(c) Laurin Schmid
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Speakersnight

Die Nacht der Gewinner

Glückwunsch an DLR, ÖAMTC und Kaspersky Labs, die den Goldenen Apfel als „Pressestelle des Jahres“ gewannen! Überraschte Nominierte, Zauberstimmung mit Sängerin Astrid North, ernste Worte und ein imaginiertes Reh – Impressionen von der Gala zum #kk15
Hilkka Zebothsen

Während drinnen mehr als tausend Gäste bei der Speakersnight im Berliner Friedrichstadt-Palast feierten, herrschte draußen Alarmstimmung: Eine angebliche Bombendrohung hatte die Straßen rund um das Gesundheitsministerium nebenan lahm gelegt. Unbeeindruckt vom Blaulicht vor der Tür strömten die Gäste in Abendgarderobe in den Saal mit der größten Theaterbühne der Welt. Mindestens vier Gäste hatten sich tagsüber in einer Kongresspause noch schnell komplett neu eingekleidet und waren notgedrungen shoppen – sie hatten zwar verschiedene verspätete Flieger noch knapp bekommen, aber ihr Gepäck war sonstwo gelandet …

Wenig später auf der Bühne erinnerte BdP-Präsident Jörg Schillinger in seiner Begrüßung an die zurückliegenden Jahresthemen, die auch die Mitglieder beschäftigten: Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo, Pegida, Ukrainekrise und FIFA-Skandal, Bahnstreik, Germanwings-Absturz und Queen-Besuch. Er kündigte vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingskatastrophe eine offene BdP-Projektgruppe zum Thema Migration – Integration – Kommunikation an.

BdP-Präsident Jörg Schillinger (c) Laurin Schmid

BdP-Präsident Jörg Schillinger (c) Laurin Schmid

Katty Salié trat ein vermeintlich schweres Erbe an als Nachfolgemoderatorin von Jörg Thadeusz an. Sie führte supercharmant und schlagfertig durch den Abend. Und erleichterte den aufgeregten Gewinnern des Goldenen Apfels ihre Auftritte: In der Kategorie Politik und Verwaltung kürte die fünfzehnköpfige Jury aus Kommunikatoren, Journalisten und Wissenschaftlern die Pressestelle des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Sie arbeitet konsequent nach dem Motto „Online First" bei der Veröffentlichung neuer Inhalte und bietet so ein Beispiel für den passenden Einsatz sozialer Medien und visueller Kommunikation“, sagte die Juryvorsitzende Romy Fröhlich, Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Den Award für Verbände / NGOs konnte die Pressestelle des Österreichischen Automobil- und Touringclubs (ÖAMTC) entgegennehmen. Preispatin Ines Arland, Redakteurin und Moderatorin der Phoenix Runde: „Mit dem Projekt der weltweit ersten Pannenhilfe, die in Wien auf dem E-Bike zu liegen gebliebenen Fahrzeugen kommt, schaffte der ÖAMTC den Imagewandel vom Automobil- zum Mobilitätsclub. Mitarbeiter wurden erfolgreich als Markenbotschafter in den Social-Media-Kanälen eingesetzt.“

Gewinner, Laudatoren, Stargäste (c) Julia Nimke

Gewinner, Laudatoren, Stargäste (c) Julia Nimke

Für cleveres Storytelling, eine klare Haltung und mutige Strategie überreichte Jörg Schillinger den Goldenen Apfel in der Kategorie Unternehmenskommunikation an die Pressestelle von Kaspersky Labs: „Nach einem Cyberangriff auf das IT-Sicherheitsunternehmen gelang es der Pressestelle, aus der Krise eine Chance zu machen und durch Transparenz zu überzeugen. Kommunikationsmaßnahmen wurden geschickt getimt und der CEO Jewgeni Kasperski sorgte für Authentizität in der Unternehmenskommunikation.“

Königin der Herzen auf der Bühne blieb die stimmgewaltige Sängerin Astrid North, frühere Frontfrau bei Cultured Pearls, die gerade per Crowdfunding ihr zweites Soloalbum finanziert und mit ihren eigenen Musikern und der Tap-Band sehr persönliche Songs präsentierte.

