Die PR als Brückenbauer: Der Schlagabtausch zwischen Bayer und WWF bringt ihre besten Seiten hervor. (c) Thinkstock/mrdoomits
Die PR als Brückenbauer: Der Schlagabtausch zwischen Bayer und WWF bringt ihre besten Seiten hervor. (c) Thinkstock/mrdoomits
WWF Deutschland vs. Bayer

Die Kraft, Brücken zu schlagen

Mit einem Streitgespräch zwischen Bayer und WWF hat der Glyphosat-Disput ein vorläufiges Ende gefunden. Was lernen wir daraus?
Carolin Sachse-Henninger

Sie haben es getan. Der Chemiekonzern Bayer und die Umweltorganisation WWF lösten ihr Versprechen ein, das sie im Magazin pressesprecher gaben, und trafen sich zu einem Streitgespräch. Das Gespräch, das Zeit Online in dieser Woche veröffentlichte, setzt den vorläufigen Schlusspunkt unter eine seit Dezember währenden Debatte.

Begonnen hatte diese mit einem frech inszenierten Videoclip, in dem zwei junge WWF-Mitarbeiterinnen vor den Folgen des Herbizids warnen. Die Presseabteilung von Bayer konterte mit einer originellen Parodie des Spots. Dafür gibt es im Streitgespräch noch einmal Lob von Helmut Schramm, Geschäftsführer von Bayer Cropscience Deutschland: „Ich fand super, dass wir die befremdlichen Warnungen des WWF mit unserer Parodie mal ein bisschen sportlich gekontert haben.“ Jörg-Andreas Krüger, in der Geschäftsleitung des WWF zuständig für Energie-, Klima- und Landwirtschaftspolitik, nimmt die daraus folgende Diskussion dankend an: „Wir sind immer offen für Debatten, um zu akzeptierten Lösungen zu kommen.“

Die Sozialen Medien hält Schramm jedoch für keine geeignete Arena zum Schlagabtausch. Denn dort, so moniert der Bayer-Chef im Zeit-Gespräch, sei die Aussage eines Experten so viel wert wie die eines Laien. „Wenn Sie mit Ihrem Auto über eine Brücke fahren, messen Sie doch auch nicht aus Misstrauen gegenüber dem Ingenieur mit Ihrem Geodreieck vorher die Statik nach!“, echauffiert sich Schramm mit rhetorischer Treffsicherheit über die digitale Diskussionskultur. Krüger entgegnet, Vertrauen müsse erst wiedergewonnen werden: „Der Glaube an die Tragfähigkeit der Brücke ist erschüttert, weil die Menschen die Risse darin erkennen.“

Wie der Chemiekonzern die Glyphosat-Debatte für sich gewinnen will, lässt Schramm in dem Gespräch bereits anklingen: „Wir haben in der Vergangenheit zu wenig erklärt, was wir tun. Immerhin hat unser Videostreit ja bewirkt, dass wir jetzt mit Ihnen als unseren Kritikern reden.“ Versöhnlich winkt der Bayer-Chef dann noch mit einer Einladung zu einem Vor-Ort-Besuch. Krüger freut‘s: „Das können wir gern machen, das klingt schön.“

Derart harmonisch verläuft die Diskussion um das Kernthema – pro und contra Glyphosat – freilich nicht. Die Debatte zu lösen, hatte das Streitgespräch auch nie zum Ziel. Doch wenn man etwas Gutes aus dieser Geschichte ziehen will, dann das: PR kann mehr als nur verlautbaren. Sie hat das Potenzial, nach innen wie nach außen zu wirken und so im besten Fall gesellschaftliche Debatten voranzubringen.

 

 
 

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