Tipps für Unternehmensfilme (c) Thinkstock/fergregory
Tipps für Unternehmensfilme (c) Thinkstock/fergregory

Bewegtbild erfolgreich in der Kommunikation einsetzen

Der Regisseur Peter Benkowitz gibt Tipps für eine erfolgreiche Umsetzung und Produktion von Unternehmensfilmen.
Peter Benkowitz
 

Corporate Film – Was ist das?

Corporate Film ist ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskommunikation. Bewegtbild trägt zum Verstehen komplexer Vorgänge mehr bei als es 1000 Worte vermögen. Ihr Image oder die Marke erfährt in kurzer Zeit die gewünschte Marktdurchdringung, Ihr Produkt wird emotional aufgeladen, der Film informiert flächendeckend oder lokal über das Internet und TV und präsentiert auf unvergessliche Weise Ihre Alleinstellungsmerkmale (USPs).

Die Einsatzmöglichkeiten sind umfangreich:

- bei Schulungen der Mitarbeiter (Corporate Behaviour-Maßnahmen)

- im Change Management (Strukturveränderungen im Unternehmen)

- auf Messen, Produktpräsentationen oder auf Roadshows

- für die Homepage, im „Viralen Marketing", im TV und im Kino

- bei internen/externen Events

So wird das Unternehmen (Corporate Identity) sichtbar und wahrnehmbar.

Die Idee – Storytelling oder Erklärfilm?

Es geht nicht immer um Storytelling – wenngleich dies momentan der Zauberbegriff ist. Oft will nur informiert, erklärt oder aktualisiert werden. Wer aber am Image oder an der Marke etwas verändern möchte, braucht eine Dramaturgie; einen roten Faden, der sich durch den Film zieht. Noch vor der Idee muss Ihnen klar sein, warum Sie einen Film machen wollen. Bei der Warum-Frage geht es jedoch nicht immer um Analyse oder Marktforschung. Es reicht auch aus, dass Sie es einfach wollen, denn das Unternehmer-Gefühl liegt hier oft richtig.

Ob erfahren oder nicht, visualisieren Sie die Idee so gut es geht. Ein Drehbuch ist Pflicht – Moodboards, Animatics und Storyboards geben  für beide Seiten Produktionssicherheit: für den Auftraggeber und für den Auftragnehmer – und schließt am Ende eine Überraschung in Bezug auf Kosten oder Inhalt des Films aus. Überlegen Sie sich gut, was der Film beim Zuschauer auslösen soll. Bereiten Sie das Unternehmen auf Reaktionen zum Film vor. Der Erfolg für das Unternehmen (Umsatz/Verkauf) steht naturgemäß im Vordergrund, aber ich muss wissen, was ich bewerbe.

Partner – Agentur oder Filmproduktion?

Die Auswahl des richtigen Partners gestaltet sich oft schwierig. Sie haben die Wahl zwischen Ihrer Agentur, einer Filmproduktion oder einer Einzelperson. Welche Erfahrung im Bereich Film bringen Sie und Ihre Mitarbeiter mit? Hat Ihre Werbeagentur die Erfahrung oder steckt sie nur ihre Vermittlungsgebühr ein? Wem können Sie vertrauen und um welches Budget geht es? Dies sind einige der ersten Fragen, die Sie sich stellen sollten. Damit verbunden ist auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, Zeit zu investieren und als ständiger Ansprechpartner für Fragen der Filmherstellung zur Verfügung zu stehen.

Ich kann Ihnen hier keine allgemeingültigen Ratschlag geben. Egal für welche Variante Sie sich entscheiden werden: Beziehen Sie ihr Unternehmen in den gesamten Herstellungsprozess bewusst ein und nutzen Sie die Chance einer interdisziplinären Zusammenarbeit Ihrer Abteilungen und fordern Sie damit das Wir-Gefühl im Unternehmen.

Filmproduktion – Mitmachen oder Budget?

Das Budget hängt stark von der Mitwirkungspflicht des Unternehmens ab. Ihr Unternehmen liefert letztendlich alle wichtigen Daten und Fakten zu den Produkten/Dienstleistungen. Sie kennen als einziger die Abläufe im Unternehmen oder die Spezifikationen der Produkte, Vorteile oder Nachteile der Anwendungen und wissen, was für Sie wichtig ist. Prototypen, CAD-Daten für Animationen, Sicherheitsbestimmungen und Verfügbarkeiten der Locations sowie der Mitarbeiter sind Leistungen, die von Ihnen kommen müssen, um bei der Produktion den Zeitplan wie auch das Budget im Rahmen der Vorgaben zu halten. Sie brauchen definitiv eine interne Projektplanung und einen Produktmanager, der bei wichtigen Shots zur Verfügung steht. Er übernimmt die Verantwortung für die richtige Darstellung des Produkts und die Einhaltung des CI.