Bezauberte mit Powerstimme, gefühlvollen Songs und cooler Band: Astrid North (c) Laurin Schmid

Bezauberte mit Powerstimme, gefühlvollen Songs und cooler Band: Astrid North (c) Laurin Schmid

Über sich selbst sprechen mochte sie auf der Bühne offensichtlich ebenso ungern wie der Gewinner des BdP-Nachwuchspreises Robin Renz. Ungläubig sah der den Einspieler, in dem ihm als Überraschung Kommilitonen, Freunde und Eltern beglückwünschten und freute sich vor allem auf eines: „Wenn ich gleich zurück an meinen Platz darf.“

Der Absolvent der Universität Hohenheim überzeugte die Jury mit seiner Masterarbeit „Die Richtigen richtig ansprechen: Unternehmen im Kampf um die besten Köpfe". Darin widmet sich Renz dem „War for talents", in dem sich Unternehmen im Wettkampf um die besten Bewerber gegenüber stehen. Ulrich Kirsch, BdP-Bildungsbeauftragter und Jurymitglied bei der Verleihung: „Robin Renz stellt in seiner Arbeit eindrucksvoll dar, worauf sich Unternehmen in ihrer Employer-Branding-Kommunikation stützen sollten. Seine Arbeit gibt uns Kommunikatoren wertvolle praktische Handreichungen für die Zielgruppenansprache.“ Neben Robin Renz waren Susanne Lanzmich und Mona Sadrowski, beide von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, für den Nachwuchsförderpreis nominiert.

 

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum

still und verklärt wie im Traum.

Das war des Nachts elf Uhr zwei.

Und dann kam ich um vier

Morgens wieder vorbei.

Und da träumte noch immer das Tier.

Nun schlich ich mich leise - ich atmete kaum –

gegen den Wind an den Baum,

und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.

Und da war es aus Gips.

 

In ihrer Keynote berührte „Wirtschaftswoche“-Chefredakteurin Miriam Meckel den Saal: Sie zitierte Ringelnatz´ Rehgedicht und beschwor die Macht der Imagination: „Sie lässt Börsenkurse steigen oder sinken, Menschen bei Kickstarter viel Geld geben für Dinge, die es noch gar nicht gibt und Flüchtlinge aufbrechen in eine andere Welt.“

Hielt die Keynote der Gala: Miriam Meckel (c) Laurin Schmid

Hielt die Keynote der Gala: Miriam Meckel (c) Laurin Schmid

Auf der dmexco hatte Meckel am Vortag gehört, dass „50 Prozent des Traffics im Internet non-human sind, da crawlen also irgendwelche bots und schaffen künstlich Klicks. Wenn Software Software klickt, ist das die totale Disruption der Kommunikation.“

Der Erfolgsautor Jonathan Franzen befinde, „das Internet lässt keinen Raum für Imagination.“ Die Digitalisierung in den Medien sei eine Chance, so Meckel – auch für Kommunikatoren: „Leser sind bereit, für gute Geschichten Geld auszugeben und es liegt in Ihrer Hand, ob Franzen Recht behalten wird. Man kann das Internet bejubeln oder verurteilen – aber man kann sich nicht nicht zu ihm verhalten.“ Mit einem letzten Blick auf das imaginierte Reh und ihr Publikum schloss Meckel: „Wenn die Menschen da draußen Ihr Reh anstupsen und es ist aus Gips, ist etwas falsch gelaufen.“

Alles richtig lief dann bei der anschließenden Fete und die Kommunikatoren und Dienstleister machten ihrem Ruf als Partymeute alle Ehre: Man sagt, die hartnäckigsten Netzwerker und Tänzer gingen am Morgen direkt ins BCC zum zweiten Tag vom Kommunikationskongress…

 
 

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