Autorisierung – nötig oder nervig? Bitte kein glatt gehobelter PR-Sprech (c) Getty Images/iStockphoto
Autorisierung – nötig oder nervig? Bitte kein glatt gehobelter PR-Sprech (c) Getty Images/iStockphoto

Autorisierung – nötig oder nervig? Bitte kein glatt gehobelter PR-Sprech

In unserer Rubrik "Ein Thema, vier Perspektiven" sprechen Kommunikationsexperten Klartext. DJV-Sprecher Hendrik Zörner setzt auf Absprachen im Vorfeld.
Hilkka Zebothsen

Wer gegen Spielregeln verstößt, muss leiden, findet DJV-Sprecher Hendrik Zörner.

„Lang, lang ist’s her, dass die „taz“ ein bis zur Unleserlichkeit autorisiertes Interview mit dem damaligen SPD-Generalsekretär Olaf Scholz ins Blatt gehoben hat. Die Veröffentlichung löste eine heftige Debatte über Sinn und Unsinn der Interview-Autorisierungen aus. Scholz war blamiert, andere redaktionswütige Spitzenpolitiker auch – geändert hat sich seitdem wenig. Warum auch, sehen doch die deutschen Gesetze ein Recht am eigenen Wort vor? Was das mit der journalistischen Gattung des Interviews macht, wie lesbar der glatt gehobelte PR-Sprech ist, scheint nur Medienwissenschaftler umzutreiben. Für Politiker, Dax-Vorstände und Entertainment-Promis zählt nicht die Aussage, sondern ihre Wirkung auf Leser und Zuschauer.

Interviewfestigkeit gehört in den angelsächsischen Ländern zu den Voraussetzungen einer Politiker- oder Managerkarriere. Wer dort in den Medien gut rüberkommen will, muss druckreif sprechen können. Für deutsche Journalisten sind das paradiesische Zustände, von denen sie nur träumen können.

Um trotzdem im Redaktionsalltag zu bestehen, sollten sie bereits bei der Terminabsprache mit ihren Interviewpartnern Konsens über die Spielregeln herstellen. So ist die Frage, ob das Interview autorisiert werden muss, im Vorhinein zu klären. Und auch über den Umfang der Autorisierungen lässt sich Einvernehmen herstellen.

Wenn der Interviewpartner gegen die Spielregeln verstößt, sollte Journalist auf das Interview verzichten. Dann hat er zwar unnötige Arbeitszeit investiert, aber vielleicht die Grundlage für ein erfolgreiches zweites Mal gelegt. Denn auch Prominente sind lernfähig – vor allem dann, wenn es weh tut.“

 

 
Hendrik Zörner (c) DJV
Hendrik Zörner

Hendrik Zörner ist Pressesprecher beim Deutschen Journalisten-Verband.

 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Ein Thema, vier Perspektiven: Autorisierung (c) Getty Images/iStockphoto
Foto: Getty Images/iStockphoto
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Autorisierung - nervig oder nötig?

In unserer Rubrik "Ein Thema, vier Perspektiven" sprechen Kommunikationsexperten Klartext. »weiterlesen
 
Autorisierung - nervig oder nötig? Hauptsache, schnell! (c) Getty Images/iStockphoto
Foto: Getty Images/iStockphoto
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Autorisierung - nervig oder nötig? Hauptsache, schnell!

In unserer Rubrik "Ein Thema, vier Perspektiven" sprechen Kommunikationsexperten Klartext. »weiterlesen
 
Autorisierung – nötig oder nervig? Das Vertrauen entscheidet. (c) Getty Images/iStockphoto
Foto: Getty Images/iStockphoto
Lesezeit 3 Min.
Kommentar

Autorisierung – nötig oder nervig? Das Vertrauen entscheidet.

In unserer Rubrik "Ein Thema, vier Perspektiven" sprechen Kommunikationsexperten Klartext. Heute: Kristin Breuer von AstraZeneca. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

PR-Verantwortliche und Journalist:innen stehen in einer Art kommunikativen Symbiose zueinander, aus der Spannendes entstehen kann. (c) Getty Images/scyther5
Foto: Getty Images/scyther5
Lesezeit 1 Min.
Kommentar

PR-Leute wollen nicht nur verkaufen

Kommunikationsverantwortliche und Journalist:innen sollten mehr Verständnis füreinander zeigen, meint Siemens-Kommunikationschefin Clarissa Haller. »weiterlesen
 
Rund um die Rolle von Kindern in der Pandemie ist eine hoch emotionalisierte und krisenanfällige Debatte entbrannt. (c) Getty Images/zsv3207
Foto: Getty Images/zsv3207
Lesezeit 6 Min.
Gastbeitrag

Komplexität im Krisenmodus

Kinderbetreuung in Corona-Zeiten – bei diesem sensiblen Thema wird aus Wissenschaftskommunikation schnell Krisenkommunikation. Was das für die kürzlich vorgestellte „Corona-Kita-Studie“ der Bundesregierung bedeutet, berichtet Katrin Münch-Nebel von der Agentur Ressourcenmangel. »weiterlesen
 
Wechselt sich im Corona-Podcast des NDR mit Christian Drosten ab: Prof. Sandra Ciesek. (c) Picture Alliance/dpa/Frank Rumpenhors
(c) Picture Alliance/dpa/Frank Rumpenhors
Lesezeit 5 Min.
Analyse

Beleidigende Fragen und gönnerhaftes Lob

Zwei Redakteurinnen des Nachrichtenmagazins versuchten, die renommierte Virologin Sandra Ciesek in einem Interview als „Quotenfrau“ und „die Neue an Drostens Seite“ abzuqualifizieren. Auf Kritik reagierte die „Spiegel“-Redaktion unsouverän und anbiedernd. »weiterlesen
 
Zwei Drittel der Deutschen halten die Informationen in deutschen Medien für glaubwürdig – so viele wie noch nie. (c) Getty Images/Tero Vesalainen
Foto: Getty Images/Tero Vesalainen
Lesezeit 2 Min.
Studie

Medien gewinnen an Glaubwürdigkeit

Die Deutschen vertrauen den Informationen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks am meisten. Im Vergleich zu anderen Institutionen schneiden Medien aber nur mittelmäßig ab. »weiterlesen
 
Antje Karbe von der Pressestelle der Universität Tübingen nahm als Erstplatzierte den IDW-Preis für Wissenschaftskommunikation entgegen. (c) Uni Tübingen / ZFM
Foto: Uni Tübingen / ZFM
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Wissenschaftskommunikation zweifach ausgezeichnet

Gleich zwei Preise würdigten die Wissenschaftskommunikation: Drei Kommunikatorinnen sind Forschungssprecherinnen des Jahres. Und die Universität Tübingen überzeugte mit einer Pressemitteilung. »weiterlesen
 
Die Konzernzentrale von BMW. (c) BMW Group/Stadlerphoto.com
Foto: BMW Group/Stadlerphoto.com
Lesezeit 1 Min.
Studie

Dax-Pressearbeit: Automobilbranche vorn

In einer Umfrage loben Wirtschaftsjournalist:innen die Pressearbeit von BMW, Daimler und Volkswagen. Zugleich bemängeln sie Corona-bedingte Kommunikationsprobleme. »weiterlesen