Was tun, wenn der Reporter genervt ist? (c) Thinkstock/Sergey Mironov
Was tun, wenn der Reporter genervt ist? (c) Thinkstock/Sergey Mironov
Tipps im Umgang mit Reportern

Acht Anzeichen, dass ein Interview schlecht läuft

Der Reporter wirkt genervt und unterbricht ständig oder er stellt keine Nachfragen und dämmert einfach weg? Solche Interview-Situationen verunsichern. Unsere Gastautorin erklärt, welche Gründe dahinterstecken können und wie Sie gegensteuern.
Kirsten Kahler

Stellen wir uns vor, Sie stehen kurz vor einem Interview. Gleich werden die Reporter zur Tür hereinkommen, und in dieser stillen Sekunde gehen Sie noch einmal in sich: Werden meine Botschaften für die Journalisten spannend sein? Werde ich verstanden werden? Werde ich unsere Unternehmenspläne gut verkaufen? Und natürlich: Wird die Redaktion die Story bringen?

Tatsächlich gibt es Anzeichen, die schon während des Interviews darauf hinweisen, ob etwas in die falsche Richtung läuft. Wenn Sie diese Zeichen erkennen, können Sie noch während des Gesprächs gegensteuern.

1. Der Reporter unterbricht Sie

Wenn es um ein TV- oder Radio-Interview geht, haben Journalisten sehr rigide Längenvorgaben. Nicht umsonst gibt es in Radio und TV den scherzhaften Spruch: „Du kannst über alles reden, nur nicht über 1’30!“ Will sagen: Ihre Antworten sind vermutlich zu lang. Also werden Sie kürzer! Beginnen Sie mit dem Wesentlichen, nicht mit dem Ersten. Fünf bis sechs Sätze pro Antwort sind meistens genug. Das gilt auch im Zeitungs-Interview. Gekürzt wird im Journalismus bekannterweise vom Ende her.

2. Der Reporter wirkt genervt

… und unterbricht Sie deshalb. Oder er rutscht ungeduldig auf dem Stuhl herum? Vielleicht hat er spannendere Aussagen von Ihnen erwartet. Es ist ein Unterschied, ob Sie um ein Interview gebeten werden oder ob Sie das Interview Ihrerseits arrangiert haben. Wenn man bei Ihnen angefragt hat,  rechnet der Journalist an bestimmten Stellen mit rhetorischen Ausweichmanövern – Zooming, Bridging und anderen Finessen. Wenn aber Ihre Pressestelle das Interview angeboten hat, verärgern Sie den Journalisten, wenn Sie keinen Klartext reden. Und übrigens: Fachsprache wird nicht als Kompetenzausweis verstanden, sondern als Arroganz.

3. Der Reporter kreist immer um dasselbe Thema

Möglichkeit eins: Ihm reichen Ihre entsprechenden Aussagen nicht aus. Jetzt besteht die Gefahr, dass er dieses Interview überhaupt nicht verwendet oder wütend über Ihr Gebaren schreibt. Fragen Sie ihn ruhig, worauf er hinaus will. Aber bleiben Sie ruhig und sachlich. Vielleicht müssen Sie auch erklären, dass es zu diesem Thema nicht mehr zu sagen gibt.

Möglichkeit zwei: Haben Sie sich vielleicht verquatscht? Manches mag aus kaufmännischer Sicht konsequent und richtig wirken, ist aber nach außen schlagzeilenträchtig. Zum Beispiel: Standort-Schließung, Kurzarbeit, Arbeitsplatzabbau. Haben Sie unwillentlich die Katze aus dem Sack gelassen?

4. Der Reporter lässt Sie reden und stellt keine Fragen

Wenn Sie Ihre Unternehmens-„Bombe“ platzen lassen, aber sich im Gesichtsausdruck Ihres Gegenübers nichts verändert, kann das folgende Gründe haben: Sie haben es zu kompliziert formuliert, oder Sie haben nicht erklärt, warum es in Ihrer Branche ein Knaller ist. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Botschaft noch einmal im Detail zu erläutern. Journalisten sind nur selten genauso tief im Stoff wie Sie.

Weitere Möglichkeit: Die Konkurrenz war schneller als Sie. Journalisten möchten über etwas berichten, das neu ist oder anders als üblich. Alles andere, so meinen sie, langweilt die Leserschaft.   

5. Der Reporter versteht Ihre Antwort mehrfach falsch

Solche Missverständnisse bemerken Sie oft nur, weil der Reporter Ihre Antwort aufgreift und daraus eine Frage ableitet. Wenn Sie ahnen, dass hier etwas falsch verstanden wurde, stellen Sie dies sofort klar. Was Sie hier und jetzt im Interview nicht berichtigen, landet schief im Blatt. Scheuen Sie sich nicht, auf Ihrer Erklär-Ebene noch einmal „einen Gang runterzuschalten“.

6. Der Reporter dämmert weg

Das passiert gern in Round-Table-Gesprächen mit mehreren Journalisten. Häufig liegt der Grund dafür gar nicht in den Antworten, sondern in der Verbindung zu den Zuhörern. In Gruppengesprächen ist es wie in Vorträgen: Man muss einen Draht zu den Zuhörern aufbauen und aufrechterhalten. Zum Beispiel durch Gegenfragen oder Denkanstöße.

Übrigens gilt in jeder Interview-Situation: Wenn Ihr Gegenüber aktiv zuhört und Sie es ihm im Gesicht ansehen, dann ist alles in Ordnung.

Dennoch kann auch dies noch passieren:

7. Der Reporter richtet seine Story anders aus als erwartet

Journalisten ordnen nun einmal ein. Sie rücken denjenigen Bereich ins Licht, der im thematischen Umfeld am neuesten oder überraschendsten wirkt. Haben Sie den journalistischen Wert Ihrer Informationen realistisch genug beurteilt? Und: Haben Sie das Thema vorab gut genug mit der Redaktion besprochen? Journalisten sind sehr wohl bereit, zusammen mit Ihnen einen guten Bericht zu konzipieren.

8. Der Reporter bringt die Story nicht

Jetzt ist natürlich die Enttäuschung groß! Fragen Sie ruhig in der Redaktion nach den Gründen. Es kann jederzeit passieren, dass etwas Bahnbrechendes die Nachrichtenlage komplett über den Haufen wirft und Ihre Story in die nächste Ausgabe schiebt. Da können Sie sich noch so gut mit dem Journalisten verstanden haben. Und falls es an einem der obigen Punkte gelegen haben könnte, sehen Sie es als persönliche Lernkurve.

 

 
 


randbemerkung

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