Die Verlierer des PR-März 2019. (c) Getty Images / Natali Mis
Die Verlierer des PR-März 2019. (c) Getty Images / Natali Mis
Monatsbilanz

Die Verlierer des PR-März 2019

PR-Desaster, -Versagen und -Schlammassel: Auch im März 2019 gab es diesbezüglich ein paar erwähnenswerte Highlights.
Aus der Redaktion

Platz 1: Die CDU/CSU im Europaparlament

Büste des Pyrrhos aus der Villa dei Papiri von Herculaneum. Museo Archeologico Nazionale, Neapel. (c) Marie-Lan Nguyen (c)Pyrrhus der Erste war vor ziemlich genau 2.300 Jahren nicht nur ein mächtiger König der Molosser, weitläufig verwandt mit dem damals bereits verstorbenen Alexander dem Großen – er war auch ein fähiger, gefürchteter Feldherr. Jahrelang führte er entschlossen und ziemlich erfolgreich Krieg gegen die damals noch junge Römische Republik. Allerdings waren bei seinen Siegen die Verluste oft enorm, weswegen Pyrrhus heute der Ausspruch „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“ zugeschrieben wird.

Ein Pyrrhussieg eben.

Womit wir beim PR-Verlierer des März 2019 wären. Ja, die CDU/CSU-Fraktion hat sich im Europaparlament mit ihrer Linie zur EU-Urheberrechtsreform inklusive Uploadfilter und Leistungsschutzrecht durchgesetzt – doch der Preis war hoch. Was insbesondere die Abgeordneten Axel Voss, Daniel Caspary und Elmar Brok im Zuge des bitteren Streits um die Reform an Uninformiertheiten, Halbwahrheiten, Unterstellungen und Verschwörungsgeraune gegenüber den (meist jüngeren, oft informierteren) Gegnern des Vorhabens äußerten, hat für die Zukunft beachtliches politisches Zerstörungspotenzial: „Noch so ein Sieg, und wir haben die nächste Generation verloren!“


Platz 2: Der DFB

Vizemeister DFB. (c) DFBFür den größten und (einstmals?) mächtigsten Sportverband der Welt verlief der März 2019 PR-mäßig ungefähr wie eine 1:7-Niederlage nebst zwei, drei Platzverweisen. Zunächst sorgte das als recht lieblos empfundene Offboarding der verdienten Nationalspieler Boateng, Hummels und Müller für Irritationen, und dann kam schon: Reinhard Grindel.

Der ebenso überforderte wie unglückliche DFB-Präsident fand den Nationalmannschaftsrauswurf der drei Weltmeister erst gut, dann doch eher schlecht, dann doch wieder gut. Kurz darauf stürmte er („Komm Herr Bauer, wir lassen es!“) vor laufenden Kameras aus einem Interview, es kamen Unregelmäßigkeiten bei seinen Nebeneinkünften ans Licht, und dann tauchte auch noch eine sündhaft teure Uhr auf, die sich Grindel von einem ukrainischen Oligarchen hatte schenken lassen. Harald Stenger, ehemaliger Pressesprecher des DFB, bezeichnete Grindel als „schlechtesten DFB-Präsidenten seit 50 Jahren“, verglich ihn gar mit Donald Trump. Anfang April: Abpfiff Grindel.


Platz 3: N26

Geld verloren: Fintech N26. (c) N26Wenn man sich als Bank-Start-up – neudeutsch: Fintech – anschickt, das Bankwesen ohne solchen Schnickschnack wie Filialen und Berater zu „disruptieren“, sollte man wahrscheinlich vor allem eines tun: Sorgsam auf das Geld seiner Kunden achten. Vor allem, wenn es sich nicht um dreifuffzig handelt, sondern um satte 80.000 Euro.

Soviel ging einem Kunden auf wundersame Weise von seinem N26-Konto verloren, und die folgende Odyssee bei dem Versuch, das Geld zurückzuerhalten, wuchs sich zum veritablen PR-Desaster für die Digitalbank N26 aus. Der Höhepunkt: Die rat- und hilflose Telefonhotline, die dem Geschädigten riet, doch über den (ebenso rat- und hilflosen) Live-Chat auf der Webseite des Fintechs zu versuchen, an sein verschwundenes Geld zu gelangen.


Platz 4: Engel & Völkers

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.


Platz 5: Boeing

Krisenkommunikationsfiasko für Boeing. (c) Getty Images / Vadim Anvaer Vor allem in englischsprachigen Medien gilt der Flugzeugbauer als einer der ganz großen Image-Verlierer der letzten Wochen. Wie der Konzern auf die beiden Abstürze seiner Boeing 737 Max 8 in Indonesien und Äthiopien reagierte – erst gar nicht, denn zögerlich, diffus, defensiv, verwirrend, häppchenweise, sich widersprechend – hat das Potenzial, die Marke nachhaltig zu beschädigen, auch im ewigen Konkurrenzkampf mit dem europäischen Rivalen Airbus.

Zumal es in diesem Fall eben nicht nur um eine missglückte Werbekampagne nebst Social-Media-Aufregung geht, um ein fehlerhaftes Haushaltsprodukt oder verlorenes Geld, sondern um Menschenleben. 346 Menschenleben. Boeings kommunikatives Agieren in diesem Fall dürfte in zukünftigen Fallstudien als Paradebeispiel für missglückte Krisenkommunikation herhalten. Mit Recht.


Auf der Shortlist


Rückblick

 
 


randbemerkung

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