Manchmal braucht es eine Komplettsanierung, um eine negative Unternehmenskultur zu bekämpfen. (c) Thinkstock/Gutzemberg
Manchmal braucht es eine Komplettsanierung, um eine negative Unternehmenskultur zu bekämpfen. (c) Thinkstock/Gutzemberg
Interne Kommunikation

Kampf dem Unternehmensmief

Was ist, wenn alle guten Absichten der Internen Kommunikation versanden, weil die Unternehmenskultur verfahren ist? Da hilft nur eines: Komplettsanierung. Und auch das ist eine Aufgabe für Kommunikatoren, wie Andrea Montua in der neuen Folge der „Echolot“-Kolumne erklärt.
Andrea Montua

Interne Kommunikation kann mitunter recht frustrierend sein: Da strotzt man nur so vor Ideen, befeuert die internen Medien auf allen Kanälen mit kreativen Aktionen und provokanten Fragen. Man wartet, reibt sich die Hände in Vorfreude auf die große Resonanz. Und die – bleibt aus. Dutzende, vielleicht Hunderte Mitarbeiter, und es kommt original nichts. zurück.

Vielleicht treffen Sie einfach nicht den richtigen Nerv, kommunizieren munter an den Kollegen vorbei? Das wäre immerhin relativ einfach zu beheben: den Schreibtisch verlassen, Fragen stellen, um zu verstehen, was die anderen bewegt, oder was gerade eben nicht. Am Ende nur noch das Feedback strategisch umsetzen und die Sache ist geritzt.

Schweigen im Walde

Schwieriger wird es, wenn der Fehler im System steckt. Wenn die Kommunikationskultur über die Jahre ihre eigenen Spielregeln entwickelt hat. Und sich damit der Kontrolle derer entzieht, die eigentlich dafür da sind, sie am Laufen zu halten: die Interne Kommunikation.

Ein Super-GAU, schließlich lebt die IK von offenem Dialog und lebhafter Diskussion. Gehen diese Elemente verloren, ist sie nicht mehr als ein Verwalter von oberflächlich relevanten Informationen. Die essenziellen Dinge und Befindlichkeiten werden dann auf dem Schwarzmarkt der Flure gehandelt.

Fakt ist: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Natürlich schreiben sich die meisten Unternehmensführungen Offenheit, Transparenz und Kritikfähigkeit auf die Fahnen. Interne Leitsätze schmücken sich gern mit emotionalen Werten, die ans Herz gehen sollen. Doch verkommen diese Werte schnell zu Plattitüden, wenn die Unternehmenskultur diese Leitbilder nicht mit Leben füllt. Und wenn Mitarbeiter schmerzlich begreifen müssen, dass unterschwellig ganz andere Regeln gelten: althergebrachte Hierarchie-Systeme das Miteinander prägen, Kommunikation einer eingleisigen Befehlskette gleicht und die Belegschaft von der Führungsriege eher zu Konkurrenz als zu Kooperation angehalten werden.

Diese Erfahrungen werden wie ein geheimer Code an jeden neuen Kollegen weitergegeben. Ist dieses (Un-)Verständnis erst in die Grundmauern des Unternehmens gesickert, hilft nur mehr eine Komplettsanierung.

Spieglein, Spieglein an der Wand …

Will die Interne Kommunikation nicht mit dem Rest des maroden Gebäudes der Abrissbirne zum Opfer fallen, sollte sie sich spätestens jetzt – am besten viel, viel früher! – zum strategischen Berater der Geschäftsleitung aufschwingen. Denn die Unternehmenskultur kann sich wandeln, wenn sich die Führung auf allen Ebenen ganz klar dazu bekennt und den propagierten Wandel konsequent vorlebt.

Das geht nicht von heute auf morgen, aber mitunter reichen bereits erste, ernsthafte Impulse, um das Stimmungsruder der Belegschaft wieder auf Kurs zu bringen. Die Interne Kommunikation kann hier ihre wichtigsten Asse aus dem Ärmel ziehen. Denn sie ist gleichzeitig Instrument und Spiegel der Unternehmens- und Kommunikationskultur.

