Die Weltgesundheitsorganisation WHO führt den weltweiten Kampf gegen Fake News zum Coronavirus an. (c) Getty Images / Antiv3D
Die Weltgesundheitsorganisation WHO führt den weltweiten Kampf gegen Fake News zum Coronavirus an. (c) Getty Images / Antiv3D
WHO sieht "massive Infodemie"

Coronavirus: Kampf gegen Fake News, Betrug & Panik

Boulvard-Medien rufen zur Corona-Panik auf, WHO und soziale Netzwerke kämpfen gegen massenhafte Fake News, E-Mail-Betrüger nutzen die Epidemie auf ihre Weise.
Aus der Redaktion

Die Weltgesundheitsorganisation WHO, soziale Netzwerke und Internetkonzerne kämpfen gegen zahlreiche Falschmeldungen, Gerüchte und Betrugsversuche im Zusammenhang mit der weiteren Verbreitung des Coronavirus. Die WHO sprach von einer „massiven Infodemie“.

Einzelne deutsche Medien tun sich unterdessen schwer, die Berichterstattung über die zuerst in China ausgebrochene Krankheit ohne überdramatisierend oder rassistisch wirkende Schlagzeilen anzugehen.

In einer eigens eingerichteten Sektion ihrer Webseite gibt die WHO nicht nur Verhaltens- und Hygienetipps sowie einen aktuellen Überblick zur Ansteckungsausbreitung – sie versucht auch, Irrtümern und gezielt gestreuten Fehlinformationen über die Krankheit entgegenzutreten. So gebe es keinerlei Hinweise darauf, dass sich das Coronavirus über Haustiere verbreite, nütze es nichts, präventiv Antibiotika einzunehmen und wirksame Medikamente würden keineswegs zurückgehalten, vielmehr werde mit Hochdruck an ihnen geforscht. Unter dem Hashtag #KnowTheFacts stellt sich die Weltgesundheitsorganisation auf Twitter zudem in Echtzeit Gerüchten und Falschmeldungen zum Coronavirus entgegen.

Tiktok, Facebook und Google kämpfen gegen Corona-Fakes

Social-Media-Plattformen sehen sich einer Flut an falschen und fragwürdigen Berichten über das Virus ausgesetzt, vor allem das in China gegründete Netzwerk Tiktok. Unter anderem wird behauptet, beim Coronavirus handele es sich um eine Biowaffe, hinter der möglicherweise Microsoft-Gründer Bill Gates stecke – oder aber Regierungen, welche die Bevölkerung reduzieren wollten.

Offensichtlich gestellte Videos zeigten hustende Schulklassen, die vermeintlich in ihren Klassenzimmern eingesperrt würden. Berichte über angebliche, nicht offiziell bestätigte Infektionen werden verbreitet und erreichen Hunderttausende Zugriffe. Tiktok verwies auf seine Community-Richtlinien, welche die Verbreitung von Falschmeldungen verbietet und forderte seine Mitglieder auf, solche Berichte und Videos zu melden.

Facebook teilte mit, zukünftig würden Posts gelöscht, die von Gesundheitsbehörden als gefährdend eingeschätzt werden. Hier waren unter anderem unsinnige oder hochgefährliche Tipps zur Vorsorge verbreitet worden. Die Behörden sollen kostenlose Werbemöglichkeiten zur Information bei Facebook erhalten.

Google hat angesichts zahlreicher Fake News zumindest im englischsprachigen Raum seine Suchergebnisliste für das Coronavirus angepasst. Vor den normalen Suchergebnissen wird zunächst eine von der WHO kuratierte Linksammlung mit verifizierten Informationen und Verhaltenstipps angezeigt.

Phishing-Welle nutzt Coronavirus aus

Das US-Magazin Wired berichtet unter der Überschrift „Watch Out for Coronavirus Phishing Scams“ über eine regelrechte Welle von E-Mail-Betrugsversuchen im Zusammenhang mit der Krankheit. Hierbeit würden millionenfach offiziell wirkende Nachrichten mit PDF-Anhängen versendet, die scheinbar seriöse Vorbeugetipps von Mediziner:innen etwa aus China oder Singapur enthalten, tatsächlich jedoch lediglich dem Abgreifen von Nutzer- und Zugangsdaten und dem Verbreiten digitaler Viren dienten. Es wird dringend empfohlen, die E-Mails zu löschen, ohne die Anhänge zu öffnen.

Bild schürt Panik, Express Rassismus

Scharfe Kritik rief die Berichterstattung von Bild und Kölner Express in Deutschland hervor. Während das Springer-Boulevardblatt titelte, „sie“ hätten eine „erste“ Familie „abgeholt“, nutzte die Dumont-Zeitung das Coronavirus, um per Schlagzeile „Angst vor Kölns Chinesen“ zu verkünden.


 
 


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