Holen Sie sich auch Hilfe aus anderen Abteilungen, wenn es brennt. (c) Thinkstock/z_wei
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Kommunizieren bei Veränderungen

Wenn der Change-GAU droht

Sie haben das Gefühl, dass die Veränderungen im Unternehmen das Betriebsklima belasten, doch die Chefetage erkennt die Alarmsignale nicht? Was Sie tun können, um Ihren Arbeitgeber vor dem Change-GAU zu bewahren, erklärt unsere heutige „Echolot“-Kolumne.
Kerstin Feddersen

So oder so ähnlich in einem Büro der Führungsetage: Sie haben 15 Minuten beim Chef. In der Hand einen Maßnahmenplan der Internen Kommunikation. Ihr Ziel: die Motivation der Mitarbeiter heben, die Veränderungen im Haus erklären und begleiten. Sie wollen einen guten Job machen. Dafür brauchen Sie ein wenig Geld und ein „Go“. Doch dann fragt der Chef nach dem Warum. Und Sie reden von Bauchgefühl und Flurfunk.

Fakt ist: Sie brauchen mehr, um erfolgreich zu sein.

Reden ist Gold, Schweigen einfach nur teuer

Sie haben ja recht: Es beginnt mit einem Bauchgefühl und Kakophonie im Flurfunk – die Stimmung im Unternehmen ist angespannt bis mies und spüren kann das fast jeder. Ja, fast, denn oftmals gehen die Alarmsignale an den Entscheidern vorbei. Ein Ohr, auf dem Geschäftsführung oder Vorstand gelegentlich taub sind. Beschwichtigungen wie „Es gibt Wichtigeres und was soll die Panikmache?“, „Haben Sie sonst keine Sorgen?“ oder „Es läuft doch alles, trotz hohen Arbeitspensums und sicherlich auch mal stressigen Zeiten.“ Als Kommunikationsmensch wissen Sie: Es läuft noch, aber unter der Oberfläche brodelt es bedrohlich. Wie retten Sie Ihren Arbeitgeber vor dem Veränderungs-GAU?

Erfolg durch Verhinderung

Indem Sie das Schlimmste verhindern. In der Internen Kommunikation müssen jetzt die Belege gesammelt werden, um die Führung vom Ernst der Lage zu überzeugen und die notwendigen Maßnahmen zu initiieren. Schwierig, wenn diese Geld kosten und es vermeintlich ja läuft ... Hier hilft es, den Chefs die konkreten Risiken aufzuzeigen. Heißt: So stehen wir heute da und so kann es werden, wenn wir jetzt nicht agieren, sprich: kommunizieren.

Auf diese Alarmsignale sollten Sie achten. (c) MontuaPartner Communications

Auf diese Alarmsignale sollten Sie achten. (c) MontuaPartner Communications

Die Belege lassen sich leicht einsammeln und es erfordert lediglich Ihre erhöhte Aufmerksamkeit, keine höheren Budgets. Halten Sie Ihr Ohr nah an die Schreibtische der Mitarbeiter. Schleicht sich eine Motivationskrise an, häufen sich die Indizien:

  • Die Stimmung sinkt merklich. Nörgelei bestimmt die Tagesordnung.
  • Die Flurfunkfrequenz steigt und es sind keine guten Nachrichten auf Sendung.
  • Die Bereitschaft zu Überstunden nimmt ab.
  • Bei Kununu tauchen negative Bewertungen auf.
  • Journalisten werden aufmerksam auf die Stimmungslage, es entsteht schlechte PR.
  • Vertrauliche Informationen werden durchgesteckt und bringen das Unternehmen in Bedrängnis.

Dumm nur: Bei diesem Stimmungsbarometer schrillen zumeist noch nicht die Alarmglocken in den Büros der Geschäftsführung. Ein Ruf nach Kommunikation wird in den seltensten Fällen laut. Dabei hängt das Damokles-Schwert der Demotivation schon über den Köpfen. Die gute Nachricht: Die Interne Kommunikation kann helfen. Ja, auch das wird Geld kosten, aber ausbleibende Kommunikation wird am Ende den Schmerzpunkt drücken, der zum Umdenken führt: Es wird richtig hässlich und richtig teuer.

Bevor es weh tut

Kein Unternehmer kann es sich leisten, viel Geld und noch viel mehr Zeit zu investieren, um die Motivation der Mitarbeiter wieder auf ein Normalmaß zu heben. Die Geschäftsprozesse sind langfristig gestört, die Reputation leidet und die Schlagkraft des gesamten Hauses stockt. Mit einer Skizze der nächsten Eskalationsstufe rütteln Sie an der ablehnenden Haltung der Chefs. Denn das wartet am Ende der Abwärtsspirale:

  • Die Stimmung auf der Mitarbeiterversammlung ist aufgeheizt.
  • Die Kollegen suchen vermehrt den Kontakt zum Betriebsrat.
  • Vorgesetzte verbringen ihre Zeit mit Kritikgesprächen.
  • Die Krankenquote steigt auf einen untragbaren Wert.
  • Die Fluktuation nimmt zu. Neue gute Fachkräfte sind rar (sie lesen Kununu ...).
  • Ganze Abteilungen wandern ab – zur florierenden Konkurrenz.
  • Die Produktivität sinkt und damit langfristig auch das finanzielle Ergebnis.

Natürlich kann man auch an diesem Punkt noch handeln, aber es wird teuer, aufwendig und langwierig, die Kollegen wieder zu erreichen und neu mitzunehmen. Ihre Chance, als erfolgreiche Abteilung zu punkten, liegt in der Phase, in der Sie noch umfänglich handeln können – und müssen. Denn nur, wenn Sie Kosten verhindern, treten Sie den Beweis an, dass die Interne Kommunikation ihr Geld wert ist.

Zehn-Punkte-Verhinderungsplan

  1. Identifizieren Sie wichtige Multiplikatoren und Influencer, um zu wissen, wo genau der Schuh drückt.
  2. Fassen Sie die Ergebnisse in einem One-Pager zusammen und bewerten sie nach wirtschaftlichem Risiko.
  3. Holen Sie die Kollegen von Human Resources ins Boot, um Maßnahmen zu entwickeln, die motivationsfördernd sind.
  4. Erklären Sie frühzeitig strategische Unternehmensentscheidungen und überzeugen Sie damit.
  5. Fördern Sie den internen Dialog über alle Hierarchiegrenzen hinweg und erhöhen Sie dadurch auch die Sichtbarkeit der Geschäftsführung.
  6. Begleiten Sie die Veränderung und binden Sie die Multiplikatoren ein, um Angst und Verunsicherung zu begegnen.
  7. Arbeiten Sie vernetzt, indem Sie ein Querschnittsteam aus Human Resources, Betriebsrat, Management, Führung und sich selbst bilden.
  8. Empfehlen Sie Ihrem Chef den Schulterschluss mit dem Sozialpartner.
  9. Reflektieren Sie die eigene Verunsicherung und Ihre Bedürfnisse – daraus lassen sich oft die naheliegendsten Maßnahmen ableiten.
  10. Räumen Sie mit Gerüchten auf, sobald sie hochkommen.

Mit gesundem Gespür für die Kollegen und einem eindringlichen Appell in Richtung oberste Führungsebene können Sie viel bewegen – und eben verhindern. Der Erfolg der Internen Kommunikation misst sich dann auch daran, wie viel Schaden vom Unternehmen abgewendet wurde. Ihr persönlicher Erfolg? Sie haben einen richtig guten Job gemacht.

 

 
 


randbemerkung

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