Autorisierung – nötig oder nervig? Das Vertrauen entscheidet. (c) Getty Images/iStockphoto
Autorisierung – nötig oder nervig? Das Vertrauen entscheidet. (c) Getty Images/iStockphoto

Autorisierung – nötig oder nervig? Das Vertrauen entscheidet.

In unserer Rubrik "Ein Thema, vier Perspektiven" sprechen Kommunikationsexperten Klartext. Heute: Kristin Breuer von AstraZeneca.
Hilkka Zebothsen

Für Kommunikatorin Kristin Breuer zählt vor allem das Vertrauen.

„Ich bin eine überzeugte Anhängerin der Autorisierung von Zitaten. Meine Kollegen aus unserer Firmenzentrale in London sind darüber immer ganz entsetzt. Für sie ist das – wie sie es nennen – „Herumpfuschen” an journalistischen Texten undenkbar. Auch wenn sie dann erfahren, dass dies in der deutschen Presselandschaft üblich ist, sind sie meist dennoch in tiefer Sorge, ob sich die Journalisten dadurch nicht zensiert fühlen könnten. Auf der anderen Seite sind meine britischen Kollegen viel schneller bereit, Heerscharen von Anwälten in Stellung zu bringen, sollte ein Zitat nicht hundertprozentig korrekt wiedergegeben worden sein. Auch die Gesprächsatmosphäre selbst ist meist deutlich angespannter.

Genau das ist der Grund, weshalb ich die Autorisierung von Zitaten insbesondere bei Interviews sinnvoll und hilfreich finde: Ein Interview ist für beide Seiten dann ein Gewinn, wenn sich die Gesprächspartner auf einander einlassen und eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre entsteht. Dafür muss der Interviewte in der Lage sein, Hintergründe und Zusammenhänge offen darlegen zu können. Hier nachträglich die eine oder andere zu salopp getroffene Aussage korrigieren zu können, schafft Freiheit für das Gespräch. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund sich stetig verschärfender Haftungsregeln ermöglicht diese Form des Umgangs bei Unternehmensvorständen häufig überhaupt erst die Bereitschaft, sich unverstellt auf Gesprächspartner einzulassen.

Wichtig ist beim Autorisieren natürlich das Augenmaß: Präzisierung ja, Sinnentstellung nein! Es darf nicht darum gehen, die Geschichte kaputt zu redigieren.

Lassen sich die Beteiligten darauf ein, ist das ein Gewinn für alle: Der Gesprächspartner kann seine Anliegen klarer vermitteln, der Journalist hat die Chance auf eine bessere Geschichte, der Leser bekommt eine spannendere Story und das Medium selbst gewinnt im Idealfall auch noch durch ein besseres Zitate-Ranking.“

 

 
Kristin Breuer (c) AstraZeneca
Kristin Breuer

Kristin Breuer leitet die Unternehmenskommunikation des internationalen Pharmakonzerns AstraZeneca in Wedel.

 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Ein Thema, vier Perspektiven: Autorisierung (c) Getty Images/iStockphoto
Foto: Getty Images/iStockphoto
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Autorisierung - nervig oder nötig?

In unserer Rubrik "Ein Thema, vier Perspektiven" sprechen Kommunikationsexperten Klartext. »weiterlesen
 
Autorisierung - nervig oder nötig? Hauptsache, schnell! (c) Getty Images/iStockphoto
Foto: Getty Images/iStockphoto
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Autorisierung - nervig oder nötig? Hauptsache, schnell!

In unserer Rubrik "Ein Thema, vier Perspektiven" sprechen Kommunikationsexperten Klartext. »weiterlesen
 
Autorisierung – nötig oder nervig? Bitte kein glatt gehobelter PR-Sprech (c) Getty Images/iStockphoto
Grafik: Getty Images/iStockphoto
Lesezeit 3 Min.
Kommentar

Autorisierung – nötig oder nervig? Bitte kein glatt gehobelter PR-Sprech

In unserer Rubrik "Ein Thema, vier Perspektiven" sprechen Kommunikationsexperten Klartext. DJV-Sprecher Hendrik Zörner setzt auf Absprachen im Vorfeld. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

Wie generiert man im Wettbewerb mit Platzhirschen Aufmerksamkeit? (c) Bo Soremsky
Bild: Bo Soremsky
Lesezeit 1 Min.
Lesestoff

Wie man Platzhirschen die Stirn bietet (4)

Von Post und Bahn bis Onlinehandel: Manche Märkte in Deutschland sind von Monopolen geprägt, von ehemaligen Monopolen, Quasi-Monopolen oder schlichtweg von Giganten. Wie behaupten sich Konkurrenten kommunikativ im Wettbewerb mit den Riesen? Ein Blick auf die Herausforderer. Teil vier: Flixbus gegen die Deutsche Bahn. »weiterlesen
 
Journalisten bescheinigen dem Softwarehersteller eine gute Pressearbeit. (c) Getty Images/josefkubes
Foto: Getty Images/josefkubes
Lesezeit 1 Min.
Meldung

SAP hat die beste Finanzkommunikation

Der Softwarehersteller SAP erhält für seine Pressearbeit Lob von Journalisten. Den besten Ruf genießt Daimler-Finanzchef Bodo Uebber. »weiterlesen
 
Eine kluge Strategie beinhaltet fünf Schritte. (c) Getty Images/avdyachenko
Foto: Getty Images/avdyachenko
Lesezeit 4 Min.
Ratgeber

So wird der Podcast ein Erfolg

Unternehmen sollten Audioformate als attraktiven Bestandteil ihres Kommunikationsmixes begreifen. Wie Sie in fünf Schritten strategisch klug vorgehen. »weiterlesen
 
Wie generiert man im Wettbewerb mit Platzhirschen Aufmerksamkeit? (c) Bo Soremsky
Bild: Bo Soremsky
Lesezeit 2 Min.
Lesestoff

Wie man Platzhirschen die Stirn bietet (3)

Von Post und Bahn bis Onlinehandel: Manche Märkte in Deutschland sind von Monopolen geprägt, von ehemaligen Monopolen, Quasi-Monopolen oder schlichtweg von Giganten. Wie behaupten sich Konkurrenten kommunikativ im Wettbewerb mit den Riesen? Ein Blick auf die Herausforderer. Teil drei: Postcon und Pin Mail gegen die Deutsche Post. »weiterlesen
 
Wie ein Leckerli: Die perfekte Überschrift ködert den Leser. (c) Getty Images/Vergani_Fotografia
Foto: Getty Images/Vergani_Fotografia
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Leckerli für den Leser

Kurz und reizvoll soll sie sein, ohne den Textinhalt zu verfälschen: die Überschrift. Rechtsstreitigkeiten belegen, wie heikel das Formulieren mitunter ist. Wann ist eine Überschrift gelungen, wann kritisch? Unser Kolumnist klärt auf. »weiterlesen
 
Kleider machen nicht nur Leute, sie prägen auch das Bild von Konzernen. (c) Getty Images/YakobchukOlena
Foto: Getty Images/YakobchukOlena
Lesezeit 5 Min.
Lesestoff

Sind Dresscodes noch zeitgemäß?

Kleider machen Leute – und prägen den Stil und Auftritt eines Unternehmens. Viele Firmen legen Wert darauf, dass Mitarbeiter sich an Dresscodes halten oder gar einheitliche Uniformen tragen. Aber ist standardisierte Berufskleidung in einer individualisierten Arbeitswelt noch zeitgemäß? »weiterlesen