Fünf Tipps zur Systemsanierung

Hier sind fünf Schritte, wie Sie die Komplettsanierung der Kommunikationskultur in Ihrer Organisation voranbringen.

1. Gründlich Großreinemachen
Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Wie viel „geheimer Code“ steckt in Ihrem Kopf, in Ihren Botschaften und Texten? 
Kehren Sie den alten Müll nicht unter den Teppich, sondern direkt in die Tonne.

2. Auf die Sprünge helfen
Motivieren und unterstützen Sie die Firmenleitung in ihrer Vorbildfunktion.
 Finden Sie Formate, die eine offene Kommunikationskultur fördern und
gleichzeitig der jeweiligen Persönlichkeit gerecht werden. Lassen Sie zudem die untere und mittlere Führungsebene coachen. Ist der Dialog erst einmal in Gang gesetzt, bekommt der ganze Prozess eine Dynamik, die Sie konstruktiv steuern können.

3. Allianzen schmieden
Vernetzen Sie sich nach allen Unternehmensseiten – Silo war gestern! Als besonderes Dreamteam erweist sich der Zusammenschluss zwischen IK und HR. Bei den Kollegen der Personalabteilung menschelt es systemimmanent am meisten – und dort ist der Draht zu den restlichen Kollegen besonders ausgeprägt.

4. Präsenz zeigen
Sich mit Konzeptarbeit im Büro verbarrikadieren? Schlechte Idee! Gehen Sie raus, hören Sie hin, werten Sie nicht. Und finden Sie überall Verbündete, die Ihnen helfen, die Negativ-Codes zu knacken. Es gibt immer Kollegen, die aktiv und engagiert mitgestalten und dem Changeprozess ein Gesicht geben wollen.

5. Märchen wahr werden lassen
Jede Unternehmenskultur ist eine Geschichte – machen Sie daraus eine spannende Erzählung, die es wert ist, weitergetragen zu werden. Storytelling ist ein probates Mittel, um Emotionen und Verständnis für eine essenzielle Neuausrichtung zu wecken. Bedienen Sie sich dabei hemmungslos Medien und Kanäle. Dieses Feuer wird bestimmt nicht ohne Resonanz bleiben.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

New Work verspricht mehr Freiräume für Kreativität – aber mit bunten Sitzecken allein ist es nicht getan. (c) Getty Images/XiXinXing
Foto: Getty Images/XiXinXing
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Erst der Sinn, dann das Vergnügen

Flache Hierarchien, gute Work-Life-Balance, mehr Freiraum für Eigenverantwortung und Kreativität – all das verspricht das Konzept des New Work. Doch mit einem Kaffeevollautomaten und einer bunten Sitzecke im Büro ist es nicht getan, wie Expertin Andrea Montua in der neuen „Echolot“-Folge erklärt. »weiterlesen
 
Von der schon fast aufdringlichen Neugierde der Marketingabteilungen kann die interne Kommunikation oft noch etwas lernen. (c) Getty Images/almir1968
Foto: Getty Images/almir1968
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Und, wie war’s für dich?

Die Mitarbeiterbefragung soll Licht ins große Dunkle bringen. Doch der Beziehungsstatus mit der internen Kommunikation ist: kompliziert. Eine neue Folge der Echolot-Kolumne zur digitalen Transformation in der internen Kommunikation. »weiterlesen
 
Die interne Kommunikation kann den Flurfunk nicht eliminieren, aber steuern. (c) Getty Images/Bablab
Bild: Getty Images/Bablab
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Frieden schließen mit dem Flurfunk

Der Flur ist einer der meist genutzten Kommunikationskanäle in jedem Unternehmen. Und er ist durchaus beliebt, der Flurfunk. Die interne Kommunikation kann ihn als Herausforderung annehmen. »weiterlesen
 
Wer nach einem Fehler nicht nur aufräumt, sondern auch für die Zukunft lernt, kommt weiter. (c) Getty Images/z_wei
Bild: Getty Images/z_wei
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Nach dem Fehler ist vor dem Erfolg

Die „Echolot“-Kolumne beleuchtet die interne Kommunikation in Zeiten digitaler Transformation. Dieses Mal beschreibt Kerstin Feddersen, welche Fehler in der Kommunikation lauern. »weiterlesen
 
Foto: Getty Images/Image Source
Foto: Getty Images/Image Source
Lesezeit 4 Min.
Kolumne

Hand aufs Hirn: Verstehen Sie Führung?

