bitte mehr davon!

In dieser Kolumne berichten Medienmacher hautnah von ihren Erfahrungen mit Kommunikatoren. Upday-Redaktionsleiter Hans Evert findet die tägliche Flut an Pressemitteilungen tröstlich. »weiterlesen
 
Wer erfolgreiche Pressearbeit machen will, muss wissen, wann Medien über was berichten – und was gerade aktuell ist. (c) Getty Images/eternalcreative
Foto: Getty Images/eternalcreative
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Timing ist alles

Mitunter entscheidet der Zeitpunkt, ob aus einer Pressemitteilung eine Nachricht wird – oder ein Fall für den Papierkorb.  »weiterlesen
 
Volkswagen hat Journalisten mit einigen ungewöhnlichen Forderungen irritiert (c) Getty Images / artisteer
Foto: Getty Images / artisteer
Lesezeit 1 Min.
Meldung

Volkswagen mit merkwürdiger Presseeinladung

Die jüngste Presseeinladung des Autoherstellers irritiert Journalisten mit einigen ungewöhnlichen Forderungen. »weiterlesen
 
Im Streit um eine Glyphosat-Satire setzt sich die „Taz“ juristisch gegen Bayer durch. (c) Getty Images / Mihajlo Maricic
Foto: Getty Images / Mihajlo Maricic
Lesezeit 1 Min.
Meldung

Streit um Glyphosat-Satire: „Taz“ setzt sich gegen Bayer durch

Der Chemiekonzern Bayer gibt seinen Versuch auf, die satirische Bildmontage „Das Krebs-Rundumpaket“ der Tageszeitung taz verbieten zu lassen. »weiterlesen
 
Wie generiert man im Wettbewerb mit Platzhirschen Aufmerksamkeit? (c) Bo Soremsky
Bild: Bo Soremsky
Lesezeit 2 Min.
Lesestoff

Wie man Platzhirschen die Stirn bietet (5)

Von Post und Bahn bis Onlinehandel: Manche Märkte in Deutschland sind von Monopolen geprägt, von ehemaligen Monopolen, Quasi-Monopolen oder schlichtweg von Giganten. Wie behaupten sich Konkurrenten kommunikativ im Wettbewerb mit den Riesen? Ein Blick auf die Herausforderer. Teil fünf: der Evangelische Pressedienst gegen die DPA. »weiterlesen