Armin Petschner moderiert CSYou. / Armin Petschner: (c) Screenshot Youtube
Armin Petschner moderiert CSYou. / Armin Petschner: (c) Screenshot Youtube
Fremdschämen auf Youtube

CSYou musste scheitern

Die CSU startet den halbherzigen Versuch, mit einem Youtube-Format eine junge Zielgruppe zu erreichen. Er ist zum Scheitern verurteilt. Ein Kommentar.
Toni Spangenberg

CSYou ist ein Rohrkrepierer, das zeigt die enorme Anzahl negativer Reaktionen auf die erste Episode. Der Grund ist einfach: Anstatt die Zielgruppe ernst zu nehmen, produziert die CSU-Landesgruppe in Berlin ein Video, das an Satire grenzt und sämtliche auf Youtube aktiven Zuschauer vor den Kopf stößt. Postillon, Heuteshow und Extra3 dürften sich ärgern, nicht selbst auf diese Idee gekommen zu sein.

Mit dem Anspruch angetreten, Zuschauer über Tagespolitik und die Arbeit der CSU im Bundestag zu informieren, erwartet das Publikum locker vorgetragene News mit entsprechenden Quellen. Eben so wie von Youtubern wie LeFloid gewohnt. Nur liefert die CSU genau das nicht. In den Kategorien "Aufreger der Woche", "Klartext der Woche" und "Thema der Woche" schildert, die CSU ihre Sicht auf die Dinge. Dabei schreckt die Partei auch nicht davor zurück, Lügen zu verbreiten und Fakten zu biegen. Umso entlarvender ist es, dass die CSU auf Quellen für ihre Behauptungen verzichtet.

Dabei wirkt CSYou auf den ersten (oberflächlichen) Blick so wie jedes x-beliebige andere Youtube-Format. Man nehme einen jungen Anzug-Träger mit Brille, entferne Anzug, Schlips und Brille, stecke ihn in ein lässiges Hemd, blondiere seine Haare und schon ist er ein Rezo-Klon im Auftrag der CSU. Armin heißt er. Dann nutze man viele schnelle Schnitte, vielsagende Mimik und Gestik. Nun rennen die jungen Leute der CSU die Bude ein – dachten wohl die Bayern.

Die CSU nimmt Jungwähler nicht ernst

Warum ging das Rezept nicht auf? Armin wirkt kostümiert, die Präsentation der (Falsch-)Nachrichten gekünstelt. In ihrem Versuch, krampfhaft authentisch rüberzukommen, bezweckt die CSU das Gegenteil. Anstatt die Jungwähler ernst zu nehmen, schafft die Partei ein mit Klischees überladenes Format. Bei der Vorstellung junger Menschen schaut die CSU durch die Instagram-Snapchat-Youtube-Brille und vergisst, dass diese die Realität verzerrt.

Kritik wischt die Partei arrogant zur Seite, will an dem Format festhalten. Einen Dialog mit Usern gibt es nicht. Kommentare wurden gelöscht, wie einige behaupten, die CSU aber bestreitet. Mit dieser Haltung erreicht die Partei niemanden außerhalb der eigenen Blase, sondern wird zur Lachnummer. Jeder, der der Partei bisher skeptisch gegenüberstand, dürfte sich nun in seiner Skepsis bestätigt sehen.

Ein treffende Analyse hat auch Moderator Armin abgeben, der hauptberuflich nicht als Youtuber, sondern Social-Media-Chef der CSU-Landesgruppe in Berlin arbeitet. Auf Twitter schreibt er. "Der Typ macht einen einfach nur wütend. Weil er mit Verkürzungen, Verallgemeinerungen und Unterstellungen arbeitet und es dann als objektiv verkauft. Das ist schon ziemlich perfide. Seine Abonnenten feiern ihn dafür. Sieht so die Zukunft der politischen Debatte in unserem Land aus? Macht mir irgendwie Angst!" Der Tweet ist vom 20. Mai und bezieht sich auf das Video Rezos, in dem er mit der Politik der Groko abrechnet. Die Einschätzung passt aber auch eins-zu-eins zu CSYou und zeigt: Die CSU ist vom eigenen Format nicht überzeugt. Kein Wunder, dass CSYou ein Rohrkrepierer ist.

 

 
 


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