Eine Filmproduktion ist als ein Projekt des Unternehmens zu sehen. Bei der richtigen Einstellung entsteht ein großer Zusatznutzen an Spaß, Motivation und Teamwork.

Abgedreht, Abnahme und Präsentation – der Film wird sichtbar

Geben Sie den Filmemachern einen Vertrauensvorschuss und warten die erste Version ihres Films ab. Zeigen Sie aber Interesse und warten nicht zu lange mit der ersten Abnahme. Bei der Abnahme geht es nicht um Kritik oder um Bemerkungen wie "Das gefällt mir nicht!". Es geht um das Erreichen des Ziels. Bei der ersten Abnahme benötigen Sie als Kunde ein großes Vorstellungsvermögen. Es fehlen noch Grafiken, Sprecher, Sounddesign und Co. Versuchen Sie für sich zu klären, ob die Aufnahmen inhaltlich den Vorgaben ihrerseits (Vertrag) entsprechen. Noch können Sie in dieser Phase eine Korrektur vornehmen oder einen Nachdreh veranlassen.

Die Entstehungsprozesse in der Postpro können sehr komplex sein. Animationen und Special Effects sowie Musik-Kompositionen entstehen parallel zum Schnitt und können oft erst später bei der Feinschnitt-Abnahme eingefügt werden. Bringen Sie sich aktiv bei der Entstehung mit ein – bei gewachsenem Vertrauen, ist das Team über Ihren konstruktiven Beitrag immer dankbar und der Film gewinnt an Qualität.

Corporate Film – der kleine Bruder aus Hollywood!

Der wesentliche Unterschied von Corporate Filmen zu Fiction- oder Non-Fiction-Filmen im TV, Kino und auf Filmfestivals ist der Kontext, das Umfeld der Entstehung und die Aufgabenstellung.

Der Unternehmensfilm dient nicht ausschließlich der Unterhaltung und muss nicht die Kosten der Herstellung einspielen oder Gewinne abwerfen. Im Unternehmensfilm werden Ziele für Ihr Unternehmen definiert. Sein Erfolg wird daran gemessen, ob die Bildsprache stark genug auf die Handlungsmotivation der Zielgruppe einwirkt. Was löst der Film letztendlich aus? Optimalerweise ist er in eine Marketingstrategie des Unternehmens integriert. Aufgrund der Einhaltung der CI ist er unverkennbar dem Auftraggeber zuzuordnen und trägt somit nachhaltig zum Erfolg einer Kampagne bei.

Entscheiden Sie sich für einen Werbefilm/-spot und dessen Schaltung im TV/Kino vermischen sich oft Hollywood und Corporate Film zur Königsklasse. Durch die hohen Schaltkosten oder den Einsatz von Testimonials (Promis) können Spots richtig ins Budget gehen. Hier ist die sorgfältige Planung Voraussetzung für den Erfolg.

Marketing und die Sprache des Auftraggebers stellen immer wieder eine neue Herausforderung für die Filmemacher des Corporate Film dar. Erfolgreich ist, wer die Sprache des Kunden versteht und die Fertigkeit besitzt, diese in die richtige Bildsprache zu integrieren.

 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Wortlos: Warum Texte in der PR durch Bilder ersetzt werden (c) Björn Eichstädt
Foto: Björn Eichstädt
Lesezeit 4 Min.
Interview

Wortlos: Warum Texte in der PR durch Bilder ersetzt werden

Werden Worte und Wörter in der Unternehmenskommunikation bald von Bildern ersetzt? PR-Experte Björn Eichstädt erklärt, warum Texte immer unwichtiger werden und was ein fallender Apfel, das Wetter bei Obamas Wiederwahl und japanische Züge damit zu tun haben. »weiterlesen
 
Bloß nicht authentisch! Tipps für Bewegtbild in der Unternehmenskommunikation (c) Getty Images/Fuse
Foto: Getty Images/Fuse
Lesezeit 5 Min.
Interview

Bloß nicht authentisch! Tipps für Bewegtbild in der Unternehmenskommunikation

Bewegtbild in der Unternehmenskommunikation will jetzt jeder. Kommunikationsexperte Markus Resch warnt vor Aktionismus, Gummibäumen und der Wirklichkeit im Film und erklärt, wie man eine weiße Wand inszeniert. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

