So. Das war's jetzt fast ... (c) Thinkstock/pshonka
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Das PR-Jahr in acht Minuten, Teil 1

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Medienjahr 2014: gute Einfälle, schlimme Ausfälle und jede Menge Fußball.
Anne Hünninghaus
pressesprecher Redaktion

Das Jahr 2014 startete mit einem Skandal: Die gefallenen gelben Engel des ADAC. Nach der Vergabe des Autopreises "Gelber Engel" am 16. Januar wurden Vorwürfe laut, die Zahl der abgegebenen Stimmen sei vervielfacht und die Reihenfolge der Platzierungen manipuliert worden. Schließlich trat am 18. Januar Michael Ramstetter, Kommunikationsdirektor und Chefredakteur der Mitgliederzeitung "ADAC Motorwelt" zurück. Am 24. Januar erregte zudem der "Stern" Aufsehen mit der Meldung, hochrangige Funktionäre, darunter ADAC-Präsident Peter Meyer, hätten Rettungshubschrauber der ADAC-Luftrettung für Dienstreisen verwendet.

Der ehemalige BMW-Kommunikationschef Richard Gaul kommentierte für den pressesprecher die Krise des Automobilclubs und forderte, man müsse vom Club-Gebaren Abstand nehmen. Dass der Skandal überhaupt so hohe Wellen schlagen konnte, erklärte Gaul folgendermaßen: "Hätte es direkt nach der Veröffentlichung in der „Süddeutschen Zeitung“ vielleicht noch gereicht, die Verfehlung zuzugeben, und Untersuchung und Offenlegung des „Falls“  verbunden mit einer Änderung des Procederes in der Zukunft zu versprechen, so muss jetzt der ADAC selbst um seine Glaubwürdigkeit kämpfen."

Auch bei einer Umfrage zum größten PR-GAU des Jahres auf dem Kommunikationskongress im September fiel das Los bei einigen Befragten auf den ADAC:

 

 

Im russischen Sotschi fanden vom 7. bis 23. Februar die XXII. Olympischen Winterspiele statt. Ein Großereignis, das in den deutschen Medien aufgrund der politischen Situation in Russland, der horrenden Kosten und Naturzerstörungen nicht nur auf unterstützende Worte stieß ... Über das Imageproblem der Spiele sprachen wir mit dem Pressesprecher des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Christian Klaue. Sein Statement zum Thema:

"Wir haben dem IOC geschrieben, dass die russische Gesetzgebung nicht mit unseren Werten vereinbar ist und es keine Diskriminierung bei den Spielen geben darf. Genau das hat das IOC von Präsident Putin eingefordert und die Zusage bekommen, dass kein Teilnehmer und Zuschauer diskriminiert wird. Die Journalisten haben oft die Erwartungshaltung, dass wir als eine Art Politik-Ersatz kritikwürdige Situationen ändern müssten. Das können wir nicht, das kann auch das IOC nicht. Es ist keine supranationale Regierung."

Aufsehen der etwas anderen Art erregte im Februar die wirklich sehr, sehr geile Performance des Künstlers Friedrich Liechtenstein. In der zweiten Monatshälfte veröffentlichte die Supermarktkette Edeka wohl einen der berühmtesten deutschen Werbespots des Jahres:

 

Wer das Wort "Selfie" vor dem 2. März noch nicht kannte, wurde spätestens mit der Oscar-Verleihung eines besseren belehrt. Der "Schnappschuss" von Moderatorin Ellen DeGeneres war aber vor allem eines: geschickte Schleichwerbung von Samsung. Die Botschaft: Ein Galaxy-Smartphone ist unverzichtbar (sofern man völlig spontan die aufgerüschte Hollywood-Elite vor die Linse bekommt, die man mit lässiger Unschärfe für das heimische Fotoalbum einfangen möchte). Rund 20 Millionen Dollar ließ sich der Hersteller offizielle und, so munkelt man, inoffizielle Werbung in der Nacht kosten. Nicht unbedingt ein Schnäppchen – dafür kann sich auch heute noch wahrscheinlich (fast) jeder an dieses Bild erinnern:

Screenshot (c) Twitter.com/EllenDeGeneres

Screenshot (c) Twitter.com/EllenDeGeneres

„Nach Gesprächen mit meiner Familie habe ich mich entschlossen, das Urteil anzunehmen.“ Mit diesen Worten eröffnete Uli Hoeneß am 14. März dieses Jahres im März eine "Persönliche Erklärung" nach dem Skandal um seine Steuerhinterziehung. Reines Kalkül oder ehrliche Offenbarung? Der Rhetoriktrainer Alexander Ross analysierte die einzelnen Zeilen und Wendungen des Schriftstücks für uns. Das Resümee unseres Gastautors: "In seinen Worten ist Uli Hoeneß wie eine Figur in den Romanen von Tom Wolfe. Er ist wahrlich 'A Man in full' - groß beim Einsatz, mannhaft beim Verlieren. Sein Botschaft ist: Es waren nicht andere, die mich besiegt haben. Ich war es selbst, es war mein Fehler, der mich stürzen ließ. Ich gehe jetzt diesen Weg."