Gelungene Mitarbeiterführung ist Kopfsache? Wie sehr Kommunikation unsere neuronalen Prozesse steuert, ist verblüffend. Ein Einblick in die Wissenschaft würde Führungskräften – und damit auch den Mitarbeitern – das Leben und den Erfolg leichter machen, meint Kerstin Feddersen in einer neuen Folge der "Echolot"-Kolumne. »weiterlesen
 
Veränderungen ohne Frust umsetzen - das geht, wenn man fünf einfache Dinge beachtet. (c) GettyImages/Andrew_Deer
Foto: GettyImages/Andrew_Deer
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Transformation? Change mich am Arsch!

So mancher Mitarbeiter reckt instinktiv den Mittelfinger, wenn das Thema Transformation auf der Unternehmens-Agenda steht. Denn zu viele gescheiterte Changeprojekte führen dauerhaft zu Frust und Verweigerung. Wie man dem gezielt entgegenwirkt, erläutert Katia Kröger in einer neuen Folge der "Echolot"-Kolumne. »weiterlesen
 
Holen Sie sich auch Hilfe aus anderen Abteilungen, wenn es brennt. (c) Thinkstock/z_wei
Foto: Thinkstock/z_wei
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Wenn der Change-GAU droht

Sie haben das Gefühl, dass die Veränderungen im Unternehmen das Betriebsklima belasten, doch die Chefetage erkennt die Alarmsignale nicht? Was Sie tun können, um Ihren Arbeitgeber vor dem Change-GAU zu bewahren, erklärt unsere heutige „Echolot“-Kolumne. »weiterlesen
 
Die unangefochtene Queen der Mitarbeitermedien ist die gedruckte Mitarbeiterzeitschrift. (c) Thinkstock/Sportactive
Foto: Thinkstock/Sportactive
Lesezeit 4 Min.
Kolumne

Die Queen der Internen Kommunikation

In Zeiten von Fake News scheint die hiesige Presse ein latentes Glaubwürdigkeitsproblem zu haben. Kranken daran auch die unternehmensinternen Medien? In der neuen Folge der Kolumne „Echolot“ beleuchtet Katia Kröger die klassische Mitarbeiterzeitschrift – und geht deren generellen Daseinsberechtigung auf den Grund. »weiterlesen
 
(c) Thinkstock/z_wei
Foto: Thinkstock/z_wei
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Führung in Futur: Zehn Thesen

Miese Noten für deutsche Chefs: Der aktuelle Kununu-Führungskräftereport identifiziert Vorgesetzte und deren wenig vorbildliche Unternehmenskultur als Kündigungsgrund Nummer eins. Kein Grund zur Panik: In der neuen Folge der „Echolot“-Kolumne von MontuaPartner Communications skizziert Katia Kröger zehn Ideen für gute Führung 4.0. »weiterlesen
 
Kreation bringt frische Farben auch in die Interne Kommunikation. (c) Thinkstock/your_photo
Foto: Thinkstock/your_photo
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Kein Change ohne Inspiration

Abschweifen erlaubt: Wer kreative Impulse sucht, findet sie meist nicht in Strategiepapieren. Doch ganz gleich, woher die Inspiration zur Kreativität auch kommen mag – aus der Philosophie, der Botanik, der Literatur: Die Interne Kommunikation sollte sie sich dringend zunutze machen, um interne Kommunikationsmittel originell und aufmerksamkeitsstark ins Rampenlicht zu rücken. Die neue Folge der „Echolot“-Kolumne, diesmal von Wolfgang Lux. »weiterlesen
 
