Ein Kommentar zur Taxi-App UBER (c) Andreas Rodriguez
Ein Kommentar zur Taxi-App UBER (c) Andreas Rodriguez

Bitte nicht UBERheblich

Tapio Liller, Managing Partner bei Oseon, hegt Symphatien für die Taxi-App Uber und findet, die Taxibranche gehört aufgemischt. Ein Kommentar
Tapio Liller

Meine Erfahrungen mit Taxifahrten reichen von verqualmten Rostlauben in Berlin über miserable Ortskenntnisse im Ruhrgebiet bis zur Nahtoderfahrung bei Tempo 190 auf der Fahrt vom Frankfurter Flughafen nach Hause. Vielleicht bin ich deshalb befangen, wenn ich für Uber, den Chauffeurdienst aus dem Smartphone, Sympathien hege. Die Taxibranche ist eine der letzten Bastionen robust regulierter Märkte und verdient es, aufgemischt zu werden – mit besserer Qualität, günstigeren Preisen und zuvorkommendem Service.

Doch das wird nicht einfach, denn die Taxilobby ist gut vernetzt mit der Politik und städtischen Behörden. Entsprechend weht Uber und anderen „Ridesharing“-Diensten ein eiskalter juristischer Wind ins Gesicht. Das Landgericht Frankfurt am Main erließ jüngst gar eine einstweilige Verfügung, die Uber bundesweit die Vermittlung von Personenbeförderungen durch private Fahrer untersagt. Ausgang des juristischen Streits: offen.
Die Gegenwehr der Etablierten ist nicht weiter überraschend. Die Kommunikation des milliardenschweren US-Unternehmens ist es schon, auf eine ungute Art.

Uber versucht es nicht nur in Deutschland mit der alten Wildwest­methode: erst schießen, dann fragen. Es ignoriert behördliche Anordnungen und bezichtigt in seinem Blog Politik und Ämter der Innovationsfeindlichkeit. Dabei macht es die Rechnung ohne das deutsche Rechtssystem – und ohne seine wichtigsten Stakeholder.

Denn so dringend nötig eine Liberalisierung des Taximarkts aus Sicht der Kunden auch sein mag, es wird nicht reichen, sich als Kämpfer für „mehr Auswahl, Freiheit und innovative Mobilitätsoptionen“ (Uber) zu geben. Für einen Umbruch braucht es einen langen Atem und politische Allianzen. Und die schmiedet man nicht mit trotzigen Beleidigungen der Gesprächs­partner.

Uber ist nicht das einzige Unternehmen aus den Vereinigten Staaten, das sich im föderalen Deutschland erst ein paar Schrammen holen musste, um zu erkennen, dass hier Wildwestmethoden nicht verfangen. Auch Google und Facebook versuchten es erst mit dem Habitus des Eroberers – und folgen heute weitgehend den hiesigen Gepflogenheiten bei Lobbyarbeit und PR.

Ich wünsche Uber dabei eine glückliche Hand. Selbst wenn sie als innovativer Wettbewerber nur dafür sorgen, dass man wieder gern ins Taxi steigt und mit ihm entspannt und sicher ans Ziel kommt.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

Kommentare

Die Chancen für Uber stehen schlecht. Aufgerüttelt hat es die Gemeinde der sturen deutschen Taxidriver allemal. Disruptive Geschäftsmodelle kann man nicht durch "Startup-Unternehmer mit Geld zuscheissen" umsetzten. Das werden auch die Uber Investoren merken. Ich brauche kein Uber und freue mich meiner TAXI-APP und den noch freundlichen Fahrern.


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Puma genießt in der Bevölkerung unter den MDax-Gesellschaften das höchste Ansehen. (c) Getty Images/stevanovicigor
Foto: Getty Images/stevanovicigor
Lesezeit 1 Min.
Meldung

Puma hat das beste Image bei den Deutschen

Eine Befragung hat ermittelt, wie beliebt Mdax-Unternehmen in der Bevölkerung sind. Außerdem: Lufthansa-Chef Carsten Spohr genießt die höchste Reputation unter den MDax-CEOs. »weiterlesen
 
Wechselt sich im Corona-Podcast des NDR mit Christian Drosten ab: Prof. Sandra Ciesek. (c) Picture Alliance/dpa/Frank Rumpenhors
(c) Picture Alliance/dpa/Frank Rumpenhors
Lesezeit 5 Min.
Analyse

Beleidigende Fragen und gönnerhaftes Lob

Zwei Redakteurinnen des Nachrichtenmagazins versuchten, die renommierte Virologin Sandra Ciesek in einem Interview als „Quotenfrau“ und „die Neue an Drostens Seite“ abzuqualifizieren. Auf Kritik reagierte die „Spiegel“-Redaktion unsouverän und anbiedernd. »weiterlesen
 
Onarans neues Buch erklärt, wie man sich positioniert und ein authentisches Thema findet. (c) Goldmann Verlag
Cover: Goldmann Verlag
Lesezeit 2 Min.
Rezension

Auftauchen statt Untergehen

In ihrem neuen Buch plädiert Tijen Onaran dafür, sich selbst zu reflektieren und sichtbar zu werden. Als Personal Brand könnten sich vor allem berufliche Vorteile ergeben. »weiterlesen
 
Siemens-Chef Joe Kaeser überzeugt Wirtschaftsjournalist:innen. (c) Siemens
Foto: Siemens
Lesezeit 2 Min.
Studie

Siemens-Chef Kaeser überzeugt Journalist:innen

Die Dax-CEOs Joe Kaeser, Kasper Rorsted und Timotheus Höttges genießen das größte Ansehen unter Wirtschaftsjournalist:innen, wie eine aktuelle Umfrage ergab. »weiterlesen
 
Bürogebäude von Scholz & Friends in Berlin. (c) picture alliance/Bildagentur-online/Schoening
picture alliance_Bildagentur-online_Schoening
Lesezeit 5 Min.
Kommentar

Schlechtes Agenturklima

Ehemalige und aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werfen Scholz & Friends vor, ein sexistisches Klima zu dulden. Andere Agenturen sollten analysieren, wie es eigentlich bei ihnen aussieht. »weiterlesen
 
Fototermin mit Maske bei Roche: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (l.) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. (c) picture alliance/dpa | Peter Kneffel
Foto: picture alliance/dpa/Peter Kneffel
Lesezeit 7 Min.
Bericht

Kontrollierte Offensive

Die Welt hofft, dass die Pharmaunternehmen bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus finden. Die Industrie selbst gibt sich vorsichtig: Zu große Erwartungen will sie nicht wecken. »weiterlesen