Einmal ins Internet gestellt, verbreitete Mario Hoppmanns Eisbären-Bild sich auf seltsamen Wegen. (c) Alfred-Wegener-Institut/Mario Hoppmann
Einmal ins Internet gestellt, verbreitete Mario Hoppmanns Eisbären-Bild sich auf seltsamen Wegen. (c) Alfred-Wegener-Institut/Mario Hoppmann
Bildrechte

Die digitale Odyssee eines Eisbären

Wie sich ein Eisbären-Foto auf seltsamen Wegen verbreitet und ohne Wissen des Urhebers verkauft wird. Eine Spurensuche von „Die Bildbeschaffer“.
Michaela Koch
Alexander Karst

Die Wege, über die sich ein Bild – einmal ins Internet gestellt – verbreitet, sind bisweilen so kompliziert wie skurril. Mario Hoppmann staunte nicht schlecht über unsere Anfrage. Als Bildbeschaffer setzen wir uns regelmäßig auch mit Urhebern in Verbindung. In diesem Fall ging es um ein Bild, das Mario Hoppmann bereits 2015 auf einer Forschungsreise in die Arktis geschossen hatte. Während der Expedition nutzte der Klimawissenschaftler des renommierten Alfred-Wegener-Instituts die Chance, einen Eisbären zu fotografieren. Die kleine Bildserie stellte er seinem Arbeitgeber zur Verfügung.

Daraufhin landeten Hoppmanns Bilder mit seinem Einverständnis zum freien Download auf der Institutsseite ­– versehen mit dem klaren Vermerk: „Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann (CC-BY 4.0)”. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: Jeder darf das Bild nutzen, muss jedoch Mario Hoppmann als Fotografen nennen. Seitdem hat der Eisbär im Internet unglaubliche Wege zurückgelegt – der Grund für unseren Anruf bei ihm.

Eine wahrhaftige Odyssee

Während unserer alltäglichen Bildrecherche waren wir mehrfach auf das Eisbärenbild gestoßen, unter anderem bei der Microstock-Agentur Rawpixel. Der Vermerk auf den Urheber fehlte. Stattdessen wurde als Quelle die Nasa genannt. Die Nasa? Eine Recherche auf deren Seite führte zu einem Artikel über das schwindende Polareis, bebildert mit dem besagten Eisbärenfoto. Mario Hoppmann wird korrekt als Urheber des Bildes genannt.

Doch keineswegs nur bei Rawpixel fanden wir das Foto unter fälschlichem Verweis auf die Nasa. Auch bei Alamy wurden wir fündig. Die Stock-Foto-Agentur bot das Bild mit Hinweis auf die Nasa Collection sogar zum Kauf an – hat es aber auf Nachfrage von Mario Hoppmann mittlerweile von ihrer Seite entfernt.

Und tatsächlich ist der Verweis der Agenturen auf die Weltraumbehörde nicht ganz falsch, jedenfalls nicht auf den ersten Blick: Auf der Seite der offiziellen Bildagentur der Nasa wird das Eisbärenbild zum Download bereitgestellt. Der Hinweis mit der Fotocredit „Mario Hoppmann“ findet sich versteckt und klein am Ende einer langen Bildbeschreibung, genannt werden muss er aber. Alamy erklärte uns, ihnen sei Hoppmanns Bild nicht nur über die Nasa Image Collection angeliefert worden, sondern auch über NG Images, die Bildagentur von National Geographic.

Der Fotograf selbst begibt sich parallel ebenfalls auf Spurensuche, erfährt von einem weiteren Alamy-Zulieferer, dieser habe das Bild über Wikimedia Commons gefunden, wo es uneingeschränkt zur Verfügung stand. Wikimedia wiederum will das Bild aus Flickr importiert haben, hat es mittlerweile jedoch ebenfalls von der Seite genommen.

Plötzlich Nasa-Mitarbeiter

„Das Eisbärenbild fällt mir immer mal wieder hier und da auf, aber nur selten steht mein korrekter Name dabei“, sagt Mario Hoppmann. Was die kostenfreie Bildnutzung angeht, zeigt sich der Fotograf versöhnlich – immerhin habe er es über die Datenbank des Alfred-Wegener-Instituts zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung gestellt.

Dass sein Name nicht genannt wird und er sein eigenes Bild plötzlich über mehrere Agenturen kaufen kann, von denen er nie zuvor gehört hat, empfindet der Fotograf jedoch als absurd. Weitere Recherchen ergaben: In einer Bildergalerie des Spiegel Online-Ablegers Bento wird das Bild sogar der Deutschen Presse-Agentur zugeordnet.

„Seit heute arbeite ich außerdem für die NASA“, sagt der Fotograf schmunzelnd und verweist auf die Seite des World Economic Forums, wo der besagte Eisbär wiederum unter der Angabe „Mario Hoppmann/NASA“ gezeigt wird.

Die Wege von Bildern in Zeiten des Internet sind bisweilen unerfindlich, und manchmal unergründlich. Zumindest auf den ersten Blick.

 

 

 
 

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