"Milch" kommt künftig nur noch von der Kuh und anderen Tieren, entschied der Europäische Gerichtshof. Pflanzliche Produkte dürfen die Bezeichnung nicht mehr tragen. (c) Thinkstock/Astrid860
Foto: Thinkstock/Astrid860
Lesezeit 2 Min.
Glosse

Marketing unterm Veggie-Dach

Vor Kurzem entschied der Europäische Gerichtshof, dass Tofubutter nicht mehr Tofubutter und Sojamilch nicht mehr Sojamilch heißen dürfen. Was nun? Unsere sprecherspitze zu Vegan-Food-Marketing in Post-Schwindel-Zeiten. »weiterlesen
 
Verification Officer Stefan Voß (l.) und Nachrichtenchef Froben Homburger (r.) wollen mit einer neuen Verifikationseinheit den Faktencheck bei der dpa stärken. (c) Laurin Schmid
Foto: Laurin Schmid
Lesezeit 8 Min.
Reportage

Traue ­niemandem!

Medien verlassen sich darauf, dpa-Meldungen übernehmen zu können, ohne sie zu überprüfen. Die Nachrichtenagentur sorgt für einen verlässlichen Faktencheck. Die Sozialen Medien, gehackte Twitter-Accounts und gefälschte Meldungen machen den hektischen Agenturalltag jedoch immer atemloser. Nachrichtenchef Froben Homburger und Verification Officer Stefan Voß wollen mit einer neuen Verifikationseinheit den Faktencheck stärken. Ein Redaktionsbesuch. »weiterlesen
 
Wohlfühlgeschichten werden gerne im Netz geteilt, zerstören aber auf Dauer die Glaubwürdigkeit von Medien und PR. (c) Thinkstock/NatalyaAksenova
Foto: Thinkstock/NatalyaAksenova
Lesezeit 6 Min.
Lesestoff

Zu schön, um wahr zu sein

Das Netz ist voll von Geschichten. Doch nicht alle sind wahr. Während die Debatte um Fake News und Lügenpropaganda tobt, machen sich Wohlfühlgeschichten breit, die eher unbemerkt die Glaubwürdigkeit von Medien und PR verspielen. »weiterlesen
 
Als Staatsanwältin versteht sie, wovon sie spricht: Frauke Köhler informiert über den Ermittlungsstand in schwerwiegenden Staatsschutz-Strafsachen. Foto: Laurin Schmid
Foto: Laurin Schmid
Lesezeit 6 Min.
Interview

"Ich informiere, ohne Ermittlungen zu gefährden"

Sieht man sie vor die Kamera treten, weiß man, etwas ­Schlimmes ist passiert: Frauke Köhler, Sprecherin des General­bundesanwalts, kommuniziert den Ermittlungsstand in allen ­schwerwiegenden Staatsschutz-Strafsachen. Wie kann man in Gefährdungslagen aufklären, ohne zu ­alarmieren? »weiterlesen
 
Claims sind besonders erfolgreich, wenn sie Stimmungen, Gefühle und Sehnsüchte einer Generation aufgreifen. (c) Thinkstock/Sedan504
Foto: Thinkstock/Sedan504
Lesezeit 8 Min.
Lesestoff

Wie kreative Werbesprüche im Gedächtnis bleiben

Der Claim bringt die DNA einer Marke auf den Punkt. Den richtigen zu finden, ist für Unternehmen überlebenswichtig und oft eine Herausforderung. Was macht Claims schlagkräftig, gar unsterblich? Und wann lohnt sich dennoch der Abschied? »weiterlesen
 
Geht es Ihnen auch manchmal so? (c) Thinkstock/CAUNOZOLS
Geht es Ihnen auch manchmal so? (c) Thinkstock/CAUNOZOLS
Lesezeit 4 Min.
Gastbeitrag

Mut zur Langeweile: So besiegen Sie Schreibblockaden

Eigentlich schien alles auf einem guten Weg. Das Motto stand, die Kernaussagen waren definiert. Es sollte sich alles so runterschreiben lassen. Doch dann zog es sich. Jetzt herrscht kurz vor der großen Pressekonferenz immer noch gähnende Leere in der Pressemappe. Wieder einmal. Genau wie damals, bei der Abschlussarbeit an der Uni. Schreibblockade? Nein, ein ganz normaler kreativer Prozess. Prokrastination, etwas Langeweile und ein knallharter Spurt auf den letzten Metern gehören dazu. Pressesprecher, die das verstehen, haben es leichter. »weiterlesen