Deutsche Bank landet Youtube-Hit

Martin Sonneborn könnte jeden treffen. Ein Kommentar von GPRA-Präsident Uwe Kohrs zum Heute-Show-Interview mit der Deutschen Bank
Uwe Kohrs

Endlich hat die Deutsche Bank auch mal einen Hit bei Youtube. Über 75.000 mal wurde das Heute-Show-Interview von Martin Sonneborn aufgerufen. In vielen Branchenmedien ist der Interview-Fauxpas zum Running Gag avanciert. Bei den Verantwortlichen der Deutschen Bank hält sich die Freude über so viel Aufmerksamkeit in Grenzen. Denn was hier einem Millionenpublikum vorgeführt wird, entlarvt gängige Praxis in vielen Unternehmen. Stereotype Frage-Antwort-Rituale, Argumente aus der reinen Innensicht und das Wegducken bei zu erwartenden kritischen Fragen prägen immer noch den Umgang mit Medien.

Und wer gedacht hatte, die Mediendesaster der Vergangenheit hätten hieran etwas geändert, der wird eines Besseren belehrt. Noch immer bleiben Medienanfragen in Vorstandssekretariaten liegen, fühlen sich Experten aus allen Unternehmensbereichen berufen, den Medien endlich mal zu sagen, wo es lang geht. Bevorzugt ohne die echten Medienprofis im Haus zu fragen. Die dürfen dann die Scherben zusammenkehren oder ihre guten Kontakte nutzen, um die anderswo produzierten Probleme aus der Welt zu schaffen.

Professionellen Umgang in Unternehmen mit Medien durchzusetzen ist für PR-Leute eine Herausforderung und mit viel Frust verbunden. Das gilt sicher auch für die PR-Leute in der Deutschen Bank, die sich verwundert die verweinten Augen gerieben haben dürften. Häme wirkt mir da wenig angebracht, denn angesichts der Verhältnisse in vielen Unternehmen scheint das Risiko für derartige Mediendesaster latent gegeben oder anders gesagt: Sonneborn könnte jeden treffen. Vielleicht sollte man seinen Youtube-Hit zum Pflichtbestandteil bei der Einarbeitung von Führungskräften in allen Unternehmen machen – das könnte helfen.

 

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