Augmented Reality wird die Kommunikation verändern. (c) Thinkstock/ipopba
Augmented Reality wird die Kommunikation verändern. (c) Thinkstock/ipopba
Medientrends

Augmented Reality – Tor zur virtuellen Welt

Das Internet ist heute überall. Warum können wir es trotzdem nur in einem kleinen Browser auf unseren Smartphones betrachten? Augmented Reality ist im Begriff, das zu ändern. 
Michael Schwertel

Augmented Reality (AR) geistert bereits seit mehreren Jahren als Spielerei durch die Agenturen. Fehlende Devices, Rechenpower und Akzeptanz waren immer Probleme, die nicht gelöst werden konnten. Seit „Pokémon Go“ ist aber klar: AR eröffnet unendliche Möglichkeiten. Wird es die Kommunikation der Menschen verändern, wie es das Smartphone einst getan hat?

Was ist Augmented Reality?

Nach der Definition des Wissenschaftlers Ronald Azuma wird die erweiterte Realität durch drei einfache Punkte charakterisiert:

  1. Die virtuelle Welt und die Realität sind miteinander kombiniert.
  2. Interaktivität findet in Echtzeit statt.
  3. Die virtuelle Realität und die Realität befinden sich in derselben Welt.

Dem User wird – im Gegensatz zur Virtual Reality (VR) – die Realität nicht vorenthalten. Mit VR-Brillen wird der Zuschauer wie in einer Blase isoliert, die den Blick auf das echte Umfeld versperrt. Mit AR kann die Realität sichtbar bleiben und aufgewertet werden: Das Umfeld wird angereichert mit Informationen und Emotionen. Wo man bei VR noch erblindet vor künstlichen Räumen, eröffnet AR die Möglichkeit, mehr über die echten Orte um einen herum zu erfahren. Das gibt Kommunikation und Public Relations die Möglichkeit, Inhalte mit der Realität zu verknüpfen und emotional aufzuladen.

Weiterhin ist eine „Verörtlichung“ von Inhalten möglich, die das Internet bisher nur schwer mit einigen Apps simulieren konnte. Kunden und Interessenten können so gezwungen werden, AR an einem bestimmten Ort wahrnehmen zu können. Das birgt ungeahnte Möglichkeiten, trotz Internet-Shoppings, den Point of Sale wiederzubeleben.

Die Verbreitung ist einfach. Mit einer App kann jeder erreicht werden, der ein Smartphone besitzt (und Firmen wie Google arbeiten emsig an massentauglichen Lösungen). Über die Sensoren im Smartphone kann dann das virtuelle Bild mit der Realität abgeglichen werden. Es ist somit kein weiteres Equipment notwendig. Der Preisverfall bei AR-Brillen lässt erahnen, dass in Zukunft mehr Produkte, wie bereits im VR-Bereich der Fall, günstig zu erwerben sein werden. Erste AR-Brillen sind bereits für wenig Geld im Google-Cardboard-Prinzip erhältlich.

Gibt es bereits erfolgreiche Cases für AR?

Einige. Das bekannteste Beispiel ist wohl die bereits erwähnte App „Pokémon Go“. Das Spiel wird immer wieder als Flop dargestellt, weil die Monster fangenden Horden, die einst durch die Städte zogen, wieder aus dem Stadtbild verschwunden sind. Dabei ist die Spiele-App trotz zurückgegangener Nutzerzahlen noch heute erfolgreich und rangiert oft unter den Top-10 der Spiele-Downloads.

Ein Pokémon im Vorgarten – Augmented Reality macht es möglich. (c) Michael Schwertel/Niantic

Ein Pokémon im Vorgarten – Augmented Reality macht es möglich. (c) Michael Schwertel/"Pokémon Go"/Niantic

Beispielhaft war auch die schnelle Verbreitung um den ganzen Globus. Es hat nur wenige Tage gedauert, bis sie sich weiter verbreitet hatte als „Candy Crush“ oder andere erfolgreiche Apps. Das bedeutet: Die nächste AR-App könnte durchaus innerhalb von Tagen um den Globus schwappen. Wir sollten uns darauf gefasst machen, dass AR alltäglicher wird.

Vor allem, weil wir vermutlich nicht merken werden, dass es sich um AR handeln wird. Der Erfolg von ganzen Netzwerken wie Snapchat beruht schon jetzt auf Funktionen, die nichts anderes als AR-Anwendungen sind. Die jungen Nutzer nehmen das aber nicht als erweiterte Realität, sondern als Spielerei wahr. Damit werden die Nutzer jedoch allmählich immer selbstverständlicher an diese Funktionalität herangeführt.

Was gibt es bei der Produktion von AR-Inhalten zu beachten?

Die Programmierung verlangt noch einiges an Know-how, sodass man gezwungenermaßen mit Profis zusammenarbeiten muss. Es gibt bereits kleinere Lösungen, die Anwendern das Erstellen eigener Funktionen in Apps erlauben. Daher ist davon auszugehen, dass es in naher Zukunft auch einfache Lösungen für diese Anwendungen geben wird.

Wer AR-Inhalte erstellen will, sollte vorweg vor allem eines prüfen: Geben die Inhalte eine Rechtfertigung für das Medium Augmented Reality? Gibt es Informationen, die man der Realität anreichern kann?

Können diese Fragen positiv beantwortet werden, lassen sich gute Inhalte konzipieren. Drei grundlegende Tipps dafür:

  • Bieten Sie nicht zu viele Informationen in Augmented Reality an. Das Bild ist schnell überladen.
  • Beachten Sie die Usability. Die Gestaltung sollte stets darauf einzahlen.
  • Nutzen Sie Ton – denn auch Sound kann Orientierung schaffen.

So wie es heute zum alltäglichen Straßenbild gehört, dass alle Menschen auf ihr Handy starren, so wird in Zukunft jeder durch den Filter seines Internets und seiner Infomasken in die Welt schauen. AR macht es möglich – und wir müssen uns darauf einstellen.

 

 
 

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