Onarans neues Buch erklärt, wie man sich positioniert und ein authentisches Thema findet. (c) Goldmann Verlag
Onarans neues Buch erklärt, wie man sich positioniert und ein authentisches Thema findet. (c) Goldmann Verlag
Rezension

Auftauchen statt Untergehen

In ihrem neuen Buch plädiert Tijen Onaran dafür, sich selbst zu reflektieren und sichtbar zu werden. Als Personal Brand könnten sich vor allem berufliche Vorteile ergeben.
Volker Thoms

Personal Branding ist ein zentrales Thema der Kommunikation geworden. Recht neu ist eigentlich nur der Begriff. Die Positionierung von Prominenten, Politikern, CEOs sowie Sportlern und der Einsatz von Testimonials basierten schon immer auf dem Ansatz, den Markenkern einer Person herauszuarbeiten. Influencern ohne klares Profil kauft niemand etwas ab. Personal Branding ist damit eine Kernkompetenz von PR und Werbung: ein Image zu kreieren, dieses bei Bedarf anzupassen oder über verschiedene Kanäle auszuspielen. Eine höhere Bekanntheit steigert den Marktwert einer Person und kann sich insofern auch finanziell auszahlen.

Tijen Onaran ist selbst zu einer Marke geworden. Sie ist Moderatorin und Gründerin des Netzwerks „Global Digital Women“, das unter anderem die Digital Female Leader Awards verleiht. Sie ist Podcast-Host und tritt als Referentin auf Veranstaltungen auf. Außerdem ist sie Autorin. Ihr neues Buch heißt „Nur wer sichtbar ist, findet auch statt“. Es ist eine Mischung aus Karriere- und Marketing-Ratgeber gepaart mit Erklärungen der digitalen Welt. Onaran stellt wie in ihrem Vorgängerbuch „Die Netzwerkbibel“ ihr eigenes Leben und ihre Erfahrungen im Stile einer Aufstiegsgeschichte in den Vordergrund. Leser:innen werden konsequent geduzt.


(c) Goldmann Verlag

Nur wer sichtbar ist, findet auch statt. Werde deine eigene Marke und hol dir den Erfolg, den du verdienst.

Tijen Onaran, Goldmann Verlag, 256 Seiten.
12,00 Euro


Der Einleitung zufolge soll sich das Buch an „Jede*n“ richten. Das ist in der Theorie richtig. Es ist für jeden Menschen sinnvoll, sich zu fragen, welche beruflichen Ziele man erreichen möchte, was man gut und weniger gut kann und wie man seine Stärken nach außen präsentiert. In der Realität dürften die 256 Seiten jedoch eher für Personen mit einem akademischen Hintergrund hilfreich sein, die in Berufen mit Gestaltungsfreiheit oder als Selbstständige arbeiten. Jemand mit einem Werkvertrag in der Fleischindustrie hat genauso wenig Gelegenheit, zu einer Personal Brand zu werden, wie eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, die im Einzelhandel im Schichtdienst tätig ist und sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz macht. Erfolgreiche Personen in Führungspositionen können sich im Zweifelsfall einen Karrierecoach leisten und wissen, was ihre Stärken und Schwächen sind. Für sie wäre das Buch höchstens ein Anstoß nachzujustieren.

Sichtbarkeit in der Kommunikation

Für Personen aus der Kommunikationsbranche, die Argumente an die Hand bekommen möchten, um sichtbar zu werden, ist das Buch dagegen relevant. Sichtbarkeit wird von Arbeitgebern in der Kommunikation meist gefördert und honoriert. Wer sich in den Social Media kreativ und debattenfest präsentiert, erhält eher Anfragen für Events. Wer digitale Reichweite mitbringt, erhöht die Chancen, in Award-Jurys zu sitzen. Öffentliche Präsenz on- und offline ermöglicht Rückschlüsse auf Einstellung, Rhetorik, Interessen und Engagement, die für Arbeitgeber Hinweise sind, ob jemand in ein Team passen könnte oder nicht.

Was ist angemessen? Was „too much“? Diese Fragen lassen sich nur bedingt durch Selbstreflexion beantworten. Es braucht Feedback. Resonanz aus der Community. „Es gibt keine gute Fee, die alles für dich macht“, wie Onaran schreibt. Der Antrieb, sichtbar zu werden, müsse von einer Person selbst ausgehen. Eine erzwungene Marke ist keine gute.

Das Buch erklärt, wie man sich positioniert und ein authentisches Thema findet. Welche Möglichkeiten Social Media bieten und wie man mit Hass und einem Shitstorm umgeht. Auch gibt es einen Exkurs in die Psychologie, in dem Onaran das Impostor-Syndrom beleuchtet, das erfolgreiche Menschen zu Selbstzweifeln verleiten kann, weil sie sich für Hochstapler halten. Am Ende geht es vor allem um eine zentrale Frage: Wer bin ich eigentlich? Das müsse man als Erstes herausfinden, so Onaran.

Fazit:

(sollte man gelesen haben)

Das Buch regt dazu an, die eigenen Stärken selbstbewusst zu präsentieren. Ausführlicher Teil zu Social Media und wie sich dort der individuelle Markenkern herausarbeiten lässt.

 

 
 


randbemerkung

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