Es braucht neue Bilder, die berühren und positive Emotionen wecken. (c) Getty Images/Lumikk555
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Interne Kommunikation

Zusammen in die Zukunft

Eine gemeinsame Geschichte stärkt den Zusammenhalt im Unternehmen. Wie man ein Narrativ erarbeitet und kommuniziert, erklärt Andrea Montua in der neuen Echolot-Folge.
Andrea Montua

Spätestens seit Hararis kurzer Geschichte der Menschheit ist uns bewusst, dass eine natürliche Verbindung von Menschen nur innerhalb einer Gruppe bis zu 150 Mitgliedern bestehen kann. Für größere Gruppen brauchen wir Mythen und Geschichten als gemeinsame Basis, um verbunden zu sein und auch, um einen gemeinsamen Weg zu beschreiten.

Das war lange nicht so relevant, wie es heute in Corona-Zeiten wieder ist. Die durch das Virus ausgelösten Veränderungen können uns auf vielen Ebenen treffen: gesundheitlich, beruflich, finanziell, emotional, psychisch, physisch und auch gesellschaftlich. Um den Zusammenhalt im Unternehmen in Phasen wie diesen zu erhalten oder wiederzubeleben, brauchen wir eine gemeinsame Geschichte, die das Ziel unseres täglichen Handelns veranschaulicht. Dort wollen wir hin, der Weg lohnt sich, auch wenn gerade Widrigkeiten auftauchen. An dieser Stelle vermischen sich Purpose und Change, vermischen sich Mensch und Rolle.

Für die Unternehmen ist die Corona-Phase mit all ihren Auswirkungen sowieso herausfordernd, aber auch die Kommunikation steht vor einer großen Aufgabe, wenn sie die Mitarbeitenden motiviert an die Arbeitsplätze zurückholen möchte. Denn: die Bedürfnisse der Menschen im Unternehmen sind vielfältig, sie müssen mit der Geschichte resonieren. Das ist gleichzeitig aber auch eine große Chance, denn viele von uns sind ein bisschen ausgelaugt. Wir brauchen neue Bilder, die uns berühren und positive Emotionen in uns wecken.

Um sich einem Narrativ zu nähern, das zum Unternehmen und den Menschen, die dort arbeiten passt, helfen Fragen. Eine gute Change-Story orientiert sich an persönlichen Erfahrungen und kombiniert sie mit ökonomischen Zielen zu einem Zukunftsbild, in dem jede und jeder einen Platz finden kann.

In sechs Schritten zur Story

Die interne Kommunikation nimmt auch bei diesem Prozess eine wichtige strategische Rolle ein, indem sie die Geschäftsführung bei der Entwicklung der Change-Story unterstützt, berät und den gesamten Prozess moderiert. Diese Wegmarken können Sie auf dem Weg setzen:

  • Machen Sie sich klar, dass es ein Prozess sein wird. Einer, bei dem auch die Werte und der Purpose des Unternehmens im Mittelpunkt stehen werden. Und einer, der bei jeder und jedem Einzelnen und jedem Team Fragen nach dem Sinn aufwerfen wird.
  • Organisieren Sie moderierte Workshops im Rahmen eines „Storycamps“ mit bunt gemischten Teams, in denen Fragen zu persönlichen Erfahrungen, Erfolgen, Hürden, Wünschen und Visionen im Raum stehen. Hören Sie gut zu, um auch die Zwischentöne wahrzunehmen und schreiben Sie sorgfältig mit, denn hier sammeln Sie ganz entscheidendes Material für die Change-Story.
  • Veranstalten Sie genauso Workshops mit der Geschäftsführung, in denen Sie die strategischen Wegmarken aufnehmen und auch die Ergebnisse aus den Storycamps der Mitarbeitenden spiegeln.
  • Entwickeln Sie aus der Summe des gesamten Inputs ein Narrativ, das zum Unternehmen passt. Ob Sie sich für eine Heldenreise entscheiden oder eher ein Bild aus dem Sportbereich (Marathon, Segelturn, Bergerklimmung), aus der Filmwelt oder aus dem technischen Bereich (Navigation, Kompass) wählen, ist am Ende egal. Es muss nur passen und authentisch sein.
  • Kommunizieren Sie die fertige Change-Story genauso sorgfältig, wie Sie sie erstellt haben. Eine gute Geschichte will erzählt werden und dazu braucht es gute Erzählerinnen und Erzähler. Ideen gibt es viele, aber auch hier muss es wieder passen – nicht zuletzt ins Budget. Sie können die Story verfilmen oder als Comic zeichnen lassen, einen Podcast aufnehmen oder im Rahmen eines unternehmensweiten digitalen Meetings vortragen lassen. Die richtige Inszenierung wird sich anbieten, sobald die Geschichte geschrieben steht.
  • Eine gute Change-Story ist immer auch kulturverändernd. Diesen Wandel sollten Sie beobachten und mitplotten, um insbesondere die interne Kommunikation immer wieder daran auszurichten.

Jede Story, die wir gerne lesen, anschauen oder hören, beschreibt Veränderungen, die gemeistert werden. Sie müssen kein schriftstellerisches Talent mitbringen, um eine gute Change-Story zu schreiben, aber die Überzeugung, dass eine gute Geschichte unglaublich kraftvoll sein kann. Und diese gute Geschichte, die schreiben Sie mithilfe der vielen Menschen und Erlebnisse in Ihrem Unternehmen auf. Sie werden sehen – es wirkt.

 

 
 


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