 

Da dachte die Fastfoodkette Burger King, sie spare Kosten, stattdessen hat sie nur Reputation eingebüßt. Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff hat im April mit seiner Reportage „Team Wallraff-Reporter Undercover“ auf RTL Deutschen Burger-Essern sicherlich den Appetit verdorben: Küchenmitarbeiter, die Klos putzen oder in Containern Müll „kleinstampfen“, geschnittenes Gemüse, das nach vier Stunden einfach neu etikettiert wird oder 20 Sekunden zum Burger-Zubereiten, ohne Handschuhe.

Appetit? Verdorben. (c) Thinkstock/Digital Vision.

Appetit? Verdorben. (c) Thinkstock/Digital Vision.

Dieses Ekel-Szenario betrifft 89 Filialen, die der Konzern an den Unternehmer Ergün Yildiz und einen Geschäftspartner verkauft hatte, um Kosten zu sparen. Burger King hat sich mittlerweile vom Franchisenehmer getrennt. (jew)

 

 

Im Mai entschied der Europäische Gerichtshof, der Internetriese Google müsse Einträge in den Suchergebnislisten mit persönlichen Daten auf Verlangen der Betroffenen streichen. Dazu stellte das Unternehmen ein Formular online, mit dem Löschungen beantragt werden können. Der Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Jan O. Baier, erklärte in einem Artikel über die Auswirkungen des Urteils:

"Das Urteil ist ein Paukenschlag, stellt das Gericht in seinem Grundsatzurteil doch den Schutz der Persönlichkeitsrechte sehr deutlich über das Recht der Öffentlichkeit auf Zugang zu Informationen. Bislang galt unter Medienanwälten in Bezug auf Suchmaschinen überwiegend die Annahme, dass Verpflichtungen zur Löschung von Suchbeiträgen eher unverhältnismäßig und daher gerichtlich schwer durchsetzbar sind. Insoweit hat der EuGH mit seiner Entscheidung tatsächlich ein Tor aufgestoßen."

Bereits zum vierten Mal fand in diesem Jahr der Deutsche Preis für Onlinekommunikation statt. Gleich zwei Preise konnte die Lufthansa mit der Kampagne Klaus-Heidi am 21. Mai mit nach Hause nehmen. Die Gruppe gewann in den Kategorien "Kampagne von Unternehmen" und "Online Competition". Social-Media-Agentur des Jahres wurde Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG). Den Preis für das Social-Media-Team des Jahres bekam Sky Deutschland. Und dann gab es da noch diesen einen ganz besonderen Auftritt:

 

 

Der Juni und der Juli dieses Jahres waren natürlich dominiert von der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Mit diversen Kampagnen versuchten Unternehmen, sich die allgemeine Euphorie zueigen zu machen.

Werbe-Wunder zur WM? (c) Getty Images/iStockphoto

Werbe-Wunder zur WM? (c) Getty Images/iStockphoto

Eine gute Idee? Nicht, wenn man Björn Eichstädt, Managing Partner bei der PR-Agentur Storymaker, glaubt. Im pressesprecher-Interview zum Thema fasste er die fade Realität der Werbespektakel so zusammen: "Das ist ein Grundproblem mit allen WM-Kampagnen: die eigene Story tritt ziemlich in den Hintergrund, die WM-Story stark in den Vordergrund."

Und dann war da natürlich noch die Ice Bucket Challenge, die uns durch den kompletten Sommer (und so manchen B-Promi bis in den Herbst hinein) begleitete. Für Susanne Liedtke, Senior Strategist bei achtung!, gehört die Spendensammelaktion mit dem Eiskübel zu den auffallendsten Themen des Jahres: "#ALSicebucketChallenge: Ein Internet-Phänomen überrollt auch Deutschland – wir alle setzten uns in Szene und vergaßen zuweilen den ernsten Hintergrund." Generell erfreuten sich laut Liedtke in diesem Jahr – egal ob Kampagne oder Krise – Hashtags immer größerer Beliebtheit.

Hier geht es zum zweiten Teil des Jahresrückblicks!

 
 

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