Der Newsroom der Bundespolizei hilft, die Nachrichtenlage zu beobachten. (c) Bundespolizei
Der Newsroom der Bundespolizei hilft, die Nachrichtenlage zu beobachten. (c) Bundespolizei
Behördenkommunikation

Operation Newsroom

Die Kommunikationsabteilung der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen arbeitet seit Jahresbeginn in einem Newsroom. Dieser ermöglicht, schnell auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren und Themen effektiv zu managen.
Reza Ahmari

Im Sommer 2019 hat uns Thilo Cablitz, Pressesprecher der Berliner Polizei, vom Newsroom der Polizei in der Hauptstadt berichtet. Dort laufen öffentliche Informationen aus den Medien und interne aus den Polizeisystemen zusammen. Ein solcher Newsroom wäre für uns ebenfalls ideal, dachten wir uns. Am Flughafen Frankfurt sind die Bundespolizei, der Flughafenbetreiber Fraport, die Airlines und die Passagiere in einem komplexen System verbunden. Dass ein Newsroom in einer Behörde nicht so teuer ausfallen kann wie in einem Großunternehmen, stand für uns als Beamte fest. Es gelang uns, die Behördenleitung zu überzeugen und mit einem Pilotprojekt zu starten. 

Etwa zu dem Zeitpunkt, als unser Vorhaben konkret wurde, änderte sich die Berichterstattung über die Polizei in Deutschland. Sie wurde rauer und negativ. Berichte über Gewalt und Vorwürfe des Rassismus und Racial Profiling wurden zu medialen Themen – befeuert durch den Tod von George Floyd in den USA, der von einem Polizisten erstickt worden war. Das bedrückende Video der Festnahme führte dazu, dass Polizisten auch in Deutschland unter Generalverdacht gestellt wurden.

Für uns war das eine zusätzliche Motivation, eine neue Struktur zu implementieren, mit der wir als Polizeiorganisation effektiver auf Themen reagieren und Schwerpunkte selber setzen können. Die Bundespolizei am Flughafen in Frankfurt war bis dahin meist reaktiv unterwegs. Als es um Rassismus in der Polizei ging, sprachen alle über uns, nur wir selbst waren sprachlos. Ein Newsroom ist in einer solchen Krisensituation geeignet, die eigenen Positionen und Themen aktiv zu kommunizieren. Es geht darum, mehr Transparenz für staatliches Handeln herzustellen. Wir wollten unseren Output an interner und externer Kommunikation qualitativ und quantitativ steigern, ein effektiveres Medienmonitoring betreiben und krisenfester werden.

Zunächst haben wir einen Projektplan geschrieben. Der Newsroom sollte sich auch optisch vom normalen Design unserer Diensträume abheben. Eine Videowall war uns wichtig. Sie zeigt parallel die Programme von vier TV-Nachrichtensendern. Ein weiterer Bildschirm liefert alle aktuellen Agenturmeldungen. Zudem überwachen wir über den Screen das Tweetdeck und sind an das Flughafeninformationssystem angeschlossen.

Videowall mit TV-Nachrichten

Wir wollten moderne Arbeitsplätze. Wir sind überzeugt davon, dass das Design die Kreativität und Eigeninitiative der Mitarbeiter fördert. Die Kommunikationsabteilung ist die Visitenkarte einer Behörde. Journalisten sind häufiger zu Gast. Aufgrund der Corona-Lage haben wir leicht verspätet im Oktober 2020 mit dem Umbau begonnen. Am 30. Dezember war dieser abgeschlossen. Wir haben im Newsroom jetzt vier Arbeitsplätze und einen multifunktionalen Zusatzarbeitsplatz für Video- und Bildbearbeitung.

Am 4. Januar hatten wir morgens pünktlich um 8.15 Uhr unsere erste Besprechung. Sie ist seitdem eine echte Redaktionskonferenz. Anhand der polizeilichen Lage definieren wir, welche Ereignisse wie Festnahmen, größere Einsätze oder auch skurrile Vorfälle für die Öffentlichkeit relevant und interessant sind. Dann fragen wir uns, auf welchen Kanälen wir die Nachricht ausspielen wollen. Im nächsten Schritt verteilt der Leiter des Newsrooms die Arbeit im Team. Die daraus entstandenen Produkte wie Pressemitteilungen, Tweets, Intranetbeiträge, Kurzvideos und Fotos sollten im Idealfall noch am selben Nachmittag veröffentlicht werden. Bei aktuellen Großeinsatzlagen oder aktuellen Ereignissen wie den kurzfristigen Änderungen von Einreisebestimmungen nutzen wir bevorzugt unseren Twitterkanal @bpol_air_fra. Derzeit hat er rund 21.500 Follower. So erreichen wir Journalisten schneller als über die klassische Pressemitteilung.

Für den internen Gebrauch erstellen wir ein Medienmonitoring. Wir produzieren nach Auswertung der Medienlage einen Newsletter, der allen Führungskräften der Bundespolizei am Flughafen zugeht. Mehrmals täglich versenden wir Updates, die sich auf aktuelle, relevante Agenturmeldungen, Tweets oder Onlinenews sowie TV-Nachrichten beziehen.

Einmal pro Monat laden wir die Behörden- und Abteilungsleiter zur Strategiebesprechung ein, um unsere Ergebnisse und Erfolge zu präsentieren und die künftige Ausrichtung abzustimmen. Bisher haben wir einen deutlich höheren Output an Meldungen und Tweets. Die Leitung fühlt sich besser und schneller informiert. Wir sind nach außen sichtbarer und können bei Lagen schneller reagieren.

Bei der Auswahl der Themen setzen wir auf Aktualität und Transparenz für das Handeln der Bundespolizei. So planen wir, über den hohen Anteil von Polizisten zu berichten, die täglich mehr als 30 bis 40 Kilometer mit dem Rad zur Dienststelle fahren und so einen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten. Auch Erfahrungen mit der Einführung der Bodycam sollen ein Thema werden. Wichtig ist uns aktuell, die Arbeit unserer Covid-19-Koordinierungsstelle vorzustellen, in der seit März 2020 mehr als 100.000 Anfragen von Reisenden, Botschaften und Airlines teilweise im Rahmen von 24/7-Diensten mit einer Response-Zeit von vier bis sechs Stunden beantwortet wurden.

 

 
 


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