Unternehmen können sich von Facebook distanzieren. Doch ist das sinnvoll? (c) Getty Images/Wachiwit
Unternehmen können sich von Facebook distanzieren. Doch ist das sinnvoll? (c) Getty Images/Wachiwit
Kommentar

Was vom Skandal um Cambridge Analytica bleibt

Die Datenanalysefirma Cambridge Analytica hat Insolvenz angemeldet. Doch das Vertrauen in das soziale Netzwerk Facebook bleibt erschüttert. Kann das Marken egal sein? Ein Kommentar.
Jens Hungermann

Die Kommentatoren großer deutscher Medien waren sich in den vergangenen Wochen einig: „Facebook ist zu einer Gefahr für die Demokratie geworden“, überschrieb stellvertretend der Spiegel eine düstere Heft-Titelstory. Der Tagesspiegel warnte, das Netzwerk trage zur Veränderung der politischen Kultur bei („Aus der Schmuddelecke wird ein feiner Platz“). Und die FAZ prangerte „Facebooks Falschheit“ an.

Die Auswirkungen des Skandals um Cambridge Analytica und mutmaßlich weltweit mehr als 80 Millionen missbräuchlich verwendete Facebook-Nutzerprofile sind enorm. Die Frage, wie sehr sich die obskure Politikberatungsfirma im Nachhinein zu PR-Zwecken mit ihrem angeblichen Einfluss etwa auf den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl brüstet, ist dabei nur am Rande wichtig. Viel bedeutsamer sind die Folgen des Verlustes an Vertrauen in das Soziale Netzwerk.

Mehr als 2,1 Milliarden aktive User zählt Facebook monatlich. In Deutschland nutzen es rund 30 Millionen. Dass hierzulande neun von zehn Usern laut einer ARD-Umfrage wenig oder gar kein Vertrauen in die Datenpolitik des nach Markenwert viertwertvollsten Unternehmens der Welt haben, verwundert nicht.

Große wie kleine Unternehmen stecken nun in einem Dilemma. Facebook ermöglicht es ihnen, zielgerichtet Kampagnen auszurollen, ihrer PR zu Reichweite plus Interaktion zu verhelfen und passgenau Werbung zu schalten. Doch mit dem Reputationsschaden für das Netzwerk droht auch das Renommee seiner (zahlenden) Kundschaft Schaden zu nehmen.

Sich als Unternehmen öffentlich von Mark Zuckerbergs Datensammel-Imperium zu distanzieren, indem man Kampagnen auf Facebook – zumindest zeitweise – einstellt, ist in Anbetracht der derzeitigen Stimmungslage nicht unclever. Die Commerzbank hat es getan, ebenso Sonos. Der Hersteller von Unterhaltungselektronik mit einem Jahresumsatz von rund einer halben Milliarde US-Dollar regte im Zuge dessen im firmeneigenen Blog gleich zu einer breiten Debatte über Datenschutzstandards in Unternehmen an.

Einerseits kann eine solche Distanzierung gute Eigen-PR sein. Und sie kann Facebook möglicherweise unter Druck setzen (Stichwort: Umsatzeinbußen). Andererseits ist es doch so: An der Zweckdienlichkeit des größten sozialen Netzwerks der Welt ist bis auf Weiteres kaum vorbeizukommen. Misslich, oder?

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Einsatz in der Skischule: Annabelle Klage testete 30 Jobs in 180 Tagen. (c) Allgäu GmbH Graupause
Foto: Allgäu GmbH Graupause
Lesezeit 3 Min.
Fragebogen

Jobhoppen durch das Allgäu

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation wurden herausragende Projekte und Kampagnen ausgezeichnet. In dieser Serie stellen Preisträger verschiedener Kategorien ihre Konzepte vor. Teil zwei führt ins Allgäu, wo es auf Job-Tour geht. »weiterlesen
 
Sollte man als Kommunikator niemals vergessen: den Empfänger. (c) Getty Images/artisteer
Foto: Getty Images/artisteer
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Die Trumps und Seehofers dieser Welt reden und reden. Ob ihnen überhaupt in den Sinn kommt, dass sie oft ins Leere schießen? Kolumnist Claudius Kroker über die Grundregeln der Kommunikation – plus Erfolgsrezept. »weiterlesen
 
Beim Thema Digitalisierung spricht man zwar über Mittelständler, aber kaum mit ihnen. (c) Getty Images/NicoElNino
Foto: Getty Images/NicoElNino
Studie

Mittelständler besetzen kaum Digitalisierungsthema

Stark in der Digitalisierung, aber nicht in der Kommunikation darüber – so lautet das Fazit einer aktuellen Studie über den technischen Mittelstand. Wo es Nachbesserungsbedarf gibt.   »weiterlesen
 
„Dramatischer Zustand“: Das Klinikum Dortmund war dem Ende nahe, als Marc Raschke die Kommunikation übernahm. (c) Getty Images/sudok1
Foto: Getty Images/sudok1
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Ein Krankenhaus in PR-Behandlung

Wenn der (Neu-)Anfang vor dem Ende kommen muss: Kommunikationschef Marc Raschke über seine viel beachtete Aufbauarbeit im Klinikum Dortmund.   »weiterlesen
 
In stürmischen Zeiten bemüht sich die Kommunikation um Kontinuität. (c) Getty Images/pishit
Bild: Getty Images/pishit
Lesezeit 5 Min.
Lesestoff

Konstante Kommunikation

Ob Allianz und Dresdner Bank oder Bayer und Monsanto: Immer wieder fusionieren Unternehmen, verändern sich Marken, aber scheitern auch Umbrüche. Die Kommunikation verspricht Neuanfänge – und bemüht sich um Kontinuität. »weiterlesen
 
Ausgezeichnet in der Kategorie "Blog": der Corporate Blog der Hamburger Hochbahn. (c) Screenshot
Bild: Screenshot
Lesezeit 3 Min.
Fragebogen

Bloggen, ohne schönzureden

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation wurden herausragende Projekte und Kampagnen ausgezeichnet. In dieser Serie stellen Preisträger verschiedener Kategorien ihre Konzepte vor. Den Anfang macht die Hamburger Hochbahn mit ihrem Unternehmensblog. »weiterlesen