Machen Journalisten Fehler, leidet die Glaubwürdigkeit von Medien. (c) Thinkstock/Panya_sealim
Machen Journalisten Fehler, leidet die Glaubwürdigkeit von Medien. (c) Thinkstock/Panya_sealim
Kolumne

Auch Redakteure machen Fehler

Was ist schlimmer als falsche Rechtschreibung? Genau – fehlerhafter Inhalt. Unser Kolumnist Claudius Kroker über schwache Momente von Medienprofis.
Claudius Kroker

Meine jüngste Kolumne „Vergesst die Sprachpäpste“ kommentierte ein User wie folgt: „Es kann nicht sein, dass man jeden Tag in den Medien falsches oder schlechtes Deutsch hören und lesen muss.“ Der Mann hat Recht.

In der Tat wollte ich mit meinem kleinen Beitrag nur für ein gesundes Abwägen zwischen strengen Rechtschreib-Paragrafen und ansprechender Textmelodie plädieren, aber keinesfalls dem oftmals durch Unwissenheit hervorgerufenen Kreations-Wahn in Redaktionen und Pressestellen Tür und Tor öffnen.

Dabei scheint der größte Unfug seinen Ausdruck nicht einmal in grammatikalischen Irrtümern zu finden, sondern oftmals in inhaltlichen Fehlern. Das ist dann etwas, wo wir auch guten Gewissens sagen können und müssen: Das ist schlicht falsch. Journalistische Freiheit hin oder her.

Zur Bundestagswahl kandidierten nicht nur die im Parlament vertretenen Parteien, sondern „rund 40 weitere Fraktionen“, schrieb zum Beispiel die Prisma-Redaktion vor Kurzem. Falsch. Eine Partei ist eine Partei (nämlich außerhalb des Parlaments) und eine Fraktion eine Fraktion (so heißen die dann, wenn sie mit genügend Abgeordneten den Einzug ins Parlament geschafft haben). In jedem Falle ist es kein Synonym.

Fehler mit großer Reichweite

Der Journalist und Macher der Webseite „Perlen des Lokaljournalismus“, Jörg Homering-Elsner, sagte einmal in einem Interview: „Jeder macht in seinem Beruf mal Fehler – aber bei uns Journalisten stehen sie gleich in der Zeitung.“ Da hat er natürlich Recht. Gerade deshalb sollten Redakteure sehr sorgfältig arbeiten – stilistisch wie inhaltlich.

Dabei bezieht sich seine Perlen-Sammlung hauptsächlich auf Stilblüten der Gattung „Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst“ oder „Tag der offenen Tür im Gefängnis“. Darüber kann man lachen, wenn man mag. Aber es sind nicht die ganz großen Katastrophen. Schlimmer sind wahre Fehler und Falschaussagen.

Nach der nordrhein-westfälischen Bürgermeisterwahl 2015 schrieb ein Lokalblatt im Rheinland, der neue Oberbürgermeister sei „von der Mehrheit der Bonner“ gewählt worden. Auch das war falsch. Nur ein Teil der Bonner war wahlberechtigt (nämlich 244.355), und nicht einmal die Hälfte der Wahlberechtigten ging zur Wahl. Nur ein Teil der von ihnen abgegebenen Stimmen war gültig, und wiederum nur ein Teil davon (54.548 Stimmen) entfiel auf den jetzt amtierenden Oberbürgermeister. Da sieht das Ergebnis schon ganz anders aus: nur ein Sechstel der Bonner hat ihn gewählt.

Eine Bausparkasse schrieb in ihrer Pressemitteilung, man habe im Rahmen einer Studie festgestellt, dass sich die Immobilienpreise „mehr als verdoppelt haben (plus 53 Prozent)“. Leider auch wieder falsch. 50 Prozent mehr sind noch lange keine Verdoppelung.

Korinthenkackerei mag das mancher nennen, gerne auch Haarspalterei. Aber die Ungenauigkeiten summieren sich. Im selben Maße sinkt die Glaubwürdigkeit der Medien und auch der Pressestellen. Ich halte das für bedenklich.

Ein Problem, das gelöst werden muss

Aber ich will hier nicht pauschal Kolleginnen und Kollegen in Presse und Pressestellen kritisieren. Viele von ihnen machen einen tollen Job. Aber wie gesagt: Etwas mehr Sorgfalt wäre hier und da angebracht.

Besonders viele Fehler finden sich übrigens und ausgerechnet in Schulbüchern. Rechenaufgaben mit Rechenfehlern, Englisch-Vokabeln mit Schreibfehlern, Sachkunde-Hefte mit inhaltlichen Fehlern. Da wird der Bundespräsident vom Bundesrat gewählt, achtundzwanzig durch vier macht drei, und Kinder sollen sich sicher in einem „Zahelnraum“ bewegen. Redakteure in Schulbuch-Verlagen sind also ebenso anfällig für Fehler, die mehr sind als nur Perlen des Lokaljournalismus.

Vielleicht ist die Sache mit Gründlichkeit und Sorgfalt ein Zeitproblem, wie mancher zu seiner Verteidigung anführt. Mag sein. Aber dann müssen wir das lösen.

 

 
 


randbemerkung

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