Auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit muss sich auf die neuen Datenschutzrichtlinien einstellen. (c) Thinkstock/KrulUA
Auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit muss sich auf die neuen Datenschutzrichtlinien einstellen. (c) Thinkstock/KrulUA
Kommentar

Datenschutz versus Öffentlichkeitsarbeit

Die Auswirkungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) werden die PR- und Öffentlichkeitsarbeit empfindlich treffen. Der Gesetzgeber muss dringend handeln, meint Regine Kreitz, Präsidentin des Bundesverbands deutscher Pressesprecher.
Regine Kreitz

Am 25. Mai 2018 tritt die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft. Die Verarbeitung personenbezogener Daten ist dann auch in der PR verboten, wenn sie nicht durch die Einwilligung der Betroffenen oder durch gesetzliche Regelungen ausnahmsweise erlaubt ist. Artikel 85 DSGVO fordert die EU-Mitgliedsstaaten explizit dazu auf, die neuen Vorschriften „mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung und Informationsfreiheit (…) in Einklang zu bringen“.

Die Bundesländer wollen Rundfunk- und Pressegesetze so anpassen, dass die freie Berichterstattung auch künftig nicht eingeschränkt wird. Für alle anderen Bereiche ist bislang jedoch nichts vorgesehen. Das gibt Anlass zur Besorgnis für die gesamte professionelle PR- und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Auswirkungen fortgesetzter gesetzgeberischer Untätigkeit könnten weitreichend sein. Zwei Beispiele: Wenn nichts passiert, dürfte die Verbreitung von Personenbildern von öffentlichen Veranstaltungen nicht mehr gestattet sein. Denn die DSGVO verdrängt das bislang geltende Kunsturheberrechtsgesetz – eine schmerzhafte Einschränkung für die PR-Praxis. Und: Das Recht auf Benachrichtigung, Auskunft und Löschung personenbezogener Daten könnte sich als Einladung zum Missbrauch im politischen Meinungskampf erweisen, bietet es doch einen willkommenen Hebel, um die Speicherung missliebiger Informationen und ihre Verbreitung zu unterdrücken.

Es ist gut und richtig, Datenschutz ernst zu nehmen und die Bürger vor „Datenkraken“ zu schützen. Der europäische Gesetzgeber hat allerdings erkannt, dass es dabei der sorgfältigen Abwägung bedarf gegenüber dem hohen Gut der Meinungs- und Informationsfreiheit.

Wird diese Abwägung in Deutschland aber auf ein paar Ausnahmenregelungen für die Presse verkürzt, so ist dies bedenklich. Meinungs- und Pressefreiheit waren noch nie ein und dasselbe − und sie sind es erst recht nicht im digitalen Zeitalter, wo die Möglichkeiten des Einzelnen, an der öffentlichen Meinungsbildung mitzuwirken, groß sind wie nie zuvor. Falsch verstandener Datenschutz darf dies nicht einschränken.

Noch ist es nicht zu spät, entsprechende gesetzliche Vorkehrungen zu treffen.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Presse und Social Media sind zwei Bausteine in der Unternehmenskommunikation, die aber unterschiedliche Formate verlangen. (c) Getty Images/Gajus
Foto: Getty Images/Gajus
Lesezeit 4 Min.
Kolumne

Zwischen Pressearbeit und Social Media

Aus Presse- wurde im Laufe der Zeit Medienarbeit. Unser Kolumnist Claudius Kroker erläutert die Grundlagen zeitgemäßer Kommunikationsarbeit.
 
Streeck (l.) und NRW-Ministerpräsident Laschet: Die Präsentation der Zwischenergebnisse der Heinsberg-Studie brachte dem Virologen viel Kritik ein. (c) Picture alliance/dpa/Federico Gambarini
Foto: Picture alliance/dpa/Federico Gambarini
Lesezeit 4 Min.
Porträt

Kein Virologe der Herzen

Wolfram Winter berät den Virologen Hendrik Streeck bei dessen Medienarbeit. Nach dem Debakel rund um die Kommunikation zur Heinsberg-Studie versucht der Bonner Mediziner, sich ein klares Profil zu erarbeiten – als Pragmatiker. Damit eckt er an. »weiterlesen
 
Der Eisbrecher „Polarstern“ ließ sich an einer Eisscholle festfrieren und bewegte sich so durchs Meer. (c) picture alliance / ZUMAPRESS.com | Esther Horvath
Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Esther Horvath
Lesezeit 6 Min.
Lesestoff

Unterwegs im schwindenden Eis

Etwa ein Jahr lang driftete der Forschungseisbrecher „Polarstern“ durch das Nordpolarmeer. Die „Mosaic“-Expedition in die Arktis soll entscheidende Hinweise über den Verlauf des Klimawandels liefern. Mit an Bord: ein Kommunikationsteam des Alfred-Wegener-Instituts, das über die Mission weltweit informierte. »weiterlesen
 
FDP-Chef Christian Lindner. (c) picture alliance/dpa/Kay Nietfeld
Foto: picture alliance/dpa/Kay Nietfeld
Lesezeit 1 Min.
Meldung

FDP arbeitet mit Agentur Heimat zusammen

Die FDP wird im Bundestagswahlkampf 2021 erneut mit der Agentur Heimat zusammenarbeiten. Das bestätigte die Pressestelle der Partei auf Anfrage des „pressesprecher“. »weiterlesen
 
Dorothee Bär, hier auf dem Kommunikationskongress 2018, hat einen der reichweitenstärksten Linkedin-Auftritte unter deutschen Politiker:innen. (c) Jana Legler/Quadriga Media
Foto: Jana Legler/Quadriga Media
Lesezeit 1 Min.
Studie

Linkedin: Dorothee Bär einzige Frau unter Top-10

Als einzige Spitzenpolitikerin platziert sich Dorothee Bär (CSU) unter den zehn reichweitenstärksten Linkedin-Profilen deutscher Politiker:innen. »weiterlesen
 
Puma genießt in der Bevölkerung unter den MDax-Gesellschaften das höchste Ansehen. (c) Getty Images/stevanovicigor
Foto: Getty Images/stevanovicigor
Lesezeit 1 Min.
Meldung

Puma hat das beste Image bei den Deutschen

Eine Befragung hat ermittelt, wie beliebt Mdax-Unternehmen in der Bevölkerung sind. Außerdem: Lufthansa-Chef Carsten Spohr genießt die höchste Reputation unter den MDax-CEOs. »weiterlesen