Der Social-Media-Zwist zwischen Deutscher Bahn und Greta Thunberg begann ganz harmlos ...(c) Getty Images / Jag_cz
Der Social-Media-Zwist zwischen Deutscher Bahn und Greta Thunberg begann ganz harmlos ...(c) Getty Images / Jag_cz
Social-Media-Aufreger

Bahn gegen Greta: Senk ju for skändäling!

Was mit einem langweiligen Wartebildchen aus dem Zug begann, führte bis zu einer Konzern-Pressemitteilung. Der große Social-Media-Aufreger des Wochenendes.
Aus der Redaktion

Ein vergleichsweise harmloser Tweet von Klimaaktivistin und Time-„Person of the Year“ Greta Thunberg hat sich dank der umstrittenen Reaktion der Deutschen Bahn darauf zum ganz großen Social-Media-Aufreger des Wochenendes entwickelt – Trending Topics wie Greta, Bahn, Sitzplatz und Reservierung ebenso inklusive wie die üblichen Mechanismen der medialen Empörung

Am Samstagabend hatte Thunberg – per Zug auf dem Rückweg vom Klimagipfel in Madrid – ein Bild getweetet, welches sie umgeben von Koffern im Gang sitzend in einem anscheinend vollen Zug zeigte.

„Reise in überfüllten Zügen durch Deutschland. Und endlich auf dem Weg nach Hause!“ lautete der Begleittext. So weit, so unspektakulär.

Aus auch auf den zweiten Blick nicht ganz offensichtlichen Gründen erkannte das Social-Media-Team der Deutschen Bahn in diesem Tweet jedoch anscheinend einen Angriff, den es keinesfalls unwidersprochen auf sich sitzen lassen wollte.

Die Bahn begrüßte zunächst die Unterstützung Thunbergs für den Kampf der Eisenbahner gegen den Klimawandel und offenbarte, mit welchem Zug sie dankenswerterweise unterwegs gewesen sei (ICE 74)

„Noch schöner“ wäre es jedoch gewesen, so das Twitter-Team der Bahn weiter, hätte die Passagierin sich dafür bedankt, wie „freundlich und kompetent“ sie das Bahnteam betreut hätte. Nicht vergessen wurde die offenbar zentrale Information, dass Thunberg Erster Klasse gereist sei.

Die Reaktion der Bahn löste heftige Diskussionen aus, auch unter professionellen PRlern: Greta Thunberg oder die Deutsche Bahn – wer hat sich hier kommunikativ danebenbenommen?

Hielten sich die Wortmeldungen zunächst noch in etwa die Waage zugunsten von Thunberg und Bahn, sorgte eine weitere Wortmeldung der Klimaaktivistin schließlich für eine klare Tendenz.

Die Reaktion der Bahn auf Thunbergs Foto-Tweet sei ohne nachvollziehbaren Anlass passiv-aggressiv gewesen, unnötig polarisierend, herablassend und somit ein „klassisches PR-Eigentor“ – gerade vor dem Hintergrund, dass beide Akteure eigentlich Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel sein sollten. Als fragwürdig wurde zudem die Veröffentlichung von Thunbergs persönlichen Reisedetails betrachtet.

Auch die – nicht-repräsentative – Twitter-Umfrage des pressesprecher sah die Deutsche Bahn als Verlierer des Social-Media-Aufregers.

Einzelne Medien betrachteten dagegen eher Greta Thunbergs Reise in der Ersten Klasse als „PR-Gau“ oder unterstellten ihr, mit der Deutschen Bahn „abzurechnen“.

Greta Thunbergs zunächst alltäglicher Reisetweet – beziehungsweise die Reaktion der Deutschen Bahn darauf – hatte am Sonntagabend so viel öffentliche Aufmerksamkeit erregt, dass sich der Konzern sogar veranlasst sah, per offizieller Pressemitteilung weitere Reisedetails dazulegen.

Demnach sei Thunberg "zwischen Kassel und Hamburg" an ihrem Sitzplatz in der ersten Klasse "freundlich und kompetent" betreut worden, "wie die zahlreichen weiteren Fahrgäste".

 

 
 

Kommentare

Es gibt immer zwei Seiten. Klar. Aber: Der Tweet und das Bild von Greta suggerieren doch etwas. Nämlich: Die Kämpferin für die gute Sache ist unterwegs; alleine; mit schwerem Gepäck; trotzt den Strapazen, keinen Sitzplatz zu haben. Die "Richtigstellung", möchte ich fast sagen, der DB ist daher mehr als berechtigt und erfüllt einen quasi-journalistischen Auftrag. Sich an der DB-Kommunikation abzuarbeiten, ist aus meiner Sicht deshalb etwas schräg und geht am Eigentlichen vorbei. Der "Scoop" ist schließlich das 1. Klasse-Reisen von Greta und nicht das darauf aufmerksammachen durch die DB.


randbemerkung

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