Mit der Blockchain-Technologie könnte sich auch die Kommunikation verändern. (c) Thinkstock/LuckyStep48
Mit der Blockchain-Technologie könnte sich auch die Kommunikation verändern. (c) Thinkstock/LuckyStep48
Zukunft der Kommunikation

Blockchain – Vertrauen in Ketten

Die Blockchain soll mehr Sicherheit und Demokratie ins Internet bringen. Für Kommunikatoren kommt dieser Aspekt wie gerufen.
Mirjam Stegherr

Unternehmen wollen Kunden nicht mehr in die Wolken schicken, sondern in Ketten: Statt von der Cloud reden alle von Blockchain, einer Technologie, die durch die Kryptowährung Bitcoin populär geworden ist. Es handelt sich, kurz gesprochen, um eine Möglichkeit, Daten dezentral zu verwalten. Bei Bitcoin gibt es keine Bank. Anbieter und Kunden tauschen das Zahlungsmittel direkt.

Die zugrundeliegende Technik ist die Blockchain: Jeder Nutzer hat Ketten von Datensätzen auf seinem Rechner, die sich untereinander abgleichen und die nicht manipulierbar sind. Das soll Transaktionen sicherer machen. Und es soll den Markt demokratisieren, weil es ohne Mittler funktioniert.

Ob Finanzen, Logistik oder Gesundheitswesen − wer mit Transaktionen zu tun hat, hofft, mit der Blockchain einen Weg zu finden, der sicherer ist und mehr Vertrauen garantiert. Gerade Banken haben ein großes Interesse daran, sagt Fintech- und Blockchain-Experte Oliver Naegele: „Die Blockchain ist das erste Tool, mit dem man programmiertes Vertrauen im Internet aufbauen kann.“ Das Werkzeug kommt wie gerufen, auch und gerade für Kommunikatoren. So attestiert das „Edelman Trust Barometer“ der Wirtschaft zurzeit eine tiefe Vertrauenskrise. Kommunikation allein könne diese nicht lösen.

Blockchain

Eine Blockchain ist eine Kette von Datensätzen und damit eine Datenbank, deren Register dezentral auf vernetzten Rechnern liegt. Alle können das Register einsehen, aber nicht ändern. Dadurch gilt es als sicher. Bekannt geworden ist die Blockchain durch „Bitcoin“, eine Kryptowährung, die das Phantom Satoshi Nakamoto 2008 erfunden hat.

Zentralisierung aufsprengen

Gerade der Ansatz, Personen identifizierbar zu machen, ist momentan der zentralste im Blockchain-Markt. Viele entwickeln die nötige Infrastruktur für eine digitale Identität, weltweit schließen sich Allianzen. „Eine digitale Identität ist ein Menschenrecht, das wir mit der Blockchain ermöglichen wollen“, sagt Joachim Lohkamp. Mit seinem Start-up Jolocom will er das „Datensklaventum“ (O-Ton) beenden. Statt Plattformen die Macht über Daten zu geben – wie aktuell zum Beispiel Facebook –, wären Nutzer über eine digitale Identität mit ihren Daten verbunden, die sie anderen zur Verfügung stellen – und auch wieder entziehen können.

Für Verlage sei die digitale Identität überlebensnotwendig, sagt Ingo Rübe. Ebenso wie für den digitalen Werbemarkt. Beides prüft der Geschäftsführer aktuell im Start-up Bot Lab, das er im Januar zusammen mit dem Burda-Verlag eröffnet hat.

„Die Zentralisierung hat dazu geführt, dass alle Informationen über die User und alle Werbeeinnahmen in der Hand von zwei Anbietern liegen: Facebook und Google“, sagt Rübe. „Die Blockchain hat die große Kraft, diese Zentralisierung aufzusprengen und das Internet zu demokratisieren.“

So offen denkt nicht jeder. Das Interesse am Thema sei zwar groß, sagen alle Experten, doch oftmals fehle Unternehmen der Mut, ein wirklich dezentrales System umzusetzen. Viele Investoren würden Projekte finanzieren, die viel versprechen, aber wenig halten, sagt Rübe: „Es wird wahnsinnig viel Geld verbrannt. Dabei bietet die Blockchain ein großes Potenzial für substanzielle Verbesserungen.“

Für Lohkamp ist es ein nachvollziehbarer Lernprozess, sich an die Technik heranzutasten und auf einer privaten Blockchain auszuprobieren. Wer aber nicht vorhabe, sich irgendwann von der Zentralisierung zu verabschieden, verpasse den eigentlichen Mehrwert. Denn das bringe am Ende weder mehr Sicherheit noch mehr Vertrauen.

 

 
 


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