Krisenstimmung: Die Deutschen halten Unternehmen und Institutionen für zunehmend unglaubwürdig. (c) Thinkstock/Athos Boncompagni
Krisenstimmung: Die Deutschen halten Unternehmen und Institutionen für zunehmend unglaubwürdig. (c) Thinkstock/Athos Boncompagni

Deutsche verlieren Vertrauen in Unternehmen, NGOs und Medien

Laut Edelman Trust Barometer wünschen sich Verbraucher hierzulande eine höhere wissenschaftliche Absicherung und fürchten sich vor Innovationen.
Anne Hünninghaus

Die deutsche Bevölkerung wird zunehmend skeptischer. Laut der Vertrauensstudie der Agentur Edelman, dem Trust Barometer, sinkt das Vertrauen der Menschen sowohl in Unternehmen und NGOs als auch in die Medien. Lediglich die deutsche Regierung konnte bezüglich des Vertrauens minimale Pluspunkte verzeichnen.

Susanne Marell, Chief Executive Officer von Edelman Deutschland, erklärt die Entwicklung folgendermaßen: „Neben der instabilen Lage in der Gesamtwirtschaft, zum Beispiel durch die Folgen der Ukraine- und der Euro-Krise, trägt die Skepsis der Deutschen in Bezug auf Innovationen zu diesem signifikanten Vertrauensrückgang bei.“ Deutschland ist dabei keine Ausnahme. Die Studie wurde in 27 Ländern durchgeführt, in 19 davon ist das Vertrauen gegenüber dem Vorjahr gesunken.

In Deutschland trifft es die Unternehmen mit einem Rückgang von zwölf Prozentpunkten gegenüber 2013 am härtesten. Es folgen NGOs mit zehn Prozent und die Medien mit neun Prozent.

So können Unternehmen das Vertrauen wieder stärken

Mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland gab an, bei mangelndem Vertrauen Produkte oder Dienstleistungen nicht zu kaufen. Im Gegensatz dazu erklärten 77 Prozent, Angebote von Marken anzunehmen, die sie für glaubwürdig halten. 52 Prozent kritisieren Unternehmen, im Gespräch mit Freunden und Kollegen, wenn sie sie nicht für vertrauenswürdig halten. Dagegen empfehlen 57 Prozent „ihre“ Marken und Unternehmen.

Was die Kunden erwarten, wissen sie selbst genau. Im Edelman Trust Barometer formulieren die Befragten klare Forderungen an Unternehmen: Sie sollen mit ihren Produkten und Dienstleistungen einen Beitrag zu einer produktiveren Gesellschaft leisten. 57 Prozent der Befragten glauben, Produkte werden nicht ausreichend getestet, bevor sie auf den Markt gebracht werden. Unternehmen können also beispielsweise Vertrauen schaffen, indem sie Testergebnisse veröffentlichen oder sich glaubwürdige Partner aus Wissenschaft oder NGOs suchen.

Traditionelle Medien verlieren an Glaubwürdigkeit

Traditionelle Medien wie Zeitungen und Zeitschriften sowie Fernseh- und Rundfunksender halten nur noch 66 Prozent der Befragten für glaubwürdig. Dennoch wird ihnen hierzulande weiter das größte Vertrauen entgegengebracht, wenn es um Nachrichten und allgemeine Informationen geht. Erst mit deutlichem Abstand folgen Internet-Suchmaschinen (47 Prozent), Hybrid-Medien wie Blogs oder Nachrichten-Webseiten (36 Prozent) sowie soziale Medien (31 Prozent) und unternehmenseigene Publikationen (30 Prozent).

Dieses Ergebnis steht in einem deutlichen Gegensatz zur internationalen Entwicklung. Weltweit haben Internet-Suchmaschinen (64 Prozent) in diesem Jahr zum ersten Mal die traditionellen Medien (62 Prozent) als glaubwürdigste Quelle abgelöst. Auch soziale Medien und Unternehmenspublikationen gewannen deutlich an Vertrauen (jeweils plus drei Prozentpunkte auf 48 und 47 Prozent).

Deutsche stehen Innovationen skeptisch gegenüber

Für die 15. Ausgabe des jährlichen Trust Barometers hat Edelman erstmals das Vertrauen in Innovationen untersucht – mit einem eindeutigen Ergebnis: In Deutschland sagen 57 Prozent der Befragten, die Geschwindigkeit, mit der neue Geschäftsideen entwickelt und sich Produktwelten verändern, sei zu hoch. „Unternehmen stehen damit vor einem Balanceakt: Sie müssen innovativ sein, um ihre Zukunft abzusichern. Gleichzeitig laufen sie Gefahr, ihre Kunden zu verlieren, wenn sie Geschäftsideen, Produkte und Dienstleistungen zu schnell weiter entwickeln und nicht ausreichend erklären”, erklärt Marell.

Besonders groß ist die Innovationsskepsis in Bezug auf die Schiefergasförderung Fracking, der nur 21 Prozent der Deutschen Vertrauen entgegenbringen – weltweit vertrauen der Technik 47 Prozent. Auch die Informationstechnologie steht vor einer großen Herausforderung in Sachen Glaubwürdigkeit: Cloud Computing vertrauen nur 30 Prozent (weltweit 55 Prozent), mobilen Gesundheits- und Fitnessmessern nur 33 Prozent (weltweit 59 Prozent), elektronischen und mobilen Zahlungsdiensten nur 48 Prozent (weltweit 69 Prozent).

Die Studie

Das Edelman Trust Barometer ist eine jährliche Studie der PR-Agentur Edelman zu Vertrauen in und Glaubwürdigkeit von Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Wirtschaft und Medien, die in diesem Jahr zum 15. Mal durchgeführt wurde. Die Umfrage wurde von der Marktforschungsfirma Edelman Berland entwickelt, die Datenerhebung erfolgte mithilfe von 20-minütigen Online-Interviews. Der Erhebungszeitraum lag zwischen dem 13. Oktober und 24. November 2014. Für das Edelman Trust Barometer 2015 wurden in 27 Ländern jeweils 1.000 Personen aus der allgemeinen Bevölkerung sowie 200 weitere (USA und China: 500) Meinungsführer im Alter von 25 bis 64 Jahren befragt.

 

 
 

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Kommentare

Die Deutschen Medien sind den USA und der NATO Propaganda wie Vasallen verpflichtet. Dazu braucht man sich nur mal die Mitgliedschaften der Chefredakteure in den verschiedensten Nord- Atlantiker Vereinen anzusehen. Der Joffe von der Zeit hat z.B. das ZDF verklagt, weil er in nur 7 US Atlantik vereinen Mitglied ist und nicht in 8 dieser "Vereinen".. ( z.B. Atlantikbrücke e.V.). Man braucht aber nur in die Satzungen bestimmter Zeitungen zu schauen, um zu kapieren, wieso beispielsweise die Bild nie und nimmer etwas Negatives über die USA schreiben wird... (bin schon auf die Wikileaks Depesche gespannt, die aufzeigt das die Bild von der CIA gegründet wurde). Also ist es kein Wunder, wenn echte Medien wie RTdeutsch.com oder die Zeitschtift Compact compact-online.de solch einen regen Zulauf bekommen. Und, ohne hier Werbung machen zu wollen... Das Buch Gekaufte Journalisten zeigt die skandalösen Fakten zu den deutschen Propagandamedien genauestens, mit Quellenangaben detailliert auf.. Hier kann Jeder nachlesen, wie BND Leute wöchentlich mit vorgefertigten Textbausteinen in den Redaktionen erscheinen.


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