Was passiert, wenn die schlechtesten Seiten von Journalismus und PR aufeinandertreffen? (c) Thinkstock/BravissimoS
Was passiert, wenn die schlechtesten Seiten von Journalismus und PR aufeinandertreffen? (c) Thinkstock/BravissimoS
Journalismus und PR

Die dunkle Kraft

Was ist eigentlich schlimmer: schlechte PR oder schlechter Journalismus? Der freie Journalist und Redenschreiber Claudius Kroker über fehlendes kritisches Denken auf beiden Seiten.
Claudius Kroker

Der Mensch lebt bekanntlich nicht vom Brot allein, aber essen muss er dann zwischendurch doch mal. Essen kann sehr schön sein, auch sehr lecker. Man kann das zu Hause tun, oder in einem Restaurant. Banal, finden Sie? Stimmt. Dass ein so natürlicher Vorgang wie ein Restaurantbesuch zur Pressearbeit taugt, ist auch nicht selbstverständlich. Aber möglich.

Aus dem Lokal in die Zeitung

Man braucht nur drei Beteiligte: einen halbwegs prominenten Gast, einen gewieften PR-Gastronom und eine Zeitung, die den Unterschied zwischen gutem Journalismus und Journalisten-Werbung nicht kennt oder den Ausflug ins Hinterletzte nicht scheut. Oder die schlicht (wie in diesem Fall) keine andere Option hatte, den Promi ins Blatt zu bekommen.

Nehmen wir an, Arnold Schwarzenegger ist dieser Gast. Richtig, der Ex-Bodybuilder, Ex-Politiker, Ex-Gouverneur und Ex-Schauspieler. Auch der muss mal etwas essen gehen. Das Restaurant wollen wir nicht näher benennen, die Zeitung auch nicht.

Nun isst der Gast, wie er ist – nämlich prominent. Alle Augen richten sich auf ihn. Was für eine Aufregung im Hause. Kalbshaxe Florida (das ist jetzt nur etwas für Loriot-Kenner). Schließlich noch ein Foto mit dem Wirt, und am nächsten Tag füllen sich mit dieser durchaus exorbitant herausragenden Neuigkeit – Arnold Schwarzenesser, pardon: Schwarzenegger, hat etwas gegessen – nein, falsch: „Schwarzenegger kehrte zum Mittagessen in N.N. ein“ – vier Spalten (!) auf der Titelseite des Lokalteils. Das ist ja auch durchaus eine spannende Meldung.

Man möchte fragen, was der Herr aus der Speisekarte gewählt habe, welcher Tropfen dazu kredenzt worden sei, ob es ein Süppchen vorweg oder einen Kosakenzipfel aus Mokka-Trüffel-Parfait mit einem Zitronencremebällchen zum Abschluss gegeben habe – doch der Beitrag klärt uns leider nicht auf. Als interessierte Leser erfahren wir aber, dass der Koch „und sein Team den Terminator-Darsteller“ als „sehr nahbar und offen“ erlebten. Er sei „sehr sympathisch und für den normalen Bürger greifbar“. Ein „positiver Mensch“ zitiert das Blatt den Wirt. Das sind die Nachrichten von heute.

Die Folgen sind gravierend

Es sind diese Fälle, die uns (selbst-)kritische Journalisten den Kopf schütteln lassen. Wer um alles in der Welt lässt in einer Lokalredaktion einen solchen Quatsch auf den Titel? Oder anders gefragt: Was kostet es den Michelin-Koch (zugegeben: Er hat einen Stern), damit die Presse ihm einen vier Spalten breiten PR-Beitrag mit Foto auf der Titelseite schenkt? Nun kenne ich hier die Hintergründe und mag der Redaktion keinen weiteren Vorwurf machen. Aber die Wirkung beim möglicherweise (medien-)kritischen Leser ist verheerend.

Als Journalist, der sehr viel PR für andere macht, kenne ich die oftmals schwammigen Grenzen zwischen Empfänger- sprich: Leser-orientiertem Journalismus einerseits und Sender-orientierter PR andererseits. Aber auch solche Sender-PR hat im Idealfall immer einen Kern an Informationen für die Leser da draußen. Das sollte zumindest der Anspruch von uns Pressesprechern, Agenturen und PR-Beratern sein.

Ein Presseartikel aber, der mit seinem Informations-Vakuum kaum mehr als eine Selbstbeweihräucherung eines lokalen Unternehmensklerus darstellt, sorgt nicht eben für Vertrauen in unseren Berufsstand der Kommunikatoren und Journalisten.

 

 
 

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