Ein Leitbild gibt die Richtung vor und bietet Orientierung während eines Veränderungsprozesses. (c) Getty Images/1stGallery
Ein Leitbild gibt die Richtung vor und bietet Orientierung während eines Veränderungsprozesses. (c) Getty Images/1stGallery
Change-Kommunikation

Mit Leitbildern die Zukunft ins Jetzt holen

Sollen Veränderungen initiiert oder vorangetrieben werden, dient ein sauber entwickeltes Leitbild als Orientierungspunkt. In der aktuellen „Echolot“-Folge erklärt Kerstin Feddersen, wie die Interne Kommunikation unterstützen kann.
Kerstin Feddersen

Ist ein starkes Leitbild für Sie ein essenzieller Baustein der Kulturveränderung? Ein Fundament für Motivation und Identifikation? Für uns auch. Deshalb ist die Entwicklung eines Leitbildes oft der Beginn eines Veränderungsprozesses, auch wenn die anstehende Veränderung auf den ersten Blick gar nichts damit zu tun hat. Ein gutes Leitbild schaut aus der Zukunft in die Gegenwart: Was ist eigentlich unsere Geschichte – in zehn Jahren von heute gedacht? Wie wollen wir handeln, um dort hinzukommen? Welche Vereinbarungen wollen wir miteinander treffen, um den Weg gut beschreiten zu können?

Die Entwicklung eines Leitbildes, also einer Vision und einer Mission, bedeutet Arbeit – Arbeit an der Kultur des Unternehmens, Arbeit mit den Mitarbeitenden und den Führungskräften. Dabei ist der Prozess der Entwicklung bereits eine große Veränderung, insbesondere für die Führungskräfte. Sie überdenken ihr eigenes Verhältnis zu den Mitarbeitenden, den Kunden und Partnern und kommen vielleicht zu dem Schluss, hier und da justieren zu müssen.

Die Interne Kommunikation kann in diesem Prozess wichtige Schlüsselrollen einnehmen – zum einen als Treiberin der Leitbild-Entwicklung, zum anderen als praktische Unterstützerin der Führungskräfte in ihrem Change-Prozess. Dazu gehört auch, die Wichtigkeit und die Wirkkraft eines stimmigen und starken Leitbildes zu vermitteln:

  1. Mit Beispielen überzeugen.
    Mit ein bisschen Rechercheaufwand findet man viele seriöse Studien und Erhebungen, die den Zusammenhang zwischen mangelnder Identifikation der Mitarbeitenden und z. B. Fehlzeiten, Gesundheit und Motivation belegen. Zahlen und Daten nehmen Unsicherheiten und schaffen belastbare Messgrößen. Damit rücken die vermeintlich weichen Faktoren in die Kategorie der harten Fakten.
  1. Aha-Effekt erzeugen.
    Sammeln Sie Visionen anderer Unternehmen, die wirklich groß denken. Damit wird allen Beteiligten klar, was gemeint ist und wie ein starkes Leitbild die Unternehmenskultur beeinflussen kann.
  1. Quick-wins aufzeigen.
    Initiieren sie erste spürbare Effekte, z. B. mit einem Newsletter, mit Live-Formaten oder Videos. Mit solchen Impulsen sehen die Mitarbeitenden, dass sich etwas tut und die Führungskräfte merken, dass Kommunikation die wichtigste Begleiterin des Prozesses ist.
  1. Kommunikativ befähigen.
    Führungskräfte haben Kommunikation nicht zwangsläufig in ihrem Skillset. Machen sie ihnen bewusst, dass sie die Schnittstelle zwischen Mitarbeitenden und Erfolg sind. Gute, wirksame Kommunikation, ist das Schmiermittel dieser Verbindung und sollte im Werkzeugkoffer immer griffbereit sein.

Und wenn der Entwicklungsprozess ins Stocken gerät oder das gute Ergebnis nicht weiter vorankommt als in die Schublade der Kolleginnen und Kollegen? Auch dann ist die IK wieder gefragt und kann Maßnahmen entwickeln, um zu aktivieren:

  1. Testimonials wirken und sind vielseitig nutzbar: Fragen Sie eine Handvoll Mitarbeitende, was das Leitbild für sie bedeutet, wie sie es in ihrer täglichen Arbeit mit Leben füllen und was sie als Impuls ins Haus geben möchten. Der Inhalt kann in kurzen Clips für Intranet und App oder auch Mini-Interviews für die Mitarbeitenden-Zeitung aufbereitet werden.
  2. Bereiten Sie Material für die Führungskräfte vor, das diese in ihren Teammeetings unterstützt. Aber bitte nicht ungefragt, sondern klären sie vorab, was dort funktionieren könnte und wie die Teams ticken. In dem einen passt etwas Spielerisches, in dem anderen etwas Visuelles.
  3. Entwickeln Sie eine Kampagne, die auf allen Kanälen ausspielbar ist. Ein starker Claim, ein emotionales Bild – geben Sie dem Leitbild ein Gesicht und platzieren Sie es im Arbeitsalltag der Mitarbeitenden.
  4. Führungskräfte sind Vorbilder und deshalb ist es gut, wenn sie in der Kommunikation vorangehen. Da sie auch einen großen Anteil an der Entwicklung des Leitbildes haben, sind sie glaubwürdige Vermittler. Finden Sie das richtige Medium und den passenden Kanal, um deren Auseinandersetzung mit dem Thema zu zeigen und damit Impulse zu setzen.

Egal welche Veränderung Sie initiieren oder vorantreiben wollen, ein sauber entwickeltes Leitbild ist Orientierungspunkt jeder Veränderung im Unternehmen. Mit der Zukunft im Jetzt ist die Richtung vorgegeben – so kann sich niemand verlaufen.

 

 
 


randbemerkung

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