Nur flexibel zu arbeiten heißt noch lange nicht, agil zu arbeiten. (c) Ali Yahya / Unsplash
Nur flexibel zu arbeiten heißt noch lange nicht, agil zu arbeiten. (c) Ali Yahya / Unsplash
Die Krise als Prüfstein

Corona & New Work: Nur flexibel oder schon agil?

Im Moment sind wir doch alle irgendwie agil unterwegs, oder? Ziemlich flexibel arbeiten wir in unseren Homeoffices, freunden uns mit digitalen Tools an und verrichten die Aufgaben zwischen Herd und Homeschooling.
Kerstin Feddersen

Eben – die meisten von uns arbeiten aktuell recht flexibel, aber noch lange nicht agil. Für einzelne Teams oder ganze Unternehmen, die sich mit dem Thema Agilität beschäftigen wollen oder müssen, gibt die aktuelle Situation einen guten Überblick über das individuelle Mindset der Mitarbeitenden. Und das wiederum ist die Basis für jede agile Transformation sowie für die Transformation zum agilen Arbeiten.

Unterschieden wird dabei zwischen „Growth Mindset“ und „Fixed Mindset“: zwei Begriffe, die  von der Motivationspsychologin und Standford-Professorin Carol Dweck geprägt wurden. Das eine beschreibt eine wachstumsorientierte, dynamische Mentalität, das andere eine starre, eher unflexible Einstellung.

Wer im Team mit welchem Mindset unterwegs ist, wird vor allem bei schwacher Führung offensichtlich, denn dann eignet sich die Zeit im Homeoffice ganz gut, um unter dem Radar zu pausieren. Growth Mindsetter nutzen das nicht, ganz im Gegenteil: Sie suchen sich Aufgaben, bringen Ideen ein und werden kreativ. Für engagierte Führungskräfte ist jetzt ein guter Moment, um die Weichen für die persönliche Entwicklung bestimmter Teammitglieder zu stellen.

Generell gilt beim agilen Arbeiten: Erst das Mindset, dann die Methoden. Es reicht nicht, interne Meetings mit dem Präfix „Kanban“ zu versehen. Agiles Arbeiten ist eine Frage des Mindsets und der darauf basierenden Haltung, eine Frage bestimmter Denk- und Handlungslogik.

Unternehmen oder Teams, die es ernst meinen mit der Agilität, sollten Menschen die Chance geben, ihre Selbstverantwortung zu entwickeln. Vom Fixed Mindset zum Growth Mindset. Das funktioniert nicht in einem Seminar, aber Menschen können sich mit Hilfe einer guten Personalentwicklung behutsam in eine bestimmte Richtung erweitern. Ob man diese Entwicklung gut findet und will, muss jeder selbst entscheiden und in der Konsequenz auch, ob man sich in einem agilen Unternehmen gut aufgehoben fühlt oder nicht.

Wenn Sie sich mit Ihrem Team auf den Weg in die Agilität begeben wollen, sollten Sie ganz grundsätzlich beginnen und sich fragen:

  1. Warum wollen wir eigentlich agil werden? Auf welchen Ebenen könnte diese Kulturveränderung stattfinden und wie genau könnte das aussehen? Wenn wir den Bedarf klar benennen, ist auch das „Warum“ schnell formuliert. Sinn und Zweck eines so tiefgreifenden Veränderungsprozesses sollte schließlich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bekannt sein.
    Und wenn die erste Frage mit einem Nein beantwortet wird? Prima, machen Sie so weiter wie bisher! Aber bedenken Sie bitte: Ein agiles Mindset schadet nicht, vor allem mit Blick auf die Veränderungsgeschwindigkeit in unserem Alltag, und es bedeutet nicht, dass alle Prozesse agil werden und agile Methoden aufgezwungen werden müssen.
     
  2. Betreiben Sie eine agile Analyse - Wo steht Ihr Team in Bezug auf die acht Werte der Agilität, also Commitment, Offenheit, Mut, Fokus, Einfachheit, Respekt, Feedback und Kommunikation. Was bedeutet jeder Begriff für Ihr Team? Damit schaffen Sie ein gemeinsames Verständnis für agiles Arbeiten auf Basis der dahinterstehenden Werte und der tiefergehenden Definition.
     
  3. Holen Sie die Kolleginnen und Kollegen von HR in Ihr Boot, um das Team auch mit externer Unterstützung zu begleiten. Dieser Transformationsprozess erfordert einen langen Atem und den Willen, auf dem Weg zu bleiben. Bauen Sie Retrospektiven und Reviews in diesen Weg ein – so fällt es leichter, nicht von ihm abzukommen und Sie nähern sich Ihrem Ziel bereits sehr agil. 
     
  4. Klären Sie Ihre Rolle als Führungskraft und eignen Sie sich die Kompetenzen an, die nötig sind, um ein agiles Team zu führen. Scheuen Sie sich nicht, Experten um Rat zu fragen.

Sobald Sie mit einem „befähigten“ Team und einer sauber erarbeiteten Arbeitsgrundlage unterwegs sind, können die Methoden ins Spiel kommen und das agile Arbeiten beginnen. Auch wir bei MPC sind seit einigen Monaten in einer agilen Transformation, weil es unser Selbstverständnis ist, dass wir Unternehmen nur dann durch Veränderungen begleiten können, wenn wir selbst mit einem agilen Mindset an Fragestellungen, Aufgaben und Situationen herangehen. Gern machen wir Ihnen Mut, den Prozess einzuleiten - der Weg lohnt sich!

 

 
 

Kommentare

Interessante Gedanken. Ich würde mir eine Definition des Begriffs Agilität wünschen, damit nicht bei jedem ein anderes Kopfkino startet. Ansonsten wird Agilität wie New Work im günstigsten Fall zu leeren Worthülsen. Und zum zweiten: Wozu wollen wir eigentlich alle agil werden, welches betriebliche Problem läßt sich damit lösen. Hier wären betriebliche Kennzahlen hilfreich, die durch Agiles Arbeiten maßgeblich und nachhaltig positiv beeinflusst werden. Die Evidenz spielt m.E. eine viel zu geringe Rolle bei derlei Diskussionen.


randbemerkung

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