Die Rolle der IK hat in der jüngeren Vergangenheit von der Schreibstube zum Strategiepool eine rasante Karriere hingelegt. (c) Thinkstock/Artis777
Foto: Thinkstock/Artis777
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Gestern Schreibstube, heute Super-Job

In Zeiten der digitalen Transformation und großer Veränderungen brauchen Unternehmen eine zeitgemäße Kommunikation. Doch wie sieht diese aus? Antworten geben ab heute die IK- und Change-Spezialisten der Hamburger Agentur MontuaPartner Communications in unserer neuen Kolumne „Echolot“. Zum Auftakt: Katia Kröger über die neue Rolle der Internen Kommunikation. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

Neue Normalität: Noch nie waren wir so flexibel darin, wo und wann wir arbeiten. (c) Getty Images/Goodshoot
Foto: Getty Images/Goodshoot
Lesezeit 5 Min.
Gastbeitrag

Der neue Standard

Großraumbüro war gestern, Gewusel gibt es heute nur noch auf dem Bildschirm. Oliver Santen vom Bankenverband war von der Umstellung nicht begeistert. Und lernte am Ende doch die neue Normalität lieben. »weiterlesen
 
Digitale Zusammenarbeit und Homeoffice werden nach Einschätzung vieler Kommunikator:innen 2021 weiter zunehmen. (c) Getty Images/RossHelen
Foto: Getty Images/RossHelen
Lesezeit 2 Min.
Studie

Kommunikationsprofis erwarten 2021 mehr Homeoffice

Die Stimmung von Mitarbeiter:innen in Homeoffice-Zeiten hochzuhalten, wird in diesem Jahr ein Schwerpunkt in der Unternehmenskommunikation sein. Das und mehr zeigt eine Umfrage unter Medien- und Kommunikationsprofis. »weiterlesen
 
Sarah Huckabee Sanders war rund zwei Jahre lang Pressesprecherin im Weißen Haus. Im "Mueller Report" sind Lügen von ihr dokumentiert. (c) picture alliance/newscom/Kevin Dietsch
Foto: Picture Alliance/Newscom/Kevin Dietsch
Kommentar

Jeglichen Anstand vermissen lassen

Die Redaktion des US-Magazins "Forbes" will Informationen, die sie künftig von ehemaliger Mitarbeitenden der Presseabteilung von Donald Trump erhält, besonders genau prüfen. Ihre Glaubwürdigkeit hätten die Kommunikatorinnen und Kommunikatoren verspielt. »weiterlesen
 
Wolfgang Ainetter (l.) bei einer Pressekonferenz von Andreas Scheuer (r.). (c) picture alliance/dpa/Michael Kappeler
Foto: picture alliance/dpa/Michael Kappeler
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Ainetter ist nicht mehr Sprecher von Scheuer

Das Verhältnis von Kommunikationschef Wolfgang Ainetter und Minister Andreas Scheuer soll "zerrüttet" sein. »weiterlesen
 
Newsrooms wie hier bei der Lufthansa haben sich in der Coronakrise bewährt. Das Foto wurde vor der Coronakrise aufgenommen. (c) Lufthansa
Foto: Lufthansa
Lesezeit 4 Min.
Lesestoff

Newsrooms remote

Unternehmen müssen in der Coronakrise noch flexibler auf tagesaktuelle Entwicklungen reagieren als sonst. Das Konzept „Newsroom“ kann hier seine Stärken voll ausspielen. »weiterlesen
 
Ein Flugzeug von Lufthansa und eines von Easyjet landeten am Eröffnungstag als erste am BER. (c) Thomas Trutschel/Phototek
Foto: Thomas Trutschel/Phototek
Lesezeit 6 Min.
Interview

Bloß nicht wieder enttäuschen

Mit dem Flughafen BER hat Berlin den Spott der Welt auf sich gezogen. Ausgerechnet während der Coronakrise musste der Flughafen eröffnen – etwa neun Jahre verspätet, ohne große Feierlichkeiten. Ein Interview mit Kommunikationschef Hannes Hönemann über die Öffentlichkeitsarbeit für ein Krisenprojekt, das seinesgleichen sucht. »weiterlesen