Wäre über den Wandel der deutschen Sprache vermulich wenig erfreut: Johann Wolfgang von Goethe. (c) Thinkstock/Norbert Speicher
Wäre über den Wandel der deutschen Sprache vermulich wenig erfreut: Johann Wolfgang von Goethe. (c) Thinkstock/Norbert Speicher

Der Einzigste, wo Deutsch kann: Eine kleine Polemik für Sprachpuristen

Der Journalist Andreas Hock lästert auf amüsante Art und Weise über den Verfall unserer Sprache durch Beamtendeutsch, Wichtigtuer-Anglizismen und Soziale Medien.
Anne Hünninghaus

„Die deutsche Sprache hat sich gewandelt, sie wandelt sich ständig, und Pessimisten zufolge, die wir alle sind, zumindest, was die Sprache anlangt, nicht zum Guten“, schreibt Hellmuth Karasek im Vorwort zu „Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?“ von Andreas Hock. Der 1974 geborene Autor schildert auf 185 Seiten in kurzweiligen und amüsanten Kapiteln unter anderem, wie die Gebrüder Grimm die Entwicklung des Hochdeutschen bremsten, preußische Beamte einen profanen Zaun in eine „Einfriedung“ verwandelten, die Sprache während der Zeit des Nationalsozialismus’ ihre Unschuld verlor und die 68er-­Generation sich mit ihrer Kritik an den Worten abzuheben versuchte („Die Hippies und Haschischhedonisten waren genauso spießig und patriarchalisch wie alle anderen auch. Sie redeten nur anders.“).

Der kommunikative Super-GAU

So fügt Hock in seiner bitterbösen Polemik immer mehr Mosaiksteinchen auf dem Weg zur Verstümmelung unserer Sprache aneinander und lässt sich auch über heutige verbale Irrungen aus: Kevinismus und Dönerbuden-Slang, das Unheil des Gender Mainstreamings und natürlich das Businessdeutsch als Sprache der Wichtigtuer. Auch das Verschleierungsvokabular in Politik und PR bleibt vor dem ehemaligen politischen Pressesprecher Hock nicht verschont. Zu den Höhepunkten gehört sicherlich das Kapitel zu den sozialen Medien („Doch nachdem wir vollends in die gesellschaftliche Isolation abzurutschen drohten, meldeten wir uns eines Tages gleichfalls bei Facebook an. Und weil es irgendwie auch schon egal war, bei Twitter ebenfalls. Was allerdings dann über uns hereinbrach, das übertraf wirklich unsere schlimmsten Befürchtungen. Sprachlich, niveaumäßig und überhaupt. Es war der kommunikative Super-GAU!“). Auch die Reintegration veralteter Begriffe in den Jugendslang in Form einer Liste mit Beispielsätzen („Krasses Bubenstück von dir, die ganze S-Bahn zu taggen …“) lohnt die Lektüre.

Absolut witzig und auch lehrreich – Sie werden sich künftig nach jedem verwandten ­Anglizismus ertappt fühlen …

Andreas Hock. „Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?“ Riva Verlag. 14,99 Euro.

Der Titel erscheint am 15. August.

 
 

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Das sollte in den Schulen gelesen werden.


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