Bayer kritisiert das ZDF für seine "einseitige" Berichterstattung. (c) Getty Images / fotokostic
Bayer kritisiert das ZDF für seine "einseitige" Berichterstattung. (c) Getty Images / fotokostic
Wegen „einseitiger“ Berichterstattung

Bayer kritisiert das ZDF

In seinem digitalen Magazin hat Bayer dem ZDF eine „einseitige“ und „wenig faktenbasierte“ Berichterstattung vorgeworfen. Dabei hat der Konzern besonders zwei aktuelle Beiträge des Senders im Visier.
Aus der Redaktion

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat in seinem digitalen Magazin zwei Beiträge des ZDF zu den Themen Landwirtschaft und Biodiversität kritisiert. Gleichzeitig verteidigte der Konzern seine Entscheidung, entgegen seines Anspruchs zur Dialogbereitschaft mit Kritikern dem Sender lediglich ein kurzes schriftliches Statement geliefert zu haben.

Konkret geht es um die ZDF-Beiträge „Bioschutz statt Ackergift“ vom 27. Oktober sowie „Bayer, Bauern und die Bienen“ vom 31. Oktober. Für beide Beiträge sei Bayer um eine Stellungnahme vor der Kamera gebeten worden, habe sie letztendlich jedoch abgelehnt. Laut ZDF hatte Bayer seine Absage pauschal mit einer „unfairen Behandlung durch die Medien“ begründet. Bayer dementiert: Vielmehr sei von Anfang an erkennbar gewesen, dass mit einer „differenzierten und faktenbasierten“ Berichterstattung nicht zu rechnen war. Die „Rollen von Gut und Böse“ seien längst verteilt gewesen.

In dieser Einschätzung habe sich Bayer nach Ausstrahlung bestätigt gefühlt. Zur Veranschaulichung führt der Konzern in seinem Magazinbeitrag mehrere Beispiele an: So stört man sich unter anderem daran, dass die ZDF-Moderatorin Antje Pieper einen der Beiträge mit den Worten „Hier geht es jetzt um das große Bienensterben und das tödliche Geschäft mit Pflanzengiften“ ankündigte. Mehr Framing in nur einem Satz gehe kaum, so Bayer.

Die Unterstellung, es gäbe in Deutschland ein großes Sterben der Honigbienen, sei zudem schlicht falsch. Tatsächlich hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit die Gefahr, die von bestimmten Neonicotinoiden für Bienen ausgeht, im vergangenen Jahr bestätigt. Bayer zeigte sich mit den Ergebnissen schon damals nicht einverstanden und verwies auf gegenteilige wissenschaftliche Beurteilungen.

Die Redaktion, so ein weiterer Kritikpunkt, habe dem Unternehmen gegenüber ausdrücklich eine „ausgewogene, journalistisch saubere und faire Berichterstattung“ versprochen. Stattdessen habe man den Zuschauern einen bekannten Kritiker von Pflanzenschutzmitteln nach dem anderen präsentiert; andere Sichtweisen seien „praktisch komplett ignoriert“ worden.

Nach eigenen Angaben legt Bayer großen Wert auf den offenen und konstruktiven Austausch mit allen Interessengruppen, auch auf die Diskussion mit Kritikern. Das Motto: „Dialog statt Deckung“. Im Fall des ZDF fand dieser Wahlspruch jedoch keine Anwendung, denn: „Ein solcher Dialog setzt voraus, dass es auf beiden Seiten ein aufrichtiges und ernsthaftes Interesse an der Argumentation des jeweils anderen gibt.“

 

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Monsanto soll in Deutschland verdeckt Studien finanziert haben./ Pestizid: (c) Getty Images/Canetti
Foto: Getty Images/Canetti
Meldung

Monsanto soll Glyphosat-Studien gekauft haben

Monsanto soll laut Lobby Control Studien in Deutschland finanziert haben, die den Nutzen von Glyphosat betonen. »weiterlesen
 
Das AfD-Aussteigerprogramm richtet sich gegen den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. / "Aussteigerprogramm": (c) Screenshot
Foto: Screenshot
Meldung

Jimdo schaltet „Aussteigerprogramm“ der AfD ab

Jimdo nimmt das AfD-Meldeportal für „Mainstream-Journalisten“ offline. Das Portal sei „antidemokratisch“. »weiterlesen
 
Investigativer Journalismus soll das Dunkelfeld der Gesellschaft erhellen./ Uwe Herzog: (c) Kirsten Herzog
Uwe Herzog. Foto: Kirsten Herzog
Interview

Warum der Pressekodex "Team Wallraff" verbietet

Journalist Uwe Herzog erklärt im Interview, warum es das vermeintlich investigative "Team Wallraff" überhaupt nicht geben dürfe. »weiterlesen
 
Der Bremer Bürgermeister schlägt ein "Zeitungsreferendum" über Presseförderungsmittel vor. (c) Getty Images / Fedor Kozyr
Foto: Getty Images / Fedor Kozyr
Meldung

Bürger sollen über Presseförderung entscheiden

Der Bremer Bürgermeister hat einen Bürgerentscheid über die Verteilung der Pressefördergelder vorgeschlagen – und stieß damit überwiegend auf Ablehnung. »weiterlesen
 
Passionierte Journalisten werden in der PR nur glücklich, wenn sie nicht zu Kommunikationssoldaten werden. (c) Getty Images / Tiago_Fernandez
Foto: Getty Images / Tiago_Fernandez
Gastbeitrag

Nicht zum Kommunikationssoldaten werden!

Ein Leben lang Journalismus? Laura Fölmer hat die Seiten gewechselt – und empfindet das als Bereicherung. »weiterlesen
 
Bloomberg will seinen Haupteigner und dessen demokratische Mitbewerber von investigativer Recherche verschonen - nicht aber Donald Trump. (c) Getty Images / 3dfoto
Foto: Getty Images / 3dfoto
Meldung

Bloomberg verzichtet auf Investigativrecherchen

Die Nachrichtenagentur will nicht investigativ über den Haupteigner oder seine demokratischen Mitbewerber berichten. Für Donald Trump gilt das jedoch nicht. »weiterlesen