Wie funktioniert die Sprache der Macht? (c) Thinkstock/zygotehasnobrain
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Rezension

Die rhetorischen Tricks der Politiker

Dass sich Poltiker bestimmter Trigger-Formulierungen bedienen, um emotionale Reaktionen zu steuern, ist nicht neu. Der Medienwissenschaftler und Philosoph Dushan Wegner hat sich daran gemacht, 23 rhetorische Strategien anhand von Beispielen aus dem politischen Alltag aufzuschlüsseln. Eine Rezension.
Anne Hünninghaus

Was haben die CDU und Apple gemeinsam? Die derzeit in Bezug auf Umfragewerte erfolgreichste deutsche Partei und das kalifornische Unternehmen verfügen laut Dushan Wegner über große Talkingpoints-Disziplin in der Außenkommunikation. Talkingpoints beschreibt er als psychologisch geplante Trigger-Formulierungen, die unsere emotionale Reaktion steuern. Von "alternativlos" über "Frage zuerst, was du für dein Land tun kannst" bis hin zum Begriff "Ausländermaut" – Worte formen unser Denken.

Diese Macht der Sprache möchte Wegner dem Leser erläutern. Auf jeweils drei bis vier Seiten erklärt er insgesamt 23 Talkingpoint-Effekte von Güte über Angst bis zum Kümmern, je mit einem Protagonisten aus der Praxis (bei Güte zum Beispiel Mahatma Ghandi, der diese als handfestes politisches Druckmittel einsetzt) und einer Warnung. Dazwischen streut er kurze Exkurse ein, die Phänomene wie Nudging oder Shitstorms knapp erläutern.

Wegner illustriert die verschiedenen Effekte mit anschaulichen Beispielen, auch die zahlreichen Zitate aus Politikerreden und Dialogausschnitte aus Talkshows sind größtenteils treffend eingeordnet und kommentiert. Dennoch verpasst er die Chance, in eine tiefere Analyse einzusteigen und Details zu fokussieren, womit "Talkingpoints" an der Oberfläche bleibt.

Mehr Unterhaltung als Analyse

Man könne, so der Autor im Vorwort, das Buch lesen, um zu verstehen, warum Politiker so reden wie sie reden. Oder man könne es "durcharbeiten", um selbst ein paar Tricks einzustudieren. Doch "durcharbeiten" ist das falsche Wort, denn die Lektüre der 240 Seiten ist keineswegs mühevoll. Die Beschreibungen sind unterhaltsam, wenn auch teils in ihrer Formulierung zu flapsig.

"Spätestens wenn Realität und Spin unrettbar auseinanderbrechen, erkennen auch wir unbedarften Politikzuschauer, dass Talkingpoints auch ein Versprechen sind, dessen Einhaltung wir immer wieder überprüfen sollten", konstatiert Wegner am Ende des Buchs. Doch der studierte Philosoph und PR-Profi Wegner ist sicher kein unbedarfter Politikzuschauer. Und auch der politisch Interessierte Leser dürfte mit den meisten der beschriebenen Mechanismen und Beispielen bereits vertraut sein. Fazit: Als unterhaltsame Anekdotensammlung eignet sich die kurzweilige Lektüre, tiefergehende psychologische Befunde und handfeste Tipps lässt sie jedoch vermissen.

Dushan Wegner: "Talking Points oder die Sprache der Macht". Frankfurt am Main: Westend Verlag. 240 Seiten. 16,99 Euro.

 
 

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