Rummenigge und Watzke fürchten wegen Corona um Millioneneinnahmen./ Fußball: (c) Getty Images/alphaspirit
Rummenigge und Watzke fürchten wegen Corona um Millioneneinnahmen./ Fußball: (c) Getty Images/alphaspirit
Geld vor Gesundheit?

Corona: Rummenigge & Watzke fürchten um Einnahmen

Der deutsche Profifußball scheint sich in Zeiten von Corona vor allem um eines zu sorgen: die eigenen Finanzen. Doch es gibt Ausnahmen.
Toni Spangenberg

Die Chefs der Deutschen Profi-Fußball-Clubs FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, und BVB Dortmund, Hans-Joachim Watzke, treibt in der Corona-Krise offensichtlich vor allem eine Angst um: der Verlust von Millioneneinnahmen durch Spielausfälle. Dass für sie die wirtschaftliche Entwicklung der Clubs noch vor der Eindämmung der Pandemie kommt, machten sie in den vergangenen Tagen in Interviews deutlich. Doch sie sprechen nicht für den gesamten deutschen Profifußball.

„Wir sollten es auch nicht übertreiben“

Auf die Frage, für wie sinnvoll er das Aussetzen von Trainings derzeit halte, antwortet Hans-Joachim Watzke, Chef von Borussia Dortmund, in der Sportschau vom Sonntag: „Das kann nicht sinnvoll sein. Wir müssen ja alles immer unter der Prämisse machen, irgendwann wieder zur Normalität zurückkehren zu müssen.“ Spieler müssten schließlich bezahlt werden und sich in Form bringen. „Ganz ehrlich gesagt, wir sollten es auch nicht übertreiben. Die aktuelle Gesundheitsgefahr für eine Mannschaft, die komplett aus Athleten besteht und auf dem Rasen trainiert, würde ich, ohne Virologe zu sein, als nicht so gravierend einstufen“, so Watzke. Er empfiehlt, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. 

„Am Ende des Tages geht es um Finanzen“

Ähnlich argumentiert auch Karl-Heinz Rummenigge, Geschäftsführer des FC Bayern München. Er verteidigt den Vorschlag der DFL vom Freitag, den Spielbetrieb zunächst bis zum 2. April auszusetzen und die Saison anschließend zu Ende zu spielen. „Es geht am Ende des Tages auch im Profifußball um Finanzen“, so Rummenigge. Sollten Zahlungen der TV-Broadcaster ausbleiben, bekämen viele kleinere und mittlere Vereine finanzielle Schwierigkeiten. „Es steht ein größerer dreistelliger Millionenbetrag für die 1. und 2. Liga im Feuer.“

Rund 85 Millionen Euro an Einnahmen gingen den Clubs pro ausgefallenem Spieltag verloren. In neun Spieltagen ergebe sich so eine Summe von einer Dreiviertel Milliarde Euro. Auch wenn Rummenigge und Watzke vor Insolvenzen kleiner und mittlerer Vereine warnen, so stehen sie einem möglichen Solidaritätsfonds dennoch skeptisch gegenüber. 

Erster Spieler der 1. Bundesliga positiv auf Corona getestet

Rummenigge räumte jedoch ein, dass „der Spielbetrieb nicht mehr aufrechtzuerhalten“ ist, sollte ein Profi oder eine Person aus dem Betreuerstab erkrankt sein. Tatsächlich wurde mittlerweile auch ein Spieler der 1. Bundesliga, Luca Kilian vom SC Paderborn, positiv auf Corona getestet. Sollte der Spielbetrieb dennoch fortgesetzt werden, gehe niemand davon aus, „dass wir noch Spiele mit Zuschauern haben werden“, sagt Watzke. Am heutigen Montag kommen die 36 Clubs aus Bundesliga und 2. Liga zu einer Krisensitzung in Frankfurt zusammen und beraten das weitere Vorgehen. 

Leonhardt fordert einen „Corona-Rettungsfonds“

Helge Leonhardt, Präsident des Zweitligisten FC Erzgebirge Aue, kritisierte Watzke und Rummenigge indirekt. Er rief zu mehr Demut im Profifußball auf. Die Krise könne eine Chance sein, neue Strukturen zu schaffen, „damit die überbezahlten europäischen Fußballligen zur Normalität zurückkehren.“ Er forderte unterdessen Profi-Fußballer auf, einen „Corona-Rettungsfonds“ zu gründen, an dem sich auch Manager und Unternehmen beteiligen sollten. „Wichtig ist, dass unsere Arbeiter, Leute, die in der Pflege Dienst schrubben, Priorität haben. Die Fußballer werden abgefedert. Die sollten Abstriche machen", sagte Leonhardt gegenüber "Sport im Osten".

Er teilte der dpa darüber hinaus mit, dass seine Spieler zunächst bis Dienstag nicht trainieren würden. Anschließend sei alle drei Tage ein Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit geplant. "Die Situation kann sich aufgrund der Dynamik allerdings immer wieder ändern. Deshalb werden wir die Lage, die sehr ernst ist, täglich neu bewerten. Wir haben einen unsichtbaren Feind.“

 

